SCHNEY

Schneyer Robert Hofmann GmbH baut bis zu 70 Stellen ab

Das mittelständische Unternehmen Robert Hofmann GmbH (Ihre Möglichmacher) reduziert den Mitarbeiterstamm. 60 bis 70 Stellen sollen wegfallen. Derzeit arbeiten rund 230 Menschen für das familiengeführte Unternehmen. Da die Belegschaft nicht durch einen Betriebsrat vertreten ist, gibt es keinen Sozialplan. Mit so genannten „Betriebssprechern“, diese haben aus Sicht des Gesetzgebers keine Mitbestimmungsrechte, einigte sich die Firmenleitung auf die Gründung einer Transfer-Gesellschaft.

Die Firma Robert Hofmann GmbH firmiert mit dem Slogan „Ihre Möglichmacher“. Das Unternehmen gilt als Pionier im 3-D-Druck und als Systemlieferant für technisch hoch anspruchsvolle Baugruppen und Teile. Vor allem als Partner der Automobilindustrie bewies die heimische Firma viele Jahre einen beeindruckenden Erfolgskurs.

Die Abhängigkeit vom Erfolg der Autobauer ist nun zur Schwachstelle geworden. Die Automotive-Branche schwächelt unter anderem als Folge der Corona-Krise. Die Neuausrichtung auf die Elektromobilität bringt gewaltige Herausforderungen mit sich. Der russische Angriff auf die Ukraine lähmt den Aufschwung.

Trotz der Gründung eines Start-Ups, dem Engagement in der Luftfahrtindustrie und der Medizintechnik: Die Aufträge der Automobilbranche würden immer noch rund die Hälfte des Umsatzes ausmachen, erklärt Oliver Hofmann. „Leider kam es hier in diesem Jahr zu einem überraschend großen Einbruch der Nachfrage“, bedauert der Geschäftsführer.

„Um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten, sehen wir uns gezwungen, die begonnene Neustrukturierung noch einmal zu beschleunigen. Im Zuge dessen kommen wir nicht umhin, unsere Stammbelegschaft um 60 bis 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu reduzieren“, erklärt Hofmann in einem Gespräch mit unserer Redaktion.

Seine Frau Cerasela Hofmann betont, dass der Stellenabbau der Geschäftsführung des familiengeführten Unternehmens sehr schwer gefallen sei. Oliver Hofmann ergänzt, dass zur Belegschaft familiäre Beziehungen bestehen. „Wir wollen für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die fairste Lösung finden. Deshalb werden wir ein Freiwilligenprogramm initiieren, das auch eine Transfer-Gesellschaft beinhaltet.“ Die dafür notwendigen finanziellen Mittel würden ausschließlich die Eigentümer bereitstellen, so seine Ehefrau.

„Um eine Zahl zu nennen: Dies sind über zwei Millionen Euro für Abfindungen und für die Transfergesellschaft“, teilt das Paar mit: „Auf diese Weise wollen wir betriebsbedingte Kündigungen vermeiden und die notwendige Reduzierung der Arbeitsplätze so sozialverträglich wie möglich gestalten.“ Diese Schritte seien im Vorfeld mit dem Tarifverband, den Betriebssprechern und auch mit der Arbeitsagentur abgestimmt worden.

Sechs bis zwölf Monate Weiterbeschäftigung

Die Transfer-Gesellschaft soll eine Weiterbeschäftigung zwischen sechs und bis zu zwölf Monaten bieten. Hier können sich die Mitarbeiter gezielt für den Arbeitsmarkt fortbilden. Dabei sinkt der Verdienst stufenweise über die Monate von 85 auf 75 Prozent das Nettogehalts. Zusätzlich gibt es ein „Sprinter-Programm“. Wer frühzeitig eine neue Anstellung bekommt, erhält je voller nicht in Anspruch genommener Monatszahlung 500 Euro. Von Gewerkschaftsseiten gibt es Kritik am Fehlen eines Beriebsrats. Bernd Bauer von Verdi betont: „So genannte Betriebssprecher agieren ohne rechtliche Unterstützung und sind völlig auf den guten Willen des Arbeitgebers angewiesen. Einen Sozialplan gibt es nur mit einem Betriebsrat, der als Verhandlungspartner eben auch vom Gesetzgeber vorgesehen und von ihm mit wichtigen Rechten ausgestattet ist.“

Dies betont auch der Vorsitzende des DGB-Kreisverbands Lichtenfels, Heinz Gärtner. „Betriebsräte sind auch für den Erfolg eines Unternehmens wichtig. Sie können auf Fehlentwicklungen im Betrieb aufmerksam machen. Sie haben Einblicke in Bilanzen und können ihre Expertise einbringen, gerät eine Firma in Schwierigkeiten. Doch ein Betriebsrat war ganz offensichtlich nie von der Geschäftsführung gewünscht. Schade auch, dass von anderen Unternehmen keine Unterstützung zu kommen scheint, zum Beispiel durch Übertragung von Aufträgen“, so Gärtner weiter.

Trotz des schmerzhaften Einschnitts in der Mitarbeiterstruktur sieht Geschäftsfüher Hofmann das Unternehmen auf dem richtigen Zukunftskurs. „Wir haben früh auf diesen Umbruch reagiert und bereits 2018 damit begonnen, aktiv neue Märkte zu erschließen, Projekte zu akquirieren und Veränderungen anzustoßen“, führt der Geschäftsführer. aus. Zum Pressegespräch hat er ein Fenstermodell für die Airbusse A320 und A350 mitgebracht. „Das bedeutet, ein Werk-Stück aus Lichtenfels fliegt aktuell bereits um die ganze Welt“, freut sich Hofmann.

Hoffnung auf den Wachstumsmarkt Medizintechnik

Einen weiteren Wachstumsmarkt sieht er in der Medizintechnik. „Hier haben wir sogar eine eigene Firma ausgegründet, die iMEDgine GmbH“, informiert Oliver Hofmann. Das Start-up soll eigenständige Produkte entwickeln und zur Marktreife führen. „Unter anderem mit dem Produkt ,handscupe‘ ist ihr das bereits eindrucksvoll gelungen“, bilanziert der Geschäftsführer. Diese Medizinprodukte aus der Handscupe-Familie unterstützen laut Hofmann die Therapie von Patienten mit Symptomen an den Händen nach einem Schlaganfall oder bei rheumatischen Erkrankungen. Im Juni soll die Zertifizierung nach ISO 13485 abgeschlossen sein. Das sei ein wichtiger Meilenstein für die Zusammenarbeit mit dem Kunden.