PFERDSFELD.

Sebastian Böhmer schaft ein rotes Schmuckstück

Sebastian Böhmer schaft ein rotes Schmuckstück
Sebastian Böhmer öffnet die Motorhaube seines Porsche Bulldogs 329. Alles funktioniert wieder. Foto: Monika Schütz

„Super Porsche Diesel“ steht in großen silberfarbenen Buchstaben auf der knallroten Motorhaube des Gefährts. Auch die beiden hinteren Kotflügel sind knallrot. Ebenso das Gestänge der Achse, Teile im Motorblock und die Umrahmung der hölzernen Sitzbank am Heck des Fahrzeugs. „Das ist Feuerwehr-rot?“, fragt die Autorin dieser Zeilen.

„Das ist Porsche-Rot“, lacht Sebastian Böhmer fröhlich. Er kennt sich aus. Er hat diesen Oldtimer Bulldog repariert. Auseinandergelegt, restauriert und komplett generalüberholt.

Sebastian Böhmer kann das, er kommt aus einer landwirtschaftlich geprägten Familie. Die Eltern hatten Ackerbau, Viehhaltung und Forstwirtschaft. „Ich bin mit der Landwirtschaft aufgewachsen“, erzählt er, „wir haben uns selber versorgt“.

Sebastian Böhmer schaft ein rotes Schmuckstück
Der Porsche Bulldog hat seinen Platz im ehemaligen Stall des Anwesens. Foto: Monika Schütz

In den 1950-er Jahren sei dann die Technik eingezogen. Zuvor waren Pferde und Ochsen die Helfer in der Landwirtschaft. In den 50-ern hat es einen einzigen Arbeitnehmer in Pferdsfeld gegeben, hatte er sich informiert, alle anderen waren in der Landwirtschaft tätig gewesen.

Sebastian Böhmer ist Baujahr 1943. Wenn er sich an seine Jugend erinnert, fällt ihm besonders eines ein: „Ich bin schon mit den Schleppern aufgewachsen, es gab einen regelrechten Boom.“ Der groß gewachsene 79-Jährige erzählt, dass es um diese Zeit rund 30 Schlepperhersteller in Deutschland gegeben habe. Er zählt aus dem Stegreif die verschiedensten Hersteller auf. „Wenn du einen Porsche haben wolltest, hat der schon 9000 Mark gekostet – D-Mark“, sagt er, hebt die Augenbrauen und fügt an: „Die sind in Friedrichshafen am Bodensee gebaut worden.“

Sebastian Böhmer schaft ein rotes Schmuckstück
Selbst die hintere Sitzbank hat Sebastian Böhmer neu mit Brettern versehen. Foto: Monika Schütz

Dann änderten sich die Zeiten erneut. Landwirtschaftliche Betriebe verschwanden langsam, die Leute arbeiteten vermehrt in Firmen, Büros und in der Industrie. So mancher einst heiß ersehnte neuer Helfer verschwand in einer stillgelegten Scheune.

Der schrottreife Porsche Super stand in Niederbayern

So war es auch bei Sebastian Böhmers Zufalls-Fund. Im vergangenen Jahr fand er, der Hobby-Restaurator, in einer Fachzeitschrift den Hinweis auf einen schrottreifen Porsche Super. Er stand in Niederbayern. Böhmer fuhr hin, sah ihn sich an, überlegte. Der Porsche-Bulldog stand komplett in einem Strohhaufen, war verrostet und nicht fahrbereit. Auf einem Auto-Anhänger hat der Besitzer ihn dann nach Pferdsfeld gebracht. Auf dem Anwesen Böhmer war nach Aufgabe der Landwirtschaft plötzlich viel Platz.

„Es ist ein Rot-Nasen-Schlepper“, erklärt Sebastian fachmännisch und zeigt auf die Wölbung am Bug des Traktors. Porsche baute dieses Modell nur bis 1963. „Die sind rar geworden“, sagt er und freut sich über das Schnäppchen, dass ihn bis heute hunderte von Arbeitsstunden gekostet hat. Von den Kosten für die Ersatzteile ganz zu schweigen. „Kaputt war eigentlich nix – nur runter-geliedert!“, erklärt er. Kabel und Scheinwerfer sind ebenfalls neu, auch die Bereifung. Sogar die hintere Sitzbank der „Rot-Nase“ ist neu verbrettert worden.

Sebastian Böhmer schaft ein rotes Schmuckstück
Alle Reparaturen und Arbeitsschritte sind in dem kleinen Ordner festgehalten – der nächste Besitzer wird es danken. Foto: Monika Schütz

Alle Arbeitsschritte hat Böhmer feinsäuberlich dokumentiert

Alle Arbeitsschritte hat Böhmer feinsäuberlich dokumentiert und fotografiert. Ein richtig kleiner Ordner ist draus geworden. Vielleicht wird er den Schlepper ja irgendwann mal abgeben. Dann soll der neue Besitzer schon wissen, was alles gemacht wurde. Zuvor hatte der Rentner im Un-Ruhestand schon einen Deutz und einen Kramer hergerichtet. Die Teile bekommt er aus dem Internet. Da ist ein richtiger Markt entstanden, habe er schon vor Jahren verwundert festgestellt. Die Teile-Märkte, die heute auf den Oldtimertreffen stattfinden würden, seien zwar noch wichtig, aber die Hauptsache spiele sich im Internet ab, ist er sicher.

Seinen 35-PS starken Oldie wird das nicht stören, er darf sich ausruhen und ab und zu an einem Oldtimer Treffen teilnehmen. Am liebsten in Pferdsfeld: denn zugelassen ist er aktuell noch nicht. Es eilt ja auch nicht.

 

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