LICHTENFELS

Stadtrat gibt grünes Licht für Krebsbachbrücke in Schney

Die Krebsbachbrücke in der Schney hat ihre besten Zeiten hinter sich und wird durch einen Neubau ersetzt. Am Montag bewilligte der Stadtrat 713 000Euro für das Projekt. Die Bauarbeiten sollen im Juli oder August beginnen und noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Foto: ArchivMarkus Drossel

Seit Jahren schon ist die Krebsbachbrücke in der Nähe des Bahnhofs in Schney in miserablem Zustand. Damit ist bald Schluss, denn der Stadtrat stimmte in seiner Sitzung am Montagabend dem Neubau einer Brücke sowie dem Ausbau der Straße „Am Krebsbach“ zu. Die Kosten dafür belaufen sich laut Auskunft des Stadtbauamtes auf zirka 713 000 Euro, wovon 400 000 Euro von der Regierung von Oberfranken als Förderung gezahlt werden. Die Stadt selbst muss also etwas mehr als 300 000 Euro aufbringen.

Mit den Arbeiten soll im Juli oder Anfang August begonnen werden. Das Stadtbauamt rechnet damit, das Projekt noch in diesem Jahr abzuschließen. Die Nachfrage von Elke Werner (SPD), ob denn auch die Straße zum Bahnhof saniert werde, musste Stadtbaumeister Gerhard Pülz verneinen. Dazu fehle der Beschluss. Wenn sie erneuert werde, dann eher langfristig.

Zur Frage von Monika Faber (SPD), ob die Straße, die im kommenden Jahr als Umleitung für die zu sanierende Kreisstraße Lif 2 zwischen Schney und Michelau dient, dem dann zu erwartenden Verkehr gewachsen sei, meinte Pülz: „Keine kleine Straße, die als Umleitung für eine große Straße dient, ist dieser Verkehrsbelastung gewachsen. Wir werden aber darauf aufpassen, dass etwaige Schäden repariert werden.“

Massiv Wald gerodet und erst danach Gespräch mit Stadt gesucht

Herrschte bei der Krebsbachbrücke Harmonie im Gremium, wurden die Stadträte beim Tagesordnungspunkt neun, „Änderung des Bebauungsplanes B18 Erthalstraße, früher Waldstraße“ ziemlich ungehalten. Im Prinzip ging es darum, dass ein Eigentümer auf seinem Grundstück statt einem nun drei Häuser bauen möchte. Laut dem Bebauungsplan aus der Mitte der 1970-er Jahre besitzt er aber nur die Genehmigung für den Bau eines Hauses auf dem großzügig bemessenem Grundstück.

Wie Stadtbaumeister Gerhard Pülz erläuterte, mache es grundsätzlich Sinn, in diesem Bereich eine verdichtete Bebauung zuzulassen. Dafür müssten der Bebauungsplan und eventuelle sogar der Flächennutzungsplan geändert werden. Pülz weiter: „Problematisch ist, dass vom Eigentümer der Grundstücke massiv Wald gerodet wurde. Dies betrifft auch Bereiche, die im geltenden Bebauungsplan als Grünstreifen festgesetzt wurden.“ Ausgleichsflächen würden nicht ortsnah, sondern in Uetzing bereit gestellt. Der Bauherr habe auch erst nach der Rodung das Gespräch mit der Stadt gesucht. Trotzdem empfehle der Bauausschuss dem Stadtrat eine Änderung des Bebauungsplanes, so der Stadtbaumeister weiter, zumal die geplanten Häuser sich ins Umfeld einpassen würden.

„Wir sollten uns als

Stadtrat nicht auf

den Arm nehmen lassen!“

Robert Gack (CSU)

zu den abgeholzten Bäumen

Mit dem Vorhaben waren aber etliche Stadträte überhaupt nicht einverstanden. Robert Gack (CSU) forderte das Gremium auf, es nicht zuzulassen, dass jemand willkürlich Bäume abholze. „Wir sollten uns als Stadtrat nicht auf den Arm nehmen lassen“, schimpfte er. Monika Faber (SPD) erinnerte daran, dass auf dem entsprechenden Grund bis vor einigen Jahren noch ein dichter Wald gestanden habe: „2017 wurde er dann abrasiert. Anscheinend gibt es Leute, die meinen, wenn sie Geld haben, können sie alles machen.“

Die Krebsbachbrücke in Schney wird erneuert. Foto: Markus Drossel

Christian Barth (JB) sagte, dass der Eigentümer vor der Rodung mit der Stadt hätte reden müssen, und befürchtete einen Präzedenzfall, sollte sich die Stadt das Vorgehen gefallen lassen. Philip Bogdahn (SPD) bescheinigte der Bauverwaltung, dass es sie ehre, einen Kompromiss zu suchen, verurteilte jedoch ebenso das Verhalten des Eigentümers.

Versöhnlichere Töne schlug Frank Rubner (CSU) an. Er erinnerte daran, dass der Fall kontrovers im Bauausschuss diskutiert worden sei und rechnete damit, dass es eine Fülle an Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange wie die Untere und Obere Naturschutzbehörde sowie weiterer Institutionen zur Änderung des Bebauungsplanes geben werde. Für eine Vertagung in Bauausschuss argumentierten Uwe Held, Emmi Zeulner (beide CSU) und auch Erster Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD).

Dr. Arnt-Uwe Schille (SPD) monierte, dass die Ausgleichsflächen nicht auf dem Grundstück selbst geschaffen werden sollen, was auch Dr. Susann Freiburg (Grüne) kritisierte und vorschlug, dies für künftige Vorhaben festzuschreiben. Und Heike Kunzelmann (AfD) fundet, dass man auf dem Areal keine große Villa hinstellen solle: „Die Stadt würde Stärke beweisen, wenn das Vorhaben in den Bauausschuss zurück verlegt würde.“

Antrag wird im Bauausschuss wieder Thema

Dem stimmte abschließend auch die knappe Mehrheit des Stadtrats mit 17 zu zwölf Stimmen zu. Für Stadtbaumeister Pülz nicht die schlechteste Lösung, habe doch die Stadt die Möglichkeit, gestaltend in die Planung – die im Übrigen bis dato komplett vom Bauherrn finanziert wurde – einzugreifen. Zumal rund 50 Träger öffentlicher Belange ihre Stellungnahme zu dem Projekt abgeben könnten.

Aus dem Stadtrat

• Der Stadtrat hat folgende Stiftungsräte für die Bürgerstiftung „Stiftung unser Lichtenfels“ bestellt: Erster Bürgermeister Andreas Hügerich; Zweite Bürgermeisterin Sabine Rießner; Dritter Bürgermeister Mathias Söllner; Roberto Bauer; Bernd Legal. Beratend stehen der frühere Dritte Bürgermeister Winfried Weinbeer und Stephan Franke (Sparkasse Coburg-Lichtenfels) dem Gremium zur Seite. Rathauschef Hügerich dankte dem ausgeschiedenen Günter Hofmann für dessen Einsatz im alten Stiftungsrat.

• Ebenfalls bestellt wurden Stadtratsmitglieder für die Lenkungsgruppe zur Stadtentwicklung. Diese sind Bürgermeister Andreas Hügerich sowie die zehn Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses: Frank Rubner, Uwe Held, Dr. Andrea Starker (alle CSU); Philip Bogdahn, Günter Reinlein, Ina Dorsch (alle SPD); Mathias Söllner (Grüne); Dr. Christopher Bogdahn (FW/FB); Christian Bauer (JB); Andrea Dinkel (WLJ).

• Seinen Segen gab das Gremium der Satzung zur Regelung von Fragen des örtlichen Gemeindeverfassungsrechtes. In dieser finden sich unter anderem die Aufwandsentschädigungen für die Stadträte und die Ortssprecher.

• Grünes Licht erhält die Bauverwaltung vom Stadtrat, eine so genannte Einbeziehungssatzung „Uferweg“ für Mistelfeld aufzustellen und parallel den Flächennutzungsplan zu ändern. Damit können dort Einfamilienhäuser im „Fränkischen Stil“ gebaut werden, aus Sicht der Verwaltung ein „sinnvoller“ Lückenschluss.

• Wie Andreas Schönwald von der Stadtverwaltung ankündigte, finden zeitnah in denjenigen Ortsteilen, die vor dem 18. Januar 1952 eigenständige Gemeinden waren und aktuell keinen eigenen Stadtrat stellen, Unterschriftensammlungen für die Ortssprecherwahl statt. Dies gilt für folgende Ortsteile: Seubelsdorf, Köttel und Eichig, Trieb und Degendorf, Klosterlangheim, Mönchkröttendorf, Reundorf, Roth und Rothmannsthal.

• Frank Rubner (CSU) regte an, die Zufahrt der Straße An der Zeil zur Coburger Straße noch in diesem Jahr zu verbessern, zumal es wegen der Coronakrise Zuschüsse vom Bund für ausgefallene Gewerbesteuereinnahmen gebe. Erster Bürgermeister Andreas Hügerich gab zu bedenken, dass zwar Kompensationen für die fehlenden Einnahmen in Aussicht stünden, aber für 2021, 2022 und 2023 mit einer angespannten Haushaltslage zu rechnen sei. Hügerich: „Wir müssen auf Sicht fahren, schließlich soll Lichtenfels auch noch in zehn oder 15 Jahren handlungsfähig sein.“ Während Emmi Zeulner (CSU) Rubner unterstützte („Wenn Privatpersonen oder Firmen sich mit Ausgaben zurückhalten, müssen Kommunen investieren.“), schlug sich Robert Gack auf die Seite des Bürgermeisters: „Die Zeiten hoher Steuereinnahmen sind vorbei, weshalb wir kurzfristig agieren müssen.“

Schlagworte