LICHTENFELS

Schlemmermarkt statt Schützenfest in Lichtenfels

Schlemmermarkt statt Schützenfest in Lichtenfels
Wozu alleine Karussell fahren, wenn man einen Patenonkel hat? So ging es hier dem zehn Monate alten Jannes mit seinem Onkel David Maubach. Foto: Markus Häggberg

Julia Wittmann staunt nur: „Komischerweise – mich wundert's selber – haben wir hier viele Bekannte getroffen.“ Mit dem „Hier“ meint die Besucherin das, was im Volksmund jetzt schon Schützenfest genannt wird, aber im Grunde keines ist.

Dass sie hier so viele Bekannte traf, verweist auf die Beliebtheit des kleinen „Schlemmermarkts“, der laut Werbeplakat „Schützenfest-Leckereien to go“ bietet. Ein Volksfest im Mini-Format.

„Der Krugs Rudi ist ein Freund von mir, und wenn wir was machen, ist's unbürokratisch.“ Die das sagt, ist Schaustellerin Karola Wentzl aus Fürth. Sie betreibt ein Kinderkarussell. Seit Freitagabend drehen dort noch bis zum 19. Juli am Schützenplatz die kleinsten Besucher ihre Kreise.

„Es ist schön, dass die sich die Arbeit gemacht haben, das aufzubauen.“
Frank Maubach, Besucher
Schlemmermarkt statt Schützenfest in Lichtenfels
Rudi Krug hatte die Idee zu dem Fest – und freut sich jetzt über das bunte Treiben. Foto: Markus Häggberg

Der „Krugs Rudi“ sitzt unweit des Biergartens auf einem Stuhl und sieht dem Treiben zu. Der 68-jährige Bad Staffelsteiner, der in siebenter Generation Schausteller ist, hat so seine Meinung zu dem, was ein Volksfest ausmacht. „Es ist für Kinder und Familien gedacht“, erklärt er. Bei so etwas wie dem Oktoberfest gehe es ja schon längst nur ums Geld.

Da Corona-bedingt das Lichtenfelser Schützenfest ausfallen musste, sei ihm die Idee gekommen, Kontakte bei Ämtern zu knüpfen und zumindest ein kleines Volksfest auf die Beine zu stellen. „Damit das Leben eine kleine Normalität findet.“ Mitstreiter fand er bei der Königlich-privilegierten Scharfschützengesellschaft und einer Reihe von Schaustellern. Erstere öffneten ihren Biergarten, letztere bauten einen Schlemmermarkt mit Fisch, Bratwürsten, gebrannten Mandeln, kandierten Früchten, einem Bierverkauf und einem Kinderkarussell auf.

Rund 50 ehrenamtliche Helfer des Schützenvereins im Einsatz

Schlemmermarkt statt Schützenfest in Lichtenfels
Volksfestzeit ist Schlemmerzeit - das weiß der dreijährige Vincent Wittmann aus Michelau schon sehr genau. Foto: Markus Häggberg

Sechs Fahrkarten lösten Wittmanns für ihren Vincent am Karussell. Aber der Dreijährige war nicht der jüngste Besucher. Da wäre zum Beispiel der kleine Jannes. Zehn Monate ist er alt, und damit er nicht aus dem Karussell kippt, wird er von seinem Patenonkel gehalten. Dessen Papa wiederum ist Frank Maubach. Der sagt: „Es ist schön, dass die sich die Arbeit gemacht haben, das aufzubauen.“ Dass „die“ nicht nur die Schausteller sind, sondern auch rund 50 ehrenamtliche Helfer des Schützenvereins, dürfte er wohl nicht ahnen.

Schlemmermarkt statt Schützenfest in Lichtenfels
Die Stände mit den Leckereien waren begehrte Anlaufstellen. Besonders gegen Abend erhöhte sich die Besucherzahl. Foto: Markus Häggberg

Maubachs gehen seit Jahren gerne aufs hiesige Schützenfest und werden das in den nächsten Tagen noch öfter tun. Dann warten ein kleines Karussell, ein Biergarten und fünf Stände, an denen es Schlemmereien gibt. Vor allem aber ein klein wenig Gemütlichkeit.

Schlemmermarkt statt Schützenfest in Lichtenfels
Die Sache mit der Sicherheit wird am Eingang zum Biergarten ernst genommen. Foto: Markus Häggberg

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