LICHTENFELS

Stadtalm in Lichtenfels: Eine Alm für alles

Uwe Held ist Wirt mit Leib und Seele. Die Stadtalm, in der er hier gerade sitzt, verlangt ihm etwas ab, macht ihm aber auch "furchtbar viel Spaß". Foto: Markus Häggberg

So ganz genau kann Uwe Held (55) es ad hoc auch nicht sagen. Betreibt er nun schon zum vierten oder zum fünften Mal die Stadtalm? Corona und das zwei Jahre währende Geschlossenbleiben dieser kleinen adventlichen Institution auf dem Marktplatz hat das etwas nebulös gemacht. Doch jetzt geht wieder etwas los, was ihn als Wirt fordern wird, gefordert hat und worauf er noch die Option auf fünf Jahre besitzt.

Wohl 70 Quadratmeter fasst die Holzhütte, die neben Schankanlage, Tischen und Bänken auch einen schönen Ofen mit Ausstrahlung besitzt. Hier, in einer alpenländisch anmutenden Stube werden ab Freitag, 25. November, für gut einen Monat Bands auftreten, ein Frühschoppen stattfinden, Liköre getestet oder es wird „Original Texas Chili“ für den guten Zweck gekocht.

17 Veranstaltungen binnen 29 Tagen

Eine Alm für alles – alles für eine Alm. Auf 17 Veranstaltungen binnen 29 Tagen kommt man dabei. Doch was ist neu, was anders und wie kommt man in von Corona beschatteten unsicheren Zeiten überhaupt verbindlich an Künstler? „Ich frage so März/April bei Künstlern an, es ist zwar noch eher proforma, aber … wenn ich Termine in der Alm fest habe, ist das schon vorteilhaft“, lässt Held wissen.

Seine Stadtalm-Saison beginnt somit also schon so ein bisschen im Frühjahr. Zu so einem Frühjahr, zumal von Corona beschattet, hat Held mit Künstlern zwei Erfahrungen gemacht. Teils-und-teils-Erfahrungen, denn die einen sagten, dass – Mensch! - es ja schön sei, dass wieder an sie gedacht würde, während andere sich zögerlicher zeigten und mehr so nach dem Motto „Hm, naja, wollen wir nicht noch etwas warten?“ reagierten.

Doch eines habe sich nie abstreiten lassen, und das sei die Vorfreude darauf gewesen, dass wieder Gelegenheit für Auftritte sein wird. Doch mit der Vorfreude hatte Held auch so seine Erfahrungen machen müssen. Wie er so erzählt, wird es auch anekdotisch.

Ein Großteil der Waren ging wieder zurück

„Letztes Jahr habe ich zum letzten Drücker meine Ware bestellt und der Anlieferfahrer war gerade eine halbe Stunde weg, da kam der Anruf von der Stadt mit der Auskunft, dass es nicht stattfindet“, erinnert sich der Wirt, der über das Jahr sein „Eiscafé am Markt“ betreibt. „Ich hatte für fast 3000 Euro Waren gekauft, konnte einen Großteil aber zurückschicken.“ Einen Teil aber hatte er zu behalten, und das war „ärgerlich, man wirft ungern was weg“.

Doch die Veranstaltungsabsage hatte auch ihr Gutes, denn er wollte sich schon stets für die Show „Wer weiß denn sowas?“ bewerben. Also meldete er sich beim Sender, und zwei Tage später erhielt er die Antwort, wonach er in der Folgewoche im Publikum sitzend bei einer Aufzeichnung in Hamburg dabei sein könne. So kam es auch und „da war die Laune wieder besser“, gibt Held zu.

Eine Corona-Absage wird es 2022 nicht geben. Und doch gibt es eine Unbekannte in Helds Rechnung: die Weltmeisterschaft. Gäbe es ein Kapitel, unter welchem er als Wirt die Fußball-WM und ihre Auswirkungen auf die Gästezahl der Stadtalm zu lesen hätte, dann hieße es wohl: „Was auch dieses Jahr spannend sein wird.“

Preissteigerungen werden sehr moderat ausfallen

Preissteigerungen wegen des Energiebedarfs und alledem, das versichert Held, werden sehr moderat ausfallen. Überhaupt findet er, gebe es sehr viel Altbewährtes am Konzept der Stadtalm. „Für mich ist wichtig, dass es nicht so eine reine Party-Hütte ist. Es soll für jede Generation was dabei sein – Live-Musik in jede Richtung, von Klassik-Rock bis zum fränkischen Gabalier der Band Heimatluft“, so Held.

Eine Erhebung dazu, wie viele Gäste die Stadtalm alljährlich so hatte, gebe es nicht. Man kann laut Held auch nie sagen, dass bei diesem oder jenem Künstler so und so viele Gäste kommen, weil man ja auch nicht weiß, welche Firma gerade Weihnachtsfeier oder so hat. Helds Erfahrung: „Manchmal ist es bei demselben Künstler rammelvoll, aber beim nächsten Mal nicht.“

17 Veranstaltungen an 29 Tagen – wenn Held daran denkt, dann mit Vorfreude, auch wenn es einen täglichen Arbeitsaufwand von 12, 13 Stunden bedeutet. Doch die Vorfreude habe Held auch bei Lichtenfelsern schon bemerkt, denn „es gibt schon Abende, da sind schon die Tische reserviert“.

Worauf sich Gäste noch einstellen dürfen, sind dem Versprechen Helds zufolge Neuerungen. So wie beispielsweise das Likör-Tasting am 20. Dezember. „Whiskey-Tasting gibt es so oft, ich wollte mal was anderes. Bin aufmerksam geworden darauf, wer hier im Umkreis was an Likören selber brennt, und stieß auf eine Likörmanufaktur in Ebensfeld.“

Doch neben Neuerungen wird es auch eine Art Comeback eines Mannes geben, der sich DJ Rainbow nennt. „Der Mann sagte, er würde gerne mal wieder auflegen, er habe das vor langer Zeit gemacht, und ich mag solche Abenteuer und bin noch nie enttäuscht worden“, so Held zu diesem Kapitel.

Ohne die Stadtalm wäre es Uwe Held zu langweilig

Würde er es wieder machen und sich für den Betrieb der Stadtalm bei der Stadt empfehlen? „Ja, aus zwei Gründen. Zum einen ist das Eis-Café im Winter zu. Doch der Hauptgrund ist: Mir wäre es zu langweilig so lange, ich brauche eine Beschäftigung.“ Doch es mache auch Spaß, selbst wenn alles auch viel Arbeit bereitet.

„Furchtbar viel Spaß“ sogar, denn er bereitet mit Bigos ein polnisches schmackhaftes Nationalgericht, er kocht Gulaschsuppen frisch und macht Glühwein selbst. Danach ist Weihnachten. Und danach kommt die Manöverkritik und die Auseinandersetzung mit dem, was man hätte besser machen können.

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