LICHTENFELS

Sankt Martin trotz Corona im Landkreis Lichtenfels

Laternenumzüge wie diesen in Hochstadt wird es heuer an Sankt Martin nicht geben. Aber die Kindertagesstätten im Landkreis finden andere Wege, den Festtag zu begehen. Foto: ArchivVerena Reuß

„Diese außergewöhnliche Zeit verlangt uns als Personal viel Spontaneität und Flexibilität ab. Von einem Tag auf den anderen müssen Entscheidungen geändert beziehungsweise getroffen werden. Das ist nicht immer einfach für die Eltern und auch nicht für uns Erzieher“, sagt Heike Gröschel vom evangelischen Kindergarten „Löwenzahn“ in Schney. Sie bringt damit auf den Punkt, vor welchen Herausforderungen die Kinderbetreuungseinrichtungen stehen. Allgemein, aber insbesondere auch, wenn es darum geht, traditionelle Veranstaltungen unter den aktuellen Bedingungen zu gestalten – so zum Beispiel den Martinstag.

Laternenumzüge und Martinsspiele sind 2020 nicht möglich. Aber alle befragten Einrichtungen haben einen Weg gefunden, wie die Legende von und das Brauchtum zu Sankt Martin den Kleinen trotzdem nähergebracht werden kann. „Unsere selbst gebastelten Laternen sind schon fast fertig! Unser Martinsumzug wird nach Gruppen getrennt stattfinden“, lässt Heike Gröschel wissen.

In Schney: Jede Kita-Gruppe macht für sich einen kleinen Umzug

Das heißt: In Schney wird es – da es eine Krippe und zwei Kindergartengruppen sind – drei Umzüge geben. Jede Gruppe an einem anderen Tag vom 10. bis 12. November, morgens auf dem Kita-Gelände. Gesungen wird auch – da Gesang im Freien erlaubt ist. Nach dem Martinsspiel gibt es zum Frühstück Martinsbrenzeln, verrät Heike Gröschel, jedes Kind bekommt seine eigene, denn geteilt werden dürfen sie aufgrund der aktuellen Hygieneregelungen nicht. „So kommen wir den Corona-Vorschriften nach, und die Kinder erleben ihren Martinstag“, sagt sie.

In den Vorjahren zogen die Kinder mit ihren Laternen durch einen Teil des Ortes. Nach dem Martinsspiel gab es Bratwürste und Getränke für alle Schneyer. Die Einnahmen aus dem Verkauf werden der Kita fehlen – sie waren immer wichtig für die Anschaffung von Sonderwünschen. Heike Gröschel dankt an dieser Stelle für die stete Unterstützung seitens der freiwilligen Helfer.

„Für Kinder ist es nicht von großer Bedeutung, ob Feste wie immer ablaufen. Ihnen ist wesentlich wichtiger, wahr- und ernst genommen zu werden.“
Heike Gröschel, Kindergarten „Löwenzahn“, Schney

Freilich sei es nicht einfach, das Martinsfest unter Berücksichtigung aller Auflagen zu gestalten. Doch sei es der Einrichtung sehr wichtig, dass der Alltag in der Kita trotz allem möglichst konstant bleibt. „Wir bemühen uns, auf die Fragen der Kinder einzugehen, damit sie möglichst unbeschadet durch diese Zeit kommen. Obwohl es für Kinder nicht von großer Bedeutung ist, ob Feste wie immer ablaufen. Das ist eher Erwachseneneinstellung. Kinder sind in dieser Beziehung viel flexibler. Ihnen ist wesentlich wichtiger, wahr- und ernst genommen zu werden.“

In Michelau: Martinsspiel als Videobotschaft und leuchtender Zaun

Etwas ganz Besonderes einfallen lassen hat sich das Haus Regenbogen in Michelau, lässt Diana Meußer, Mitarbeiterin der Kinderkrippe, wissen: „Es wird einen gruppeninternen Laternenlauf mit dem Martinsspiel als Höhepunkt geben. Das Martinsspiel wird von den Erzieherinnen der Kinderkrippe, als auch von den Kindern, die gerne daran teilnehmen möchten, dargestellt und im Anschluss als Videobotschaft an die Eltern weitergeleitet. Für das Martinsspiel stehen jeder Gruppe Steckenpferde sowie Martinsumhänge zur Verfügung. Als weitere Idee haben wir uns den ,leuchtenden Gartenzaun‘ einfallen lassen.“

Dabei gestalten die Familien eine Einweg-Plastikflasche mit bunten Acrylfarben. Diese kleinen Kunstwerke werden am Gartenzaun der Kinderkrippe befestigt und mit einer Lichterkette zum Leuchten gebracht. Dieses Mitmach-Angebot fand bei den Eltern große Zustimmung. Diese seien sehr dankbar, dass die Kinder in dieser schwierigen Zeit weiterhin die Einrichtung besuchen dürfen.

In Redwitz: kleine Spaziergänge nur mit den Kindern

Auch in der Kita „Grünschnabel“ in Redwitz wird der Martinstag sehr viel kleiner ausfallen als sonst, als man mit rund 400 Teilnehmern und Laternen durch den Ort zog und es bei einem gemütlichen Beisammensein Speisen und Getränke gab. Gesamtleiterin Maja Angermüller: „Angedacht sind gruppenweise kleine Spaziergänge am Vormittag nur mit den Kindern – keine Gruppendurchmischung, kein Singen.“

Kein Weihnachtsmarkt, kein Märchenwald, kein Laternenzug zur Einschaltfeier: Auch in Lichtenfels wird die Adventszeit he... Foto: ArchivMarion Nikol

Ein leichtes Unbehagen schwingt mit, wenn Maja Angermüller auf die steigenden Infektionszahlen blickt: Man sei bestrebt, den Betrieb der Kita aufrecht zu erhalten. „Wenn sich jedoch die Personalbesetzung gravierend verschlechtert, dann wird auch die pädagogische Arbeit nicht in der Qualität wie sonst möglich sein und der Fokus auf Aufsichtspflicht und Kindeswohl liegen.“

In Altenkunstadt: das volle Programm – aber nur in der Gruppe

Auch in der Kreuzberg-Kindertagesstätte in Altenkunstadt gibt es die Laternenumzüge dieses Mal nur gruppenintern und ohne Familie, informiert die Leiterin der Einrichtung, Julia Förtsch. Geplant ist ein Sankt-Martins-Frühstück in jeder Gruppe. Es werden Lieder gesungen, und in Rollenspielen werden die Legenden zu Sankt Martin aufbereitet – das Laternenbasteln gehört selbstverständlich auch zum Programm. Diese sollen dann am Martinstag in den abgedunkelten Räumlichkeiten leuchten.

In Bad Staffelstein: Jeder soll eine Laterne ins Fenster stellen

Leuchten sollen auch die Laternen der Mädchen und Jungen der evangelischen Kindertagesstätte Bad Staffelstein – und zwar am Martinstag in den Fenstern der Familien zu Hause. Wer möchte, kann durch die Bad Staffelsteiner Straßen gehen und die Laternen anschauen. Dazu lädt die Einrichtung gemeinsam mit der katholischen Kita in Bad Staffelstein ein. Laut Beate Wagner und Sandy Bartsch stammt die Idee ursprünglich von Jennifer Brenzinger aus St. Leon-Rot, die auf Facebook dazu aufruft, bis zum 11. November Laternen in die Fenster zu hängen und zu beleuchten. Ihr Beitrag stößt bundesweit und sogar in der Schweiz auf große Begeisterung und wurde insgesamt mehr

als 26 000 Mal geteilt.

Keine Einschaltfeier in Lichtenfels

Wenn die Beleuchtung am großen Christbaum vor dem Rathaus in Lichtenfels eingeschaltet wird, wird es keinen Laternenumzug geben. Denn heuer können weder Weihnachtsmarkt noch Märchenwald stattfinden, kündigt Steffen Hofmann, City-Manager und Leiter des Amtes für Wirtschaft, Tourismus & Kultur, an. Das bedeutet auch: keine Kindereisenbahn, keine Live-Konzerte am Pavillon, keine Stadtalm.

„Um Familien mit Kindern dennoch eine Attraktion in der Innenstadt zu bieten, planen wir, die Märchenfiguren im Innenstadtbereich dezentral verteilt aufzubauen und für Kinder eine Art ,Rallye‘ oder Schatzsuche mit Hilfe einer mobilen App (Action Bound) anzubieten“, sagt Hofmann. Eine solche digitale Stadtrallye für Kinder war bereits unter dem Titel „Kids entdecken Lichtenfels“ mit der Stadtbücherei in diesem Sommer etabliert worden.

Darüber hinaus plant die Stadt wieder einen Kinder-Malwettbewerb. Die Bilder der vergangenen Jahre sollen dann großflächig in der Innenstadt ausgestellt werden. Dazu kündigt der City-Manager weitere Informationen in Kürze an.

 

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