LICHTENFELS

Sommerbrauchtum am Obermain

Sommerzeit ist Erntezeit: In den heißen Sommermonaten werden auch im Lichtenfelser Land die Getreidefelder geerntet. In früheren Zeiten geschah dies noch in schwerer Handarbeit, wie die Abbildung aus dem „Kronprinzenwerk“ zeigt Foto: red

Der Siebenschläfertag am 27. Juni ist ein bekannter Lostag für das Wetter in den kommenden Wochen: „Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag.“ Seinen Namen hat der Tag von einer Legende, die aus dem sechsten Jahrhundert erhalten ist: Dort heißt es, dass sich in Ephesus sieben junge Christen in einer Berghöhle in Sicherheit gebracht hatten. Im Jahr 251 verfolgte der römische Kaiser Decius die Christen, daher mussten die sieben Männer um ihr Leben fürchten.

In der Höhle wurden sie von ihren Verfolgern eingemauert und schliefen dort 195 Jahre. Am 27. Juni 446 wurden sie zufällig entdeckt. Sie erwachten kurzzeitig aus ihrem Schlaf, bekannten sich zur Auferstehung von den Toten und starben kurz darauf. Diese Legende war schon früh in der Ostkirche weit verbreitet; auch in der 18. Sure des Koran findet sich eine Variante davon. Bis heute werden die Siebenschläfer als Patrone gegen Schlaflosigkeit und Fieber angerufen.

Die Wochen nach dem Fest Mariä Himmelfahrt sind eine besondere Zeit der Marienverehrung. Eine Darstellung der Immaculata... Foto: Fabian Brand

Das Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus wird am 29. Juni gefeiert. Es erinnert an den Apostel Petrus, der von Jesus die „Schlüssel des Himmelreiches“ überreicht bekommen hatte. Außerdem denkt die Kirche an diesem Tag an Paulus, der große Reisen unternommen hatte, um das Evangelium bis in Rom zu verkünden. Weil Simon Petrus als Fischer am See Genezareth arbeitete, ist sein Festtag mit einem besonderen Brauch verbunden: An Gemeinden, die an Flüssen oder Seen lagen, fuhr man mit Booten in einer feierlichen Prozession hinaus aufs Wasser. Mancherorts führte man auch ein Netz mit, um den wunderbaren Fischfang der Jünger nachzustellen.

Regen am 2. Juli ist kein gutes Vorzeichen

Der 2. Juli ist das Fest Mariä Heimsuchung, das an den Besuch der schwangeren Maria bei ihrer Verwandten Elisabeth erinnert. Auch dieser Tag ist mit einer alten Wetterregel verbunden: Regnet es an Mariä Heimsuchung, wird der Regen weitere 40 Tage fallen. Früher hieß der Gedenktag im Volksmund auch „Mariasiep“, was sich vom niederdeutschen Wort „siepe“ für „tropfen“ ableitete. Anfang Juli ist auch am Obermain Erdbeerzeit. Hierzu hat sich schon in alter Zeit eine kleine Legende entwickelt: Als Maria auf dem Weg zu Elisabeth war, pflückte sie am Wegesrand eine kleine Erdbeere. Es heißt, Maria, die besonders als Patronin der verstorbenen Kinder verehrt wird, geht nun jedes Jahre Erdbeeren pflücken, um den Kindern im Himmel eine kleine Freude zu bereiten.

In den Sommermonaten feiern viele Gemeinden im Lichtenfelser Land Kirchweih oder Kerwa, wie es hierzulande heißt. An diesem Fest gedenkt die Gemeinde alljährlich des Weihetages der Kirche. Der gemeinsame Gottesdienst am Sonntag des Kirchweihwochenendes ist deshalb auch der Höhepunkt der Feierlichkeiten. Doch auch allerlei weltliches Brauchtum hat sich um diesen Tag herum entwickelt: Früher war ein fester Bestandteil einer jeden Kerwa das Gedächtnis der Toten. Lebende und Verstorbene waren an diesen Festtagen in besonderer Weise verbunden. Oft schloss sich daher an den Gottesdienst ein Friedhofsgang an. Heute haben sich neben dem geselligen Beisammensein in manchen Dörfern noch weitere Traditionen erhalten: Zum Beispiel die Kirchweihständchen und der Hahnenschlag. Beides ist Ausdruck der besonderen Feststimmung, die an den Kirchweihtagen in einem Ort herrscht.

Skapulierfest besonders in Isling ein wichtiger Tag

Der Gedenktag „Unserer Lieben Frau auf dem Berge Karmel“, der am 16. Juli ist, wird am Obermain besonders in Isling festlich begangen. Es ist das Skapulierfest, das seit Ende des 14. Jahrhunderts vom Karmeliterorden gefeiert wird. Als Skapulier bezeichnet man dabei einen körperbreiten Tuchstreifen, der nach vorn und hinten abfallend über dem Habit der Mönche als Zeichen der Marienverehrung getragen wurde. Die Überreichung des Skapuliers geht auf eine Vision des Mönches Simon Stock zurück: Stock, der im 13. Jahrhundert als Generalprior der Karmeliten tätig war, erhielt von der Gottesmutter selbst das Skapulier überreicht. Seit 1726 wird das Skapulierfest auf Anordnung von Papst Benedikt XIII. in der ganzen Kirche gefeiert.

Am Obermain wird das Skapulierfest in Isling alljährlich gefeiert. Ein Deckengemälde in der Islinger Pfarrkirche zeigt d... Foto: Fabian Brand

Mit einem besonderen Brauchtum sind die Tage zwischen dem Fest Mariä Himmelfahrt am 15. August und dem Gedenktag der Sieben Schmerzen Mariens am 15. September verbunden. Es ist die Zeit des „Mariendreißigers“. In früheren Zeiten wurde in diesen Wochen vor allem das Mariengebet gepflegt. Die Zeit zwischen dem „großen Frauentag“ am 15. August und dem „kleinen Frauentag“ am 8. September (dem Fest Mariä Geburt) ist mit vielen Marienfesten gefüllt. Es war daher schon seit Alters her eine Zeit, die sich anbietet, um ihn ihr die Gottesmutter zu verehren.

 

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