LICHTENFELS

Steffen Biskupski über das Corona-Schuljahr an der HOS

Steffen Biskupski ist Schulpsychologe und Lehrer an der Herzog-Otto-Mittelschule tätig. Foto: HOS

Lockdown, digitaler Unterricht, Maskenpflicht, Abstand halten. Seit dem Beginn der Pandemie müssen sich Schüler und Lehrer vollkommen auf neue Lern- und Lebenswelten einstellen. Und die Normalisierung dieser Tage kann im Herbst schon eine vierte Welle wieder zunichte machen. Steffen Biskupski ist Schulpsychologe und Lehrer an der Herzog-Otto-Mittelschule.

Er berichtet für OTverbindet über ein Schuljahr, dass von den Corona-Folgen völlig geprägt war, von Nachteilen aber auch Chancen.

„Ich bin erst seit Beginn dieses Schuljahres als Schulpsychologe und Lehrer an der Herzog-Otto-Mittelschule tätig. Die meisten der rund 400 Schülerinnen und Schüler und etwa 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnte ich zu Beginn des Schuljahres kurz und erst wieder nach den Pfingstferien ohne Maske von Angesicht zu Angesicht wirklich sehen. Wie leicht konnte man sich dahinter verstecken.

Langsam kam Routine auf

Im Distanzunterricht hatten wir uns gut eingerichtet, sowohl technisch als auch unterrichtlich mit zunehmender Routine. Dazu gehörte auch schnell, die Kameras ausgeschaltet zu lassen. Zuerst, um für ausgelastete Meetingplattformen Bandbreite zu schonen, später blieb das häufig so. Ich habe stundenlang in meinem Büro gegen schwarze Rechtecke gesprochen.

Diese physische und emotionale Distanz war sowohl im Unterricht, als auch in der schulpsychologischen Beratungsarbeit schwer auszuhalten. Wir haben unsere Unterrichtsinhalte ,durchgenommen'. Aber haben wir auch ,gelernt?'.

Guter Unterricht schafft vielfältige Möglichkeiten neue Inhalte in bestehendes Wissen einzugliedern. Vor allem aber durch eine emotionale Anbindung. Wir Lehrer sind gut, wenn wir eine persönliche Beziehung herstellen können.

„Mit dem Sprung ins kalte Wasser der Digitalisierung haben wir eine längst überfällige Entwicklung für das System Schule angegangen.“
Steffen Biskupski, Lehrer

Aber es bleibt kein Zweifel: Um einer weltweiten Pandemie entgegen zu treten, musste das so sein. Und es hat sich gelohnt: Endlich haben wir wieder weitgehend ,normalen' Unterricht und einen Hauch von Schulleben.

Mit dem Sprung ins kalte Wasser der Digitalisierung haben wir eine längst überfällige Entwicklung für das System Schule angegangen. Es war für viele ein holpriger Start und wir kämpfen wie jedes andere Unternehmen mit Anfangsschwierigkeiten wie der Entgrenzung der Arbeitszeit durch eine ständige Erreichbarkeit, dem Umgang mit ungewohnter Transparenz und Nachverfolgbarkeit der Arbeit und der Priorisierung der vielen Informationen, die plötzlich verfügbar sind.

Zaghaft kommt Normalität zurück

Nun kehrt zaghaft vertraute Normalität zurück. Ich freue mich riesig darüber, feiere jedes Stückchen Schulleben, das über den Stundenplan hinaus wieder möglich ist. So trage ich zur Büroarbeit manchmal Baustellengehörschutz, da im Pausenhof gerade das Orchester probt. Mann, haben wir euch vermisst. Haut rein! Aber Stopp! Wir sollten nochmal kurz innehalten.

Wie haben wir Corona verkraftet? Was wollen wir von den Erfahrungen, neuen Methoden, veränderten Arbeitsroutinen behalten? Was darf sich nicht wiederholen? Wie können wir Schülerinnen und Schüler über dieses Schuljahr hinaus im Blick behalten, die wir dieses Schuljahr zeitweise nicht gut erreichen konnten? Den Schalter wieder einfach auf Normalbetrieb zu stellen wäre fatal. Vor allem in der Digitalisierung steckt das Potential differenziertere Lernangebote zu schaffen, eine inklusivere Schule zu ermöglichen. Das würde helfen.

„Was wollen wir von den

Erfahrungen, neuen Methoden, veränderten Arbeitsroutinen behalten? “

Steffen Biskupski, Schulpsychologe

Teamorientierteres und digital gestütztes Arbeiten schafft Synergieeffekte und wir haben am Ende mehr Zeit für die pädagogische Arbeit. Um dies nachhaltig zu entwickeln, braucht es Zeit und Kraft. Wir werden das hinbekommen.“

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