LICHTENFELS

Sebastian Alsdorf und das Paunchy Cats: Im Corona-Marathon

Sebastian Alsdorf in Dänemark: Er ist dort mit Frau und Kind zum Familienbesuch. Foto: Red

Vor Corona, da hatte das „Paunchy Cats“ als Szene-Location Klang und Namen. International bekannte Musiker und Bands gab es hier zu hören. Und das in der Atmosphäre eines kleinen Clubs. Dann kam die Pandemie. Eigentümer Sebastian Alsdorf muss als Kämpfer eines beweisen: echte Ausdauer.

„420 Tage nach dem ersten Lockdown sitze ich wieder da und schreibe ein paar weitere Zeilen über unseren Alltag, wie wir die Gesamtsituation sehen, bewältigen und wie es voraussichtlich weiter gehen wird. Im vergangenen Jahr überschlugen sich die Ereignisse auch ohne offenes Paunchy Cats. Unsere Tochter wurde am 20. Oktober in Lichtenfels geboren, meine beiden Eltern hatten ihren 60. Geburtstag, ich feierte mein erstes Weihnachten mit dem dänischen Teil unserer Familie in Kopenhagen. Ich sah Bekannte an Corona sterben. Ständiger, unsichtbarer Begleiter war natürlich der Virus und die Angst vor der Ansteckung von Familienmitgliedern. Wenn ich nachts mit meinem Hund durch Lichtenfels laufe, ist die Stadt schon recht gespenstisch leer. Kaum eine Menschenseele auf der Straße, ab und zu mal eine Streife oder eine „ältere Dame“, die im Schlafanzug zum nächsten Zigarettenautomaten rennt, und sich vermutlich nicht ganz im Klaren ist, ob sie sich nun strafbar macht, oder nicht.

Von einem normalen Freitag oder Samstag Nachtleben ist nichts mehr zu spüren. Irgendwie haben wir uns ja auch schon an die Situation gewöhnt und versuchen das Beste daraus zu machen. Das befürworten oder kritisieren der Maßnahmen liegt mir ferner denn je, da ich nicht das nötige Fachwissen habe und auch jegliche Diskussionen im Internet für Zeitverschwendung halte.

Paunchy Cats-Chef Sebastian Alsdorf (Archivbild) weiß, wie man das Publikum rockt. Doch Corona hat sich zum Marathon der... Foto: Till Mayer

In meinen Augen führen die meisten Leute aktuell einen Monolog und gehen gezielt einer Diskussion, in welcher man dem Anderen zuhört und versucht zu verstehen, aus dem Weg. Die Fronten haben sich verhärtet und brauchen vermutlich eine längere Post-Corona-Zeit um wieder zu weichen.

Lockerungen bringen für das Paunchy noch nichts

Im Mai stehen neue Lockerungen an. Man könnte fast denken, diese würden auch uns helfen. Nach dieser langen Zeit stehen wir wieder vor den gleichen Schwierigkeiten, wie schon im letzten Sommer, nur gibt es dieses Mal noch ein paar Hindernisse oben drauf. Öffnungen bei einer Inzidenz von unter 100, für Outdoor Gastro bis 22 Uhr, mit einer Ausgangssperre ab 22 Uhr kommt für uns nicht in Frage. Für eine Öffnung müsste unser komplettes Team geimpft sein, von uns ist allerdings keiner in der Prioritätsgruppe schon dran. Ich habe mich für die Impfung angemeldet, habe aber auch noch keinen Termin.

Die Gesundheit unserer Mitarbeiter steht weiterhin an erster Stelle und daher würde ich versuchen, soviel wie möglich vorerst alleine zu arbeiten. Ein weiterer wichtiger Faktor ist der finanzielle Aspekt. Wenn man das Geschäft wieder hochfährt, kommen alle Kosten, plus extra Corona Hygienekosten mit voller Wucht auf uns zu, das heißt, man muss Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen und Betriebskosten wie Gema, KSK, Strom, Wasser, Security, Versicherungen, BGN usw. mit einem Biergartenbetrieb bis 22 Uhr decken.

Mal abgesehen von den ständig wechselnden Inzidenzwerten und Wetter, wäre wohl unser Biergarten viel zu klein, um irgendwelche Kosten zu decken.

Ein Blick in eine ungewisse Zukunft

Ein weiterer Gedanke, der mir das Leben schwer macht, ist zum Beispiel, wie wir geplante Konzerte im kommenden Jahr veranstalten können. Wenn eine Band auf Tour geht und jeden Tag, von Stadt zu Stadt reist, sich mit hunderten Fans trifft und Autogramme schreibt, eben das normale Tourleben wieder genießt, geht dies nur mit einheitlichen Regeln. Wir müssen warten, wie sich die Situation entwickelt, ob es einen einheitlichen EU-Corona-Pass geben wird, ob ein negativer Test für einen Konzertbesuch reicht und wann diese Regeln gegebenenfalls beschlossen werden. Auch Gagenverhandlungen für kommende Konzerte lassen sich schwer gestalten, da wir nicht wissen, ob wir mit voller Kapazität rechnen können. Bevor diese Sachen nicht geklärt sind, wird der normale Konzertbetrieb wohl bei uns kaum möglich sein. Die aktuelle Zeit ist nicht einfach und es ist umso wichtiger, dass wir auf einander Acht geben, den Anderen respektieren, uns in solidarischem Verhalten üben und durch gesammelte Erfahrungen gestärkt aus der Gesamtsituation kommen. Der Grundgedanke hinter dem Paunchy Cats ist Spaß haben, Kultur und Live Musik erleben, mit Freunden ausgelassen den Alltag hinter sich lassen, Leute kennenlernen, das Leben genießen. Wenn dies wieder möglich ist, werden wir wieder für Euch da sein und freuen uns, Euch alle wieder zu sehen.“

 

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