LICHTENFELS

Schmerztherapie: Wenn die Qual zum Alltag wird

Seit zehn Jahren gibt es am Klinikum in Coburg die Schmerztagesklinik. Das Regiomed-Klinikum in der Deutschen Korbstadt Lichtenfels beherbergt das Schmerzzentrum für stationäre Reha. Foto: Christoph Winter

Lichtenfels/Coburg Unerklärliche Schmerzen – jeden Tag, jede Nacht, seit Monaten. Immer mehr Schmerztabletten um noch eine Wirkung zu erreichen. Der Schmerz nimmt immer mehr Platz im Leben ein. Seit nunmehr 20 Jahren gibt eine Schmerzambulanz am Klinikum, seit zehn Jahren nimmt sich ein Therapeutenteam der Schmerztagesklinik des Krankenhauses Coburg chronischer Schmerzpatienten an.

Die Ursachen für chronische Schmerzen sind vielfältig. Therapien haben das gesamte Lebensumfeld im Blick. Ein Gespräch mit Dr. Klaus Post, Chefarzt des Schmerzzentrums am Klinikum Coburg, über die Auswirkungen chronischer Schmerzen, Therapiemöglichkeiten und vorbeugendes Verhalten.

Obermain-Tagblatt: Herr Dr. Post, immer mehr Menschen werden von Schmerzen geplagt, ohne dass Verletzungen vorliegen oder akute Erkrankungen. Meist haben solche Patienten schon viele Ärzte verschiedenster Fachrichtungen aufgesucht, aber der Schmerz ist geblieben. Wie kann die Schmerztherapie helfen?

Dr. Klaus Post: Die spezialisierte Schmerztherapie, dass heißt Ärzte, Therapeuten und Einrichtungen, die sich auf die Behandlung von Menschen mit chronischen Schmerzen spezialisiert haben, besitzen meist eine Zusatzqualifikation, um das große Spektrum chronischer Schmerzerkrankungen zu überblicken und den Patienten die richtige Behandlung zu ermöglichen. Hier steht dann meist nur noch das Beschwerdebild Schmerz im Fokus und fachärztliche Diagnostik ist bereits erfolgt. Zudem hat die moderne Schmerztherapie heute fast immer einen interdisziplinären Behandlungsansatz, also Behandlung durch ein spezialisiertes Therapieteam.

Dr. Klaus Post, Chefarzt der Schmerztagesklinik in Coburg. Foto: C. Winter

Wenn jemand immer wieder unter Kopfschmerzen leidet, sollte er dann eine Schmerzklinik aufsuchen?

Post: Das hängt von verschiedenen Kriterien ab: Wieviel Kopfschmerztage im Monat? Wie sehr ist der Betroffene im Alltag, Arbeit oder Schule eingeschränkt? Wieviel Schmerzmitteltage gibt es, wie oft werden also Schmerzmittel im Monat eingenommen?

Wesentlich für eine Schmerzbehandlung ist allerdings die Diagnosestellung oder die Kenntnis des Schmerzmechanismus. Bei Kopfschmerz beispielsweise eine Migräne, Spannungskopfschmerz und natürlich auch der Ausschluss einer sonstigen Erkrankung. Wenn Schmerzbeschwerden trotz Behandlung wenig beeinflussbar sind, über Monate anhalten und auch die Psyche beeinträchtigen, sollten Betroffene über eine Vorstellung in einer interdisziplinären Schmerztherapie nachdenken.

Wichtig zu wissen: Je länger ich mit der Behandlung warte, desto größer ist die Gefahr eine dauerhaften Chronifizierung. Und Schmerztherapie heißt auch nicht sofort Krankenhausbehandlung. Im Verbund der Regiomed-Kliniken werden Schmerzambulanzen in Hildburghausen, Lichtenfels und in unserem Medizinischen Versorgungszentrum – MVZ – in Coburg vorgehalten.

Wie viele Patienten kommen im Jahr zu Ihnen und Ihrem Team der Schmerztagesklinik?

Post: In unserer Tagesklinik und unserem MVZ betreuen wir im Jahr zirka 1000 Patienten. Das sind Menschen jeglichen Alters und unterschiedlicher Schmerzbeschwerden, im Schwerpunkt Rücken-, Kopf- und Nervenschmerzen. Durchschnittlich dauert die Therapie in der Tagesklinik fünf Wochen. Hier bieten wir verschiedene Therapieprogramme an. Ein Kopfschmerzprogramm für Kinder und Jugendliche, eine Vierwochentherapie für Erwachsene und ab 2022 wieder ein Therapieprogramm für Senioren.

Wir freuen uns auch, in den vergangenen Jahren ein integratives Therapieprogramm aufgebaut zu haben, mit den Schwerpunkten Yoga, Achtsamkeit und Intervallfasten, das wir in modifizierter Form zukünftig mit den Kollegen der Onkologie Krebspatienten anbieten wollen.

Wie gehen die Untersuchungen und die Behandlung in der Schmerzklinik vor sich?

Post: Klinikbehandlung bei chronischen Schmerzen, wie Rücken-, Kopf- oder Nervenschmerzen setzt bestimmte Kriterien voraus: Ambulante Therapie ist ausgeschöpft, eine Medikamentenüber- oder Fehlgebrauch liegt vor und psychosozialen Faktoren erschweren das Gesunden. Moderne Schmerzmedizin verfolgt auch immer einen bio-psychosozialen Therapieansatz, dass heißt Linderung auf körperlicher und seelischer Ebene sowie auch der sozialen Interaktion. Der Patient wird zur Diagnosestellung, wie auch zur Behandlung von einem konstanten Therapieteam aus Medizin, Psychologie und Physiotherapie behandelt.

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In Schmerzambulanz und Schmerzklinik wird Menschen geholfen, die von chronischen Schmerzen geplagt werden. Foto: Jupiterimages

Der Erfolg einer multimodalen Schmerztherapie liegt vor allem im tagesaktuellen interdisziplinären Austausch der Therapeuten. Ziel einer Behandlung ist aber nicht nur die Linderung der Schmerzbeschwerden. Die Patienten sollen wieder Freude an der Bewegung erfahren, Vermeidungsverhalten abbauen, Lernen, was kann ich selbst gegen meine Schmerzen unternehmen.

Dazu bieten wir unseren Patienten in Coburg mittlerweile seit zehn Jahren ein vielfältiges – integratives multimodales – Therapieprogramm an, welches bewährte Verfahren der Schulmedizin um Therapieverfahren der Naturheilkunde ergänzt. Gute Schmerztherapie nimmt den Patienten erst einmal ernst und begleitet ihn auf seinem Weg durch die Therapie.

Wie sagten zwei unserer Kopfschmerzkinder jüngst nach der Therapie: „Wir haben keine Angst mehr vor dem Schmerz und wissen, was wir selbst dagegen tun können, ohne sofort zur Schmerztablette zu greifen.“ (red)

 

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