STUBLANG/SEUBELSDORF

Seubelsdorfer Kids lieben die tolle Knolle

Am qualmenden Feuer: Die Kartoffeln stecken auf den langen Stäben - in kürze sind sie gar. Foto: Monika Schütz

Mit rund 45 000 Hektar Kartoffelanbaufläche ist Bayern der zweitgrößte Produzent inDeutschland, nur in Niedersachsen wird noch mehr angebaut. Rund 55 Kilogramm Kartoffeln verspeist jeder Deutsche pro Jahr, unter anderem als Salz- oder Pellkartoffel, als Kloß, Pommes,Kroketten, Chips oder Suppe, so der Bayerische Bauernverband (BBV).

„Die tolle Knolle wird bei den Verbrauchern immer beliebter“, freut sich Marion Warmuth vom BBV. Kochkurse rund um die Kartoffel seien stets gut gebucht. Als vor kurzen die Anfrage des Seubelsdorfer Kindergartens kam, ob man mit den Kleinen einen Kartoffelbauern besuchen könnte, organisierte Kreisbäuerin Marion Warmuth ein Treffen mit der Direktvermarkter-Familie Weidner aus Stublang.

Sechs Kartoffelsorten werden angebaut

Sechs Kartoffelsorten bauen Angelika und Georg Weidner an. Heuer sind es die Bamberger Hörnla, Valetta, Quarta, Ditta, Belana und Laura.

Weltweit gibt es etwa 5000 Kartoffelsorten, in Deutschland als Lebensmittel zugelassen sind 180 Sorten. Die Ackerfrucht, die erst im Jahr 1526 vom spanischen Entdecker Pizarro von Südamerika nach Europa mitgebracht wurde, ist eines der gesündesten Lebensmittel.

17 Liter Kartoffelsuppe hat Angelika Weidner gekocht. Foto: Monika Schütz

Egal ob mehlig oder fest- beziehungsweise vorwiegend festkochend, ob gelbfleischig oder lila, ob Früh- oder Lagerkartoffel: Sie alle haben nur 0,1Prozent Fett auf 100 Gramm, 3,1 Prozent Ballaststoffe, 14 bis 17 Prozent Kohlenhydrate (Stärke), 2,5 Prozent Eiweiß und rund 75 Prozent Wasser.

Die nahrhafte Knolle enthält sekundäre Pflanzenstoffe, die nachweislich gegen Entzündungen helfen. „Der hohe Kaliumgehalt und sehr niedrige Gehalt an Phosphor und Natrium macht sie besonders für Menschen mit Magenbeschwerden und Sodbrennen gut verträglich“, erklärte Waltraud Hartmann beim letzten Kochkurs im Aelf, im Amt für Ernährung,Landwirtschaft und Forsten.

Das war den kleinen Erntehelfern am Freitag nachmittag nicht so wichtig. Ausgestattet mit Schäufelchen und Eimerchen stapften sie auf dem Acker und lasen die frisch herausgerodeten Kartoffeln auf. „Papa schau!“, „Mama, guck mal“ - die Kindergartenkinder waren voll in ihrem Element. Auch der betagte Bulldog von Georg Weidner und der alte Roder zogen die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich.

Aus der Glut schmeckt es besonders gut

Keine Ernte ohne Kartoffelfeuer: In der vorbereiteten Feuerstelle konnten die Familien dann ihre eigenen Kartoffeln in die Glut legen oder mit einem langen Stab hineinhalten. Gut geeignet dafür: die Sorte Quarta. Sie ist festkochend, hat rote „Augen“. Dass die gesunde Knolle auch in der Suppe mit Wienerla schmeckt, zeigte die lange Schlange am Tisch von Angelika Weidner.

Sogar die Kleinsten hatten Spaß - Robert ist erst 1,5 Jahre alt. Foto: Monika Schütz

17 Liter Kartoffelsuppe hatte sie gekocht - übrig blieb davon nicht viel. „Wetterbedingt gibt es heuer mehr Kartoffeln als im Vorjahr. Die Preise für den Endverbraucher sind in etwa gleich geblieben“, so Angelika Weidner. Corona bedingt würde der Verbraucher jetzt nach mehr nach regionalen Produkten fragen. Und das nicht nur, weil aus dem Ausland zeitweise weniger eingeführt wurde. „Sie sind aufgewacht“, fügt sie hinzu.

Experimentieren mit Kartoffelstärke

Für Ines Mai vom Kindergarten Seubelsdorf war dieser Nachmittag ein gelunger Einstieg für das nächste Thema. Im Kindergarten steht die kommende Woche die Kartoffel im Mittelpunkt: Gemeinsam Klöße kochen, Backers backen, Experimentieren mit Kartoffelstärke und viele Infos zu einer gesunden Ernährung stehen da auf dem Plan. Soviel Interesse – auch von den Eltern – freute Marion Warmuth vom BBV sehr: Durch den Klimawandel habe sich nämlich auch der Kartoffelanbau verändert. „Trockenheit und Hitze sorgen für eine frühere Abreife“, erklärt sie: Die Ernte findet zwei bis drei Wochen eher als in früheren Jahren statt. Was sich nicht geändert hat, sind die „Feinde“ des Kartoffelbauerns: Kartoffelkäfer, Wühlmäuse und die späten Nachtfröste im Mai.

Ein fleißiger Erntehelfer: der dreijährige Lias Paulke. Foto: Monika Schütz

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