LICHTENFELS

Sicherheitswacht auf dem Lichtenfelser Marktplatz

Sicherheitswacht auf dem Lichtenfelser Marktplatz
Matthias Nastvogel und Artur Bese sind sich zu ihrem Dienst einig: „Wir würden es wieder tun.“ Foto: Markus Häggberg

Seit geraumer Zeit ist die Einführung einer Sicherheitswacht auch für die Korbstadt im Gespräch. Im vergangenen Dezember kam es per Stadtratsbeschluss sogar zu einem Votum dafür. Doch wer sind die Männer und Frauen, die sich um so ein Ehrenamt bewerben und was haben sie zu erzählen? Ansprechpartner, die sich zu alledem auskennen, standen am vergangenen Samstagnachmittag für die Sicherheitswacht werbend auf dem Marktplatz parat. Streifzug zu Zusammenhängen, Erfahrungen und Innenansichten einer nicht ganz unstrittigen Aufgabe.

Erich Günther ist Leiter der hiesigen Polizeiinspektion. Ein offener Mensch, humorvoll obendrein. Seit 2018 setzt er sich im Landkreis dafür ein, dass Mitbürger im Ehrenamt Aufgaben übernehmen, die man auch mit Polizei assoziieren könnte. Dabei hebt er hervor, dass die Sicherheitswacht nicht Polizei ist.

Sicherheitswacht auf dem Lichtenfelser Marktplatz
Die Ausrüstung bei der Sicherheitswacht ist vielfältig, dient dem eigenen Schutz und auch der Ersten Hilfe. Foto: Markus Häggberg

Bewerbungen zu diesem Ehrenamt laufen hauptsächlich über die Polizei

Aber dass die hier anzutreffenden Sicherheitswachtleute Matthias Nastvogel und Artur Bese mit Günther unter demselben Zeltdach vorzufinden sind, hat seinen Grund. Denn schließlich laufen Bewerbungen zu diesem Ehrenamt hauptsächlich über die Polizei.

„Die Sicherheitswacht ist eine Sache, die übers Innenministerium geht (…), wir aber sind der Dreh- und Angelpunkt. Man kann sich auch im Rathaus bewerben, und die geben es dann an uns weiter.“ Seit Mitte März dieses Jahres geht man in Lichtenfels aktiv in die Werbung. Die Ausbeute ist bis dato aber noch etwas schmal. Doch am Samstag sollten sich gegen 17 Uhr gut ein halbes Dutzend Namen von Interessenten auf der am Polizeistand ausliegenden Liste finden.

Ein Feuerwehrmann und ein ehemaliger Postbeamter

Zwei Männer, die das Auswahlverfahren schon durchlaufen haben und in den Ehrenamtsdienst genommen worden sind, sind Matthias Nastvogel (37) und Artur Bese (58), der eine ein hauptberuflicher Bayreuther Feuerwehrmann mit Wurzeln im hiesigen östlichen Landkreis, der andere ein Bamberger Postbeamter a. D. mit Gemeinsinn und Tagesfreizeit. Was jedem Anwärter der Sicherheitswacht bevorsteht, liegt schon hinter ihnen. Dazu zählte die Beleuchtung, ob man verfassungsrechtlich auf dem Boden des Grundgesetzes steht oder womöglich zur Fahndung ausgeschrieben ist.

Sicherheitswacht auf dem Lichtenfelser Marktplatz
Wenn die Leute nicht zum Flyer kommen, kommt der Flyer zur Bewerbung der Sicherheitswacht eben unter die Leute. So wie a... Foto: Markus Häggberg

Was sie an Ausbildung hinter sich haben, teilt Erich Günther in drei Blöcke ein: „Materielles Recht, Eingriffsrecht und Dienstkunde.“ 40 Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten zwischen Gefahrenabwehrrecht und Erster Hilfe seien dazu zu lernen. Doch angehende Lichtenfelser Sicherheitswachtler stünden dabei nicht für sich alleine, denn geplant ist ein Ausbildungsverbund mit Bamberg-Stadt, Kronach, Neustadt bei Coburg und eventuell auch Forchheim.

Zusammen bereits 22 Jahre als Sicherheitswachmann unterwegs

Auf insgesamt 22 Jahre Ehrenamt als Sicherheitswacht kommen Nastvogel und Bese. Beide in dunkles Blau gekleidet und optisch der Polizei nicht unverwandt, beide auch mit dem Hoheitszeichen des großen bayerischen Staatswappens am jeweiligen linken kurzen Ärmel. 2013 folgte Nastvogel dem Ehrenamtsruf, vier Jahre früher hörte Bese auf ihn. Seitdem haben sie auf ihren Streifgängen viel erlebt. Wohin sie in Bayreuth beziehungsweise Bamberg zu gehen haben, dazu erhalten sie vor Dienstbeginn über die jeweilige Polizeidiensstelle ihren „Streifenauftrag“.

30 Stunden pro Monat sind die beiden Männer auf Streife, um nach dem Rechten zu sehen, den städtischen Busverkehr dürfen sie innerhalb dieser Zeit kostenlos nutzen. 30 ehrenamtliche Stunden sind eine Marke, die nicht überschritten wird. Das hat auch steuerliche Gründe, denn es gibt für diesen Dienst Aufwandsentschädigungen, die jenseits der 30 Stunden zu versteuern wären.

„Wir werden eher mit dem Ordnungsamt verwechselt“, erklärt Nastvogel zu der Frage, ob man ihn nicht schon als Polizist angesehen habe. Der Mann, der aus Pfaffendorf bei Altenkunstadt stammt, hat zu dem Ehrenamt und denen, die es anstreben, so seine Beobachtungen getroffen. Er glaubt, dass sich vorwiegend solche Menschen diesem Amt stellen, die sich ohnehin schon ehrenamtlich einbringen. So wie er auch. Als Feuerwehrmann kommt er ja „aus dem Blaulichtmilieu“ und hat Ehrenamtserfahrung. Sein Fazit: „Vereinsmenschen sind eher offen.“

Sicherheitswacht auf dem Lichtenfelser Marktplatz
Matthias Nastvogel und Artur Bese hatten ihren Spaß. Foto: Markus Häggberg

Wenn die beiden Männer von ihrer Tätigkeit erzählen, dann tun sie es mit einer gewissen Fröhlichkeit. Und das, obwohl sie auch Brenzliges erlebt haben. „Ein Ehepaar hat sich auf offener Straße geschlagen“, erinnert sich Bese an einen zurückliegenden Vorfall und betont dabei, dass sein Rollenverständnis das eines Bindegliedes zwischen Bürger und Polizei ist. Aber bei einer Sache dürfe man sich sicher sein: Sobald er Zeuge eines gesetzeswidrigen Vorfalls wird, ist er Zeuge. „Ein ganz bewusster Zeuge!“, wie er betont.

Von Taschendieben, Graffiti-Sprayern und radelnden Stadträten

Ins Gespräch mit Passanten kommen die beiden Männer auf ihren Streifgängen häufiger. Die Fragen, die sie dann zumeist gestellt bekommen, lauten auf ihre Befugnisse und wie das Ehrenamt so bezahlt wird. Taschendieben auf dem Weihnachtsmarkt, Graffiti-Sprayern oder Stadträten, die untersagterweise mit dem Fahrrad durch Bamberg fahren, sei er schon begegnet, sagt Artur Bese lachend und gesteht, dass ihm Letzteres ob des gegenseitigen Kennens beinahe selbst peinlich war. Es komme vor, dass er mit Jugendlichen unter Brücken sitzt und mit ihnen über die Gefahren des Alkohols spricht. Es kam auch schon vor, dass er einem Schüler einen verlorenen Schülerausweis nach Hause gebracht hat. Es seien eben auch Erlebnisse wie diese, die den Dienst abwechslungsreich und reizvoll machten.

Was beide Männer der Arbeit zugute halten, ist, dass sie viel gelernt und vor Augen geführt bekommen hätten. Auch nicht so schöne Dinge. „Man merkt, dass die Gesellschaft immer mehr wegguckt, wenn was passiert und dass viele Menschen Angst haben, in entsprechender Situation etwas falsch zu machen, etwa bei der Ersten Hilfe.“ Doch das eigentliche Fazit der beiden Oberfranken, die mit Pfefferspray, Erste-Hilfe-Set, Taschenlampe und Funkkontakt zur Polizeidienststelle unterwegs sind, lautet unisono: „Ich würde es wieder machen.“ Neun Jahre hat Artur Bese ja noch Zeit, sich für sein Bamberg einzubringen und „dieser schönen Stadt etwa zurückzugeben“. Dann muss er das Ehrenamt abgeben. Denn das Höchstalter für die Sicherheitswacht liegt bei 67 Jahren.

 

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