LICHTENFELS/WEISMAIN

Seit 40 Jahren schützen Schulweghelfer Kinder am Obermain

Seit 40 Jahren schützen Schulweghelfer Kinder am Obermain
Die langjährigen Gruppenleiterinnen wurden ausgezeichnet: (v. li.) Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Lichtenfels, Alfons Hrubesch, Monika Vonbrunn (37 Jahre Gruppenleiterin), Polizeichef Erich Günther, Hedwig Träger (20 Jahre Gruppenleitung), Bezirksvorsitzender der Oberfränkis... Foto: Roland Dietz

Endlich war es möglich: Die erwachsenen Schulweghelfer konnten ihr 40-jähriges Bestehen am Obermain feiern. Im Landkreis Lichtenfels haben sie eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Seit der Gründung 1981 wurde kein Kind auf dem Schulweg schwer verletzt oder ist gar tödlich verunglückt. Darauf waren alle Anwesenden bei einem Festakt in der Weismainer Stadthalle stolz.

Der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht Lichtenfels, Alfons Hrubesch, begrüßte eine Vielzahl von Ehrengästen. Er machte darauf aufmerksam, dass auch die Verkehrswacht am Obermain ihr 70-jähriges Bestehen feiern könne.

In seine Ausführungen erinnerte Alfons Hrubesch daran, als 1950 die Unfallstatistik scheinbar alle Fesseln sprengte. Eindringlich sagte der damalige bayerische Ministerpräsident Hans Erhard wörtlich: „Bürgerinnen und Bürger schließen sich in Vereinen zusammen und helfen Sie mit, dass Blutvergießen auf den Straßen des Freistaates zu beenden!“

Immer mehr Autos auf den Straßen

Auch im Landkreis Lichtenfels, mit seiner damals rasant wachsenden Zahl an Kraftfahrzeugen, fiel dieser Appell des bayerischen Ministerpräsidenten auf fruchtbaren Boden. Am 12. Juni 1951 wurde im Landkreis der Beschluss zur Gründung der Kreisverkehrswacht Lichtenfels gefasst. 1962 wählte die Mitgliederversammlung den unvergessenen Landrat Helmut Walther zum 1. Vorsitzenden. Er blieb es bis zu seinem Tod am 8. Oktober 1981. Danach übernahm Heinrich Stübinger bis 1991 den Vorsitz. „Stolz kann ich sein, dass ich mich 1991 in den Kreis der ersten Vorsitzenden einreihen konnte“, erklärte Hrubesch.

Noch unter Vorsitz des damaligen Landrats Helmut Walther wurde am 15. Juni 1981 der Beschluss gefasst, einen Erwachsenen-Schulwegdienst einzurichten. Im Schuljahr 1980/1981 wurden in Bayern bei 705 Schulwegunfällen, 35 Schulkinder getötet. Hinter diesen nüchternen Zahlen verbergen sich viel Leid, Schmerz und bittere Einzelschicksale – bis hin zu Kindern, die ihr Leben im Rollstuhl gefesselt wurden.

Vorbildliche Verhaltensweise

Im gleichen Schuljahr 1980/1981 wurden im Landkreis Lichtenfels 34 Schulkinder verletzt und zwei getötet. Als damals zuständiger Sachbearbeiter für den Verkehr bei der Polizei Inspektion Lichtenfels, warb Alfons Hrubesch über die Presse, bei Elternabenden in Schulen, in Vorträgen, Versammlungen und Kindergärten für den Erwachsenen-Schulwegdienst.

Seit 40 Jahren schützen Schulweghelfer Kinder am Obermain
Die "Engel des Schulwegdienstes" der ersten Stunde: (v. li.) Renate Hofmann, Angelika Oppel, Vorsitzender der Kreisverke... Foto: Roland Dietz

Nach diesem Aufruf meldeten sich neun engagierte Mütter in Altenkunstadt und zwei weitere in Schney. Von diesen Engeln des Schulwegdienstes sind heute noch Christel Jahn, Renate Bender Angelika Oppel, Rosemarie Schramm und Renate Hofmann mit dabei.

Diese vorbildliche Verhaltensweise entwickelte sich wie ein Flächenbrand im Landkreis Lichtenfels. Eine weitere Gruppe fand sich in Burgkunstadt zusammen, es folgten weitere in Lichtenfels, Michelau, Redwitz, Marktgraitz, Weismain, Pfaffendorf, Baiersdorf, Burkheim, Neuensee, Lettenreuth, Marktzeuln, Klosterlangheim, Theisau und Schwürbitz. Von den Anfangs neun Schulweghelfern ist die Familie bis heute auf 948 angewachsen.

Sie hätten in den zurückliegenden 40 Jahren Unersetzliches geleistet, lobte Hrubesch die Schulweghelfer. In mehr als einer halben Million ehrenamtlicher Stunden haben sie mögliches Leid verhindert und einen wesentlichen Beitrag zur Verkehrssicherheit für Schulkinder geleistet.

Das dies so gut im Landkreis Lichtenfels funktioniere, habe auch einen Namen, sagte Landrat Christian Meißner und nannte Alfons Hrubesch. Er sei ein unermüdlicher Motor. Ein Lob galt den Schulweghelfern für ihren Einsatz bei Hitze, Kälte, Regen, Eis und Schnee.

Das Angebot von Fahrsicherheitstraining für über 900 Führerscheinneulinge hätten leider nur wenige genutzt. Dafür seien die über 60-Jährigen wesentlich aktiver.

Peter Starnecker, Präsident der Landesverkehrswacht, erklärte, dass die Aussage „Nicht geschimpft ist gelobt genug“ hier nicht stimme. Die auf den Schulwegen geleistete Arbeit sei nicht hoch genug einzuschätzen. Auch die Zusammenarbeit mit der Polizei und Verkehrsausbildung sowie den Kommunen sei vorbildlich.

Im Anschluss zeichnete Alfons Hrubesch die dienstältesten Gruppenleiter aus. Hanne Vetter bekleidet diese Amt seit inzwischen 39 Jahren in Burgkunstadt. Besonders die Zusammenarbeit mit der dortigen Grundschule sei immer sehr positiv gewesen. Spontan habe sie Notgruppen eingerichtet, als bei Straßensanierungen neue Schulwege entstanden. Monika Vonbrunn aus Schammendorf bekleidet das Amt mit der sicherlich schwersten Einsatzstelle nun schon 37 Jahren.

Seit Jahrzehnten ehrenamtlich engagiert

Seit 36 Jahren als Gruppenleiterin dabei ist Liane May aus Michelau, die auch die Organisation in Lettenreuth und Neuensee inne hat und immer wieder für Nachwuchsgewinnung tätig ist.

Seit 40 Jahren schützen Schulweghelfer Kinder am Obermain
Bei der Ehrung für besondere Verdienste um die erwachsenen Schulweghelfer: (v. li.)Polizeichef Erich Günther, Andreas St... Foto: Roland Dietz

32 Jahre organisiert Monika Bauer in Redwitz die Schulweghelfer. Die Einbindung der Schülerlotsen der Mittelschule bei den erwachsenen Schulweghelfern hat sie sich auf die Fahnen geschrieben. Hedwig Träger aus Lichtenfels, die schon 20 Jahre dabei ist, hat in der Kronacher Straße und der Wendenstraße auch zwei Straßenübergänge zu organisieren. Was alle eint: Fällt ein Schulweghelfer kurzfristig aus, springen sie selbst sofort ein.

Für besondere Verdienste um die Schulweghelfer wurden Diana Nützel Lichtenfels, Yvonne Novotny Schney, Simone Niechziol Marktgraitz und Andreas Stephan Weismain mit einem Blumenstrauß bedacht.

Ein dickes Lob ausgesprochen

Der Lichtenfelser Polizeichef Erich Günter lobte Alfons Hrubesch. Mit Blumen und einem guten Tropfen dankte er ihm für seine 30-jährige Tätigkeit als Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Lichtenfels und als unermüdlichen Manager der erwachsenen Schulweghelfer seit 40 Jahren.

Am Ende des Abends dankte Hrubesch allen für ihr Kommen und das Engagement. Sei besonderes Lob galt Alois Dechant für die Überlassung der Stadthalle für den Festabend, der mit einem schmackhaften Essen und Auftritten von Varieté-Künstlern einen schönen Verlauf nahm.

 

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