STRÖSSENDORF/MUSTANG

Sophia Weihermüller liebt den Garten und Laufen

Sophia mit dem Fahrrad: Es geht aufwärts! Foto: privat

Dieser Tag veränderte das Leben der früheren Strössendorfer Familie Weihermüller für immer. Es war der 4. November 2017, als die damals fünfjährige Sophia eine Gehirnblutung hatte, gefolgt von einem Schlaganfall zwei Tage später. Das Schicksal des Mädchens bewegte die Menschen am Obermain und löste eine Welle der Solidarität aus. Doch wie geht es Sophia, die mit ihrer Familie in Mustang im US-Bundesstaat Oklahoma lebt? Ihr Vater Stefan berichtet.

„Nach dem Spendenaufruf vom 22. November im Obermain-Tagblatt sind damals 10 000 Euro zusammengekommen. Seitdem ist unsere Sophia in Reha, und wir haben die Spendengelder aus Oberfranken eingesetzt, um Sophia eine Sauerstoffbehandlung zu ermöglichen, die bisher nur den Tauchern zur Verfügung stand.

Weil Gott für Sophia weiterhin einen Plan hat

In der Zeit von 2018 bis 2020 hat Sophia 100 simulierte Tauchgänge bestritten. Ich hatte in dieser Zeit die Hoffnung nie aufgegeben, dass meine Tochter wieder laufen lernen könnte. Gott hat Sophia in der Zeit nach dem Schlaganfall am Leben gehalten, die Doktoren haben ihre Arbeit geleistet. Aber Gehirnverletzungen sind sehr kompliziert, daher waren wir immer der Meinung dass Gott auch weiterhin einen Plan für Sophia hat.

„Die Hilfsbereitschaft aus meiner alten Heimat hatte den Grundstein gelegt für eine Reihe von Behandlungen.“
Stefan Weihermüller, Sophias Vater

Als dann Ende 2019 bei uns hier in Oklahoma ein deutscher Doktor in einer Zeitung erwähnt wurde, wurden wir zum ersten Mal mit dem Thema Stammzellenbehandlung in Verbindung gebracht. Ich habe sofort das Telefon in die Hand genommen und den Arzt in München angerufen. Nach einigen Gesprächen wussten wir, dass Sophia für eine Stammzellenbehandlung in München infrage kommt.

Stammzellenhandlung in München absolviert

Acht Wochen später saßen wir im Flieger nach München, ein kleiner Zwischenstopp im Rathaus Altenkunstadt und bei Simone Seidel im Fränkischen Hof waren natürlich ein Muss. Die Behandlung dauerte nur drei Tage, und Sophia überstand alles sehr gut.

Die Oma war für das tägliche Lesen zuständig

Ein kleiner Abstecher auf die Zugspitze war für uns als Familie und für Sophia nicht nur eine kurze Gondelfahrt hinauf auf den höchsten Berg Deutschlands, sondern auch ein Symbol, dass wir vom tiefsten Tief 2017 bis zum höchsten Punkt Deutschlands gekommen sind. Wenn man an das Positive glaubt, kann man viel erreichen.

Zurück in den USA mussten wir sofort mit einer starken Reha beginnen. Mehr Sauerstoffbehandlungen folgten, und auch innerhalb der Familie mussten alle mit anpacken. Die Oma war für tägliches Lesen zuständig, meine Frau und ich fürs tägliche Laufen und andere Übungen. Vor einem Jahr konnte Sophia zirka 50 Meter laufen mit Gehhilfe und Unterstützung von uns. Heute läuft Sophia 1,8 Kilometer alle zwei Tage, ohne Gehilfe und keinerlei Hilfe von uns.

Wir nutzten den Lockdown, der auch bei uns hier seit März fester Bestandteil unseres täglichen Lebens ist, als Motivation, um die Übungen zu verdoppeln.

Beeindruckendes Resultat ein Jahr nach der Stammzellenbehandlung

Nach einem Jahr jetzt ist das Resultat sehr beeindruckend. Die Hilfsbereitschaft aus meiner alten Heimat hatte den Grundstein gelegt für eine Reihe von Behandlungen, die noch sehr neu sind und von den Krankenkassen nicht bezahlt werden. Die Stammzellenbehandlung ist mit 40 000 Euro eine große finanzielle Herausforderung. Ich habe Anfang des Jahres 2021 mit unserem Arzt in München gesprochen, und wir planen für Ende 2021 oder das Jahr 2022 eine zweite Stammzellenbehandlung.

Seit Januar geht Sophia wieder fünf Tage in die Schule

Sophia geht seit dem 5. Januar wieder fünf Tage die Woche in die Schule hier, wo sie weiterhin sehr gute Fortschritte macht. Sie genießt das Leben und verbringt viel Zeit mit ihrem Bruder Philipp draußen in unserem Garten, oder sie spielen Minecraft an der Playstation. Auch da hat sie mit nur einer funktionierenden Hand das Spielen mit einem Gamecontroller sehr gut im Griff.

Ich bin weiterhin sehr mit meiner Heimat verbunden, habe die Facebookgruppe „Altenkunstadter helfen“ gegründet. Mit fast 1000 Mitgliedern kann ich so ein bisschen aus der Ferne helfen.

Als Sophia zur Nixe aus Oklahoma wurde

Heiko Gross – oder DJ Trulli – und ich kennen uns schon seit Kindesalter, und als ich erfahren habe, dass er eine Maskenprämierung macht, dachte ich sofort an meine Kinder, die in Coronazeiten auch mit viel Langeweile zu kämpfen haben. Die Online-Live-Auftritte sind immer sehr unterhaltsam und für uns Franken, die im Ausland wohnen, eine sehr schöne Sache, um mit der Heimat in Verbindung zu bleiben.

Sophia wurde Fünfte bei der Maskenprämierung. Der Preis ist mittlerweile auf dem Weg zu uns. Wir freuen uns schon, ihr den Preis in ein paar Wochen überreichen zu können.

Ich sage allen, die uns damals unterstützt haben und noch heute unterstützen, herzlich Dankeschön. Auch in Corona-Zeiten, wenn alles sehr hoffnungslos aussieht, muss man einen Schritt vor dem anderen tun. Wo ein Tief ist, kommt auch wieder ein Hoch.

Nach einem Tief kommt auch wieder ein Hoch: Die Familie Weihermüller nach der Stammzellenbehandlung auf der Zugspitze. Foto: privat
Sofia muss viele Behandlungen über sich ergehen lassen. Ihr Bruder unterhält sie dabei. Foto: privat
Sophia Weihermüller mit Dr. Nils Toennissen in München. Foto: privat
Sophia Weihermüller nach überstandener Stammzellentherapie auf der Zugspitze. Foto: privat
Sophia verbringt gern Zeit im Garten. Foto: privat

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