LICHTENFELS

Stefan Büttner: „Therapie ist sicher und wichtig“

Stefan Büttner ist Gesellschafter der Sport-Praxis Faulstich. Foto: red

Stefan Büttner ist Gesellschafter der Sport-Praxis Faulstich. Er schreibt, wie sich die Folgen der Pandemie auf die Arbeit der Physiotherapheuten auswirkt. Das so mancher Patient ausbleibt, das sieht er als Gefahr.

„Das Wort Physiotherapie setzt sich aus den altgriechischen Wörtern physio für Natur oder Körper und therapeia für Dienen zusammen. Physiotherapeuten erbringen also Dienstleistungen zur Wiederherstellung der natürlichen Körperfunktion. Und wie machen wir das? Auf den ersten Blick machen wir das mit unseren Händen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Der Mensch ist komplex. Gesundheit ist komplex. Gesundheit wird als ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens definiert.

Hier beginnt die ganze Wahrheit

Und hier beginnt die ganze Wahrheit. Wir in der Sport-Praxis Faulstich sehen Menschen stets im Ganzen – wir arbeiten an Strukturen des Körpers, wir hören Menschen zu, sprechen Mut zu, motivieren sie zu einem gesünderen Lebensstil, helfen Menschen wieder berufsfähig zu werden, ihrem Hobby nachzugehen oder mit ihren Enkeln zu spielen. Und was brauchen wir für diese Arbeit? Nähe – physisch wie psychisch.

Die Hygienekonzepte werden penibel umgesetzt. Foto: red

Und nun kommt Corona, die AHA-Regel, der Lockdown mit Schließung von Schulen, von Freizeiteinrichtungen, vom Vereinssport, von Trainingseinrichtungen. Geplante Operationen werden verschoben, viele Menschen sind in Kurzarbeit. Die Unsicherheit und die Ängste der Menschen nehmen zu – und damit auch die Krankheiten. Das sollte bedeuten, dass die Anzahl Patienten zunehmen sollte. Aber dem ist nicht so – aufgrund einzelner, aber bedeutender Worte unserer Politik und aus Angst vor einer Ansteckung.

Terminausfälle waren massiv

Ende März 2020 verkündete unser Ministerpräsident Markus Söder Physiotherapeuten dürften „nur in Notfällen“ besucht werden und sorgte damit für große Verunsicherung in der Bevölkerung und bei den niedergelassenen Ärzten. Auch wenn sich dies in der folgenden Allgemeinverfügung der bayerischen Staatsregierung anders gelesen hat, so war das Kind bereits in den Brunnen gefallen.

Die Terminausfälle waren so massiv, dass wir auch für unsere Physiotherapeuten kurzfristig Kurzarbeit beantragen mussten. Kurzarbeit für Physiotherapeuten? Das war ein Paradoxon. Das waren unruhige Nächte. Das waren schwere Entscheidungen. Da nutzt auch die attestierte Systemrelevanz nichts.

Und nun zur Sache mit der Angst. Der Bedarf an Therapie ist durch sie gestiegen. Aber nicht alle Patienten kommen zur Therapie – aus Angst. Wieder paradox. Es laufen Luftfilter, es wird gelüftet und desinfiziert. Handschuhe, Mund- und Nasenschutz, FFP2-Masken oder Faceshields schaffen Sicherheit bei einer Therapie, bei der Abstand naturgemäß nicht eingehalten werden kann. Das alles ist notwendig, aber es schafft Distanz.

Vor Corona haben unsere Therapeuten schon am leichten Zucken des Mundwinkels merken können, wie der Patient sich gerade fühlt, noch bevor er es gesagt hat. Auch wenn die Therapie manchmal anstrengend oder schmerzhaft ist, hilft hier oft ein einfaches Lächeln. Mit Mund- und Nasenschutz müssen wir jetzt aber noch eine Schippe drauflegen und versuchen, die Augen mehr zum Strahlen zu bringen, um den aufbauenden Worten mehr Ausdruck zu verleihen. Und das machen wir – trotz des erheblichen Mehraufwands und Zeitdrucks für die notwendigen Hygienemaßnahmen und trotz dem eigenen Zwiespalt zwischen ,bleiben Sie zu Hause' und dem eigenen Antrieb Menschen zu helfen. Da stellt man sich manchmal selbst die Frage ,ist Therapie notwendig?' Ja, das ist sie.

Notwendige Therapie findet nicht statt

Wir erleben beinahe täglich, dass notwendige Therapie nicht stattfindet, weil Patienten aus Angst vor einer Ansteckung den Arztbesuch meiden oder nicht zur Therapie kommen. Doch was sind die Folgen? Die gesundheitlichen Einschränkungen sind damit nicht gelöst – die Rückenschmerzen bleiben, Kraft fehlt weiterhin, Bewegungseinschränkungen sind noch da. Manchen fällt das in Zeiten des Lockdowns gar nicht so auf. Aber das wird sich ändern. Und dann? Es wird eine Zeit kommen, in der wir wieder dürfen, aber nicht alle wieder können. Das bestürzt uns sehr. Denn genau das zu verhindern, ist unser Antrieb. Therapie ist wichtig, sicher und vielfältig.

Es kann die Physio- oder Trainingstherapie vor Ort sein, es kann eine ausgewogene Ernährung oder eines der vielzähligen Online-Trainings-Angebote, die auch wir dreimal pro Woche kostenlos auf YouTube anbieten, sein. Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Corona – das sollte trotz aller Vorsicht jedem bewusst sein.“

 

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