LICHTENFELS

Stadtrat Lichtenfels genehmigt Zeitplan für Marktplatz 10

Jetzt kann's losgehen: Der Stadtrat hat am Montagabend den Durchführungsbeschluss für den Umbau des Anwesens Marktplatz ... Foto: Steffen Huber

Der Corona-bedingte Shutdown hatte auch auf die letzte Stadtratssitzung in diesem Jahr seine Auswirkungen. Um das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten, hatte Erster Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) im Vorfeld der Sitzung in der Stadthalle mit allen Fraktionsvorsitzenden verabredet, auf Fachvorträge zu den einzelnen Tagesordnungspunkten zu verzichten und die Redebeiträge der Gremiumsmitglieder auf das nötigste zu beschränken. „Wir wollen die Dauer der Stadtratssitzung wegen der Pandemie begrenzen“, betonte der Rathauschef. Dies diene der Gesundheit und sei keinesfalls als Unterdrückung der Demokratie zu verstehen.

Eine solche ließ sich auch vom Berichterstatter nicht feststellen. Die Stadträte kamen wie gewünscht zu Wort, und auch die Mitarbeiter der Stadtverwaltung standen Rede und Antwort (siehe Bericht: Aus dem Stadtrat).

So wurde denn auch die wohl wichtigste Entscheidung ohne Wortmeldung einstimmig verabschiedet, der „Baudurchführungsbeschluss zum Umbau der städtischen Liegenschaft Marktplatz 10 zu einer Bücherei mit Touristinformation, Verwaltungsräumen und Makerspace“. Das Projekt im Herzen von Lichtenfels kostet knapp acht Millionen Euro und ist eines der wichtigsten Vorhaben der Stadt in den kommenden Jahren.

Ein Rückblick: Die Stadt hat das Gebäude, in dem damals eine Filiale der früheren Drogeriekette Schlecker untergebracht war, im Jahr 2004 erworben. 2006 zog die Tourist-Information in einen kleineren Teil des Hauses, dessen größerer Teil nach der Schlecker-Pleite im Jahr 2012 leer stand.

Stadtrat beschloss Sanierung und Umbau im Oktober 2018

Nach einer städtebaulichen und denkmalpflegerischen Untersuchung beschloss der Stadtrat im Oktober 2018, die historische Bebauung am Marktplatz zu sanieren und zu erhalten, den neueren Flachdachanbau im hinteren Bereich abzureißen und hier ein neues Gebäude zu errichten. Dazu lobte die Bürgervertretung einen Architektenwettbewerb aus, den das Architekturbüro Studio Gründer Kirfel aus Bedheim mit seinem Entwurf gewann und im November 2019 mit der Realisierung des Umbaus beauftragt wurde.

Jetzt kann's losgehen: Der Stadtrat hat am Montagabend den Durchführungsbeschluss für den Umbau des Anwesens Marktp... Foto: Steffen Huber

Das Preisgericht lobte den „sensibel-unspektakulären“ Umgang mit dem Bestandsgebäude zum Marktplatz und befand den Neubau im Hof als „völlig eigenständige und mutige Art und Weise“, wie der Leseraum zum gedanklichen Austausch einlade. Weiter hieß es in der Laudatio: „Der Entwurf besticht durch seinen geometrisch klar entwickelten, lang gestreckten Bibliothekskörper auf der Ostseite des Hofes, der ein eindrückliches Kompendium von Leseräumen beherbergt. Eine auf Hofebene angesetzte Lesetreppe bezieht den Außenraum in analoger Weise in das Konzept ein. Es entsteht ein großzügiger Außenraum mit Sitzstufen vor einer gläsernen Fassadenfront. Durch die Idee des gestuften Raums wird die Höhe des Innenhofs zum Stadtschloss verringert, die Proportion des Außenraums wird dadurch entspannt. An der Stirnseite des Hofes führt eine quer angelegte Außentreppe zum Schloss.“

In der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung für den Umbau des Anwesens Marktplatz 10 zur Stadtbücherei und Tourist-Information mit Verwaltung heißt es, dass die Stadt einen langjährigen Leerstand wiederbelebe. Damit „solle ein Magnet, ein Zentrum städtischer Begegnung und ein Ort der Kommunikation, Bildung, Inspiration und Emotion mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen und den Marktplatz mit dem Stadtschloss räumlich verbinden.“

Ziel sei es, einen neuen „Stadtbaustein an prominenter Lage“ zwischen dem nördlich angrenzenden Marktplatz mit Rathaus und dem südlich anschließenden Stadtschloss städtebaulich sensibel zu integrieren. Eine öffentliche, attraktive Wegeführung soll zudem den Marktplatz mit dem Stadtschloss verbinden. Der Um- beziehungsweise Neubau soll einen würdevollen Umgang mit dem Bestandsgebäude und der erhaltenswerten Fassade finden.

„Die Nachbarn wurden in mehreren Gesprächsrunden gehört“

Nach einem dreiviertel Jahr Planungszeit liege nun der Vorentwurf vor. Dieser sei in Abstimmung mit den Nutzern, den Fachplanern und den Fachbehörden erarbeitet worden, heißt es in der Beschlussvorlage, in der betont wird: „Auch die Nachbarn wurden in mehreren Gesprächsrunden gehört. Am Gesamtkonzept hat sich nichts verändert.“

Um in der Planung weiter zu kommen, stünde nun der Rückbau des neuzeitlichen Hintergebäudes an. „Weiterhin müssen aus dem historischen Vorderhaus alle nicht mehr notwendigen oder erhaltenswerten Elemente entfernt werden“, heißt es weiter. Und die Stadtverwaltung betont: „Mit dem Rückbau wird jedoch die nächste Bauphase beschritten. Ist das Hintergebäude abgebrochen, muss unweigerlich auch die weitere Baumaßnahme erfolgen. Die Ausschreibung der Rückbauarbeiten ist damit einem Baudurchführungsbeschluss gleichzusetzen.“

Einstimmig beschloss der Stadtrat folgenden Zeitplan:

• 7. Januar: Ausschreibung der Rückbauarbeiten.

• 8. März: Vergabe der Rückbauarbeiten im Stadtrat.

• März: Baugenehmigungsverfahren.

• Frühjahr: Ausführung der Rückbauarbeiten.

• Sommer: Ausführungsplanung.

• Herbst: Ausschreibung.

• Frühjahr/Sommer 2022: Baubeginn.

Stadt darf mit Zuschüssen in Höhe von sechs Millionen Euro rechnen

Die Gesamtkosten des Projekts ohne Kosten für die Ausstattung schätzt die Stadt auf zirka 7,9 Millionen. Die Arbeiten werden voraussichtlich von der Städtebauförderung im Rahmen des Programmes „Innen statt außen“ mit 80 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschusst. Insgesamt darf die Stadt etwa sechs Millionen Euro Fördermittel für den Umbau des Anwesens Marktplatz 10 erwarten, zwei Millionen Euro muss sie selbst aufbringen.

Aus dem Stadtrat

• Der Rechnungsprüfungsausschuss gab das Ergebnis der Prüfung der Jahresrechnung der Stadt und der Wohltätigkeitsstiftung für 2019 bekannt. Vorsitzender Robert Gack (CSU) betonte, dass es keine besondere Haushaltsüberschreitung gebe. Allerdings lägen die Schulden der Stadt etwas über dem Landesdurchschnitt. Für Defizite sorgen unter anderem das Hallenbad und die Stadthalle. Um die Kosten zu senken und die Einnahmen zu erhöhen, regte Gack Ausschreibungen für den Betrieb der defizitären Bereiche an, eine Anpassung der Nutzungsgebühren, ein Energiekonzept fürs Hallenbad sowie eine Verbesserung der Digitalisierung des Bauhofs.

• Der Stadtrat genehmigte außerplanmäßige Ausgaben für das Rechnungsjahr 2019. Diese betragen knapp 370 000 Euro im Verwaltungs- und gut 850 000 Euro im Vermögenshaushalt. Im Verwaltungshaushalt ist der größte Posten ein Betriebskostenzuschuss in Höhe von knapp 210 000 Euro für die Inbetriebnahme der „Körbla“-Kita. Im Vermögenshaushalt werden knapp 230 000 Euro mehr fällig für zu niedrig kalkulierte Kosten für den Straßenbau im Baugebiet „Maintal“ in Reundorf. Für das Gewerbegebiet „A 73“ werden dazu Restkosten in Höhe von zirka 260 000 Euro fällig. Die Deckung der Überschreitungen ist durch Mehreinnahmen beziehungsweise Ausgabeeinsparungen gewährleistet, heißt es in der Beschlussvorlage.

• Die endgültige Anerkennung erteilte die Bürgervertretung für die Jahresrechnung 2019 der Stadt Lichtenfels und der Wohltätigkeitsstiftung fürs Jahr 2018. Demnach beträgt das Volumen des Verwaltungshaushalts rund 39,66 Millionen Euro. Der Vermögenshaushalt hat einen Umfang von gut 11,28 Millionen Euro. Der Sollüberschuss, welcher der allgemeinen Rücklage zugeführt wurde, beläuft sich auf gut 4000 Euro. Der Verwaltungshaushalt der Wohltätigkeitsstiftung umfasst 1258 Euro, der Vermögenshaushalt hat einen Umfang von 1256 Euro.

• Diskussionsbedarf gab es bei der Behandlung von Bedenken und Anregungen für die Aufstellung der Einbeziehungssatzung „Uferweg“ in Mistelfeld. Hierzu hatten die Regierung von Oberfranken, Abteilung Baurecht, das Bayernwerk, das Wasserwirtschaftsamt Kronach, das Landratsamt, das Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung sowie das Staatliche Bauamt Bamberg Bedenken angemeldet. Des Weiteren meldete ein Anlieger aus Mistelfeld Einwände gegen das Bauvorhaben an. Von den Trägern öffentlicher Belange monierte unter anderem die Regierung von Oberfranken, dass die vorgesehene Baufläche im Überschwemmungsgebiet der Leuchse liege würden, weshalb deren Ausweisung nicht möglich sei. Auf diesen Punkt wies Dr. Christine Schmidt (Grüne) hin, die auch das Schreiben des Anliegers einging, nach welchem durch den Bau der beiden Häuser damit zu rechnen ist, dass das Oberflächenwasser noch schlechter als bisher abfließt. Stadtbaumeister Gerhard Pülz stellte dazu fest, dass die Bauherren ein Gutachten in Auftrag gegeben haben, das zu dem Schluss kommt, dass durch den Bau der beiden Häuser die Hochwassergefährdung durch die Leuchse nicht steige. „Ein Gutachten vom Wasserwirtschaftsamt bestätigt das“, so Pülz. Der Stadtbaumeister führte weiter aus, dass die Regierung die Aufstellung eines Bebauungsplanes lieber sehen würde als eine Abrundungssatzung, weil dadurch das Verfahren größer sei. Aus diesem Grund behandele das Stadtbauamt die Einbeziehungssatzung wie einen Bebauungsplan. Auf Nachfrage von Dr. Schmidt und Emmi Zeulner (CSU), wieso die Stadt sich nicht mit der Anliegerfamilie, die Einwände gegen den Bau angemeldet hat, in Verbindung gesetzt habe, sagte Pülz: „Das Verfahren sieht dies bei diesem Stand der Planung noch nicht vor.“ Wenn der Stadtrat aber grünes Licht für die Aufstellung der Satzung gebe, werde es eine Kontaktaufnahme mit dem Anlieger geben. Der Mistelfelder Bernd Krauß (CSU) erklärte zum Hintergrund, dass es zwischen dem Bauherren und dem Anlieger Differenzen gebe. Der Bauherr hätte im Übrigen schon in diesem Jahr am liebsten mit den Arbeiten begonnen und werde alles unternehmen, um mit seinen beiden Häusern die Kriterien für die grüne Hausnummer zu erfüllen, so Krauß.

• Ebenfalls eine Diskussion gab es über die Aufstellung einer Einbeziehungssatzung „Hinter dem Ziegelrangen“ in Klosterlangheim. Am Ortsrand des Stadtteils plant Erster Bürgermeister Andreas Hügerich ein Haus zu bauen, weshalb das Stadtoberhaupt bei diesem Tagesordnungspunkt die Sitzung verließ. Auf Nachfrage von Bernd Krauß, wieso die Beschlussvorlage für diesen Punkt lediglich zwei Seiten umfasse, die Vorlage für die Eineziehungssatzung in Mistelfeld aber 13 Seiten, beantwortete Stadtbaumeister Pülz damit, dass das Verfahren für den Uferweg bereits eine Stufe weiter sei. Wenn die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange im nächsten Schritt eingearbeitet würden, „haben wir hier auch 13 Seiten“. Auf Bitte von Emmi Zeulner versprach Pülz, dass sein Amt eine Aufstellung aller 430 derzeit bebaubaren Grundstücke im Stadtgebiet erstellen wird.

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