LICHTENFELS

So kommen Schulen am Obermain durch den Corona-Winter

So kommen Schulen am Obermain durch den Corona-Winter
Präsenzunterricht soll möglichst aufrechterhalten werden – für Grundschüler heißt das, Maske auch im Unterricht zu tragen, wie hier in der Klasse 4b an der Grundschule am Markt in Lichtenfels. Foto: Grundschule am Markt

„Wer hätte gedacht, dass der Impfstoff schneller da ist als funktionierender, digitaler Fernunterricht?“ Mit dieser Frage brachte kürzlich eine Twitter-Userin auf den Punkt, was derzeit viele Eltern, Schüler und Lehrer bewegen dürfte. Immerhin wurde der Tweet bereits mehr als 16 000 Mal „geliked“, über tausend Mal geteilt und von unzähligen Nutzern kommentiert. Besonders gut kommt das deutsche Bildungssystem dabei nicht weg. Doch steht es tatsächlich immer noch so schlecht um die Digitalisierung? Und wie kommen die Schulen am Obermain eigentlich durch die zweite Corona-Welle? Höchste Zeit, bei hiesigen Schulleitern und Verantwortlichen nachzufragen.

Durch Erfahrung des Frühjahrs besser vorbereitet auf Distanzunterricht

„Im Großen und Ganzen läuft es schon“, fasst es Michaela Schell, Rektorin der Grundschule am Markt in Lichtenfels, zusammen. „Wir haben viel aus dem Frühjahr gelernt und sind deutlich besser vorbereitet, beispielsweise wenn aufgrund von Quarantäne Distanzunterricht stattfinden muss“, ergänzt die Schulleiterin. Was die Digitalisierung angeht, sollte ihrer Meinung nach berücksichtigt werden, dass Grundschüler sicher im Umgang mit den entsprechenden Lernprogrammen auf Tablets und Handys sein müssen: „Das können wir nicht bei allen voraussetzen und behalten es deshalb bei, dass die Kinder auch Material-Pakete mit Arbeitsblättern nach Hause geschickt bekommen.“

Grundsätzlich positiv gestimmt zeigt sich auch der Leiter der Herzog-Otto-Mittelschule, Bernd Schick: „Die Schüler arbeiten gut mit und verhalten sich vernünftig.“ Zudem habe man mit dem Schulmanager bereits im Frühjahr ein gut funktionierendes Kommunikationssystem eingeführt. Darüber lassen sich Eltern schnell erreichen und Klassen beschulen, die gerade in Quarantäne sind. „Wie wir durch den Winter kommen, ist grundsätzlich schwer zu sagen“, so Schick weiter. „Da kann das Hygienekonzept so gut sein wie es will, aber man steckt einfach nicht drin.“ Als sehr vorteilhaft sieht er den regen Austausch der Hygieneverantwortlichen im Rahmen des Mittelschulverbundes mit den Schulen in Bad Staffelstein, Redwitz und Michelau.

Sowohl auffällig als auch erfreulich sei laut den hiesigen Schulleitern außerdem, dass die Schüler überaus gerne in die Schule gehen und es nach einer Abwesenheit kaum erwarten können, wieder kommen zu dürfen. „Man merkt, dass der Kontakt zu Freunden und zu Lehrkräften immens wichtig für die Kinder und Jugendlichen ist“, erläutert Bernd Schick. Auch die Jugendsozialarbeit funktioniere am besten, wenn die Schüler anwesend sind. Ähnlich sieht das auch Michaela Schell: „Ich bin sehr froh, dass wir eine Jugendsozialarbeiterin haben, die bereits während der Schließung sehr viel Kontakt zu Schülern hatte und auch jetzt vor Ort immens wichtige Arbeit leistet.“

„Die Regeln ändern sich ständig und das heißt natürlich auch, dass wir diese entsprechend umsetzen sowie Schüler und Eltern auf dem Laufenden halten müssen.“
Thomas Carl, Schulleiter Meranier Gymnasium

Deutlich herausfordernder scheinen dahingegen die hohe Frequenz und der Umfang an Regelungen zu sein, die von mehreren Seiten an die Schulen herangetragen werden – angefangen beim Kultusministerium über das Schulamt bis hin zum Gesundheitsamt. Für die Schulleiter heißt das, sich kontinuierlich mit neuen Vorgaben in Sachen Hygiene und Unterrichtsgestaltung zu befassen. Thomas Carl beispielsweise, der seit September als neuer Schulleiter des Meranier Gymnasiums Lichtenfels (MGL) fungiert, verbringt zusätzlich zur Einarbeitung gerade einen beträchtlichen Teil seiner Zeit mit Corona-Themen: „Die Regeln ändern sich ständig und das heißt natürlich auch, dass wir diese entsprechend umsetzen sowie Schüler und Eltern auf dem Laufenden halten müssen.“

Sollte Fernunterricht nötig sein, sieht Thomas Carl das MGL technisch gut aufgestellt: „Wir haben sechs Zimmer, wo Lehrer ins Klassenzimmer übertragen werden können, wenn diese von zu Hause aus unterrichten. Es sind dann aber trotzdem Lehrer vor Ort nötig, um die Technik zum Laufen zu bringen und die Schüler zu beaufsichtigen.“ Sind wiederum ganze Klassen in Quarantäne, funktioniere auch das Live-Streamen zu den Schülern nach Hause gut. „Es darf aber nicht vergessen werden, dass mit jeder Lehrkraft, die in Quarantäne muss, Kollegen vor Ort die Arbeit stemmen müssen und dabei Immenses leisten“, betont der Schulleiter.

Wechselunterricht für Grundschulen wegen Notbetreuung schwierig

So kommen Schulen am Obermain durch den Corona-Winter
Präsenzunterricht soll möglichst aufrechterhalten werden – für Grundschüler heißt das, Maske auch im Unterricht zu trage... Foto: Marion Nikol

Wie im Zuge der Bund-Länder-Beratungen am vorigen Mittwoch beschlossen wurde, soll für ältere Schüler Wechselunterricht ermöglicht werden, insbesondere in Infektionshotspots. Dass derartige Maßnahmen schulspezifisch umgesetzt und ausschließlich für höhere Jahrgänge gelten sollen, dürfte auch personaltechnische Gründe haben: An den Grundschulen müsste bei Wechselunterricht auch wieder eine Notbetreuung angeboten werden, wofür schlichtweg Personal fehlt. Immerhin berichten viele Schulen, dass die ohnehin schon dünne Personaldecke in diesem Herbst dank der Hygienemaßnahmen zusätzlichen Ausfällen, etwa durch Erkältungen oder grippale Infekte, relativ gut standhält.

Doch auch der sogenannte Hybridunterricht stellt Schulen und Lehrkräfte wieder vor Herausforderungen, die mit Mehrarbeit bei der Vorbereitung und Durchführung des Unterrichts einhergehen. Darüber hinaus müssen auch Abstriche beim Stundenplan oder bei der Stoffvermittlung gemacht werden, was sich auf Distanz grundsätzlich anders darstellt als persönlich vor Ort.

Team-Lehrkräfte entlasten die Kollegen auch in Lichtenfels

Um bayerische Schulen personaltechnisch beim Präsenzunterricht zu unterstützen, hat das Bayerische Kultusministerium das Konzept der sogenannten Team-Lehrkräfte auf den Weg gebracht. Diese übernehmen den Präsenzunterreicht einer Stammlehrkraft, die coronabedingt nicht selbst vor der Klasse stehen kann, und werden von dieser in pädagogischen und fachlichen Fragen unterstützt.

So kommen Schulen am Obermain durch den Corona-Winter
Regelbetrieb herrscht derzeit auch am Meranier Gymnasium Lichtenfels. Bei steigenden Infektionszahlen im Landkreis könnt... Foto: Marion Nikol

Auch im Landkreis Lichtenfels sind Team-Lehrkräfte im Einsatz, unter anderem in Redwitz und Michelau. Allerdings werde der Bedarf nicht gedeckt, wie Schulamtsdirektorin Stefanie Mayr-Leidnecker erklärt: „Bei uns im Landkreis fallen insgesamt acht Lehrkräfte aus, doch als Unterstützung hat uns die Regierung von Oberfranken, die für das Budget zuständig ist, nur drei Teamlehrer zugewiesen“. Was aus ihrer Sicht bei der Planung nicht berücksichtig wurde, sei das Beschäftigungsverbot für Schwangere, die ebenso wie Risikogruppen keinen Präsenzunterricht halten können.

Rund 1500 Bewerber umfasst das bayernweite Teamlehrer-Portal derzeit, aus dem Schulämter die passenden Kandidaten auswählen können. Diese müssen nach Vorgabe des Kultusministeriums nicht unbedingt eine pädagogische Ausbildung aufweisen, was mitunter für schwierig erachtet wird. Stefanie Mayr-Leidnecker aber kann bislang nur Positives berichten: „Unsere drei Teamlehrer leisten tolle Arbeit, sind engagiert und hoch motiviert“, und fügt abschließend treffend hinzu: „Wenn wir diese Unterstützung nicht hätten, wären viele Klassen diesen Herbst und Winter ohne Lehrer und damit ohne Unterricht.“

 

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