LICHTENFELS

Rodeo auf der Tigerente im Herzen von Lichtenfels

Rodeo auf der Tigerente im Herzen von Lichtenfels
Auch Zauberer Sven M. und seine „Assistentin“ waren in der Innenstadt unterwegs. Foto: Markus Häggberg

Es ist 15.45 Uhr und Mandy Gräsing-Lang zieht eine erste Bilanz: „Zweieinhalbtausend“, sagt die für das Stadtmarketing tätige Frau. Dann erscheint ein ihr bekannter Mann, mit dem sie kurz Rücksprache hält. Anbetrachts dessen, dass die ganze Veranstaltung noch bis 17 Uhr dauern wird, geht er gar von 3000 Besuchern aus, die sich dann seit 10 Uhr morgens hier auf dem Kindererlebnistag getummelt haben werden. Es ist Samstag, es ist die Innenstadt und ein buntes Treiben aus Geschäftigkeit, Organisation und Spaß. Vor allem aber ist auch freier Eintritt gegeben.

Zwei Jahre lang war ein Kinderlachen in dieser Art nicht mehr auf dem Marktplatz zu hören gewesen. Corona schob seine Riegel vor. Doch das „Comeback“ sollte gelingen. Kinderflohmarkt, Kindereisenbahn, Hüpfburg, ein gutes Dutzend Spielstationen, eine Riesenrutsche, ein Zauberer und ein Mann, der Kinder von einer Rodeo-Tigerente fliegen ließ. Thomas Biedermann heißt er, und er hat alle Hebel in der Hand. Zwischen Floriansbrunnen und Rathaus stehend, bedient er die Schalter, welche die Tigerente sich um sich selbst drehen lassen. Ein Kind sitzt auf ihr, und es heißt Anton Holzschuh. Anton hat sich festgekrallt, kostet sein Rodeo aus und Biedermann lässt es zu. Für eine Weile. Doch am Ende fliegen sie alle von der Tigerente runter, aber landen weich.

Rodeo auf der Tigerente im Herzen von Lichtenfels
Wer ist gerade verspielter – die Mutter oder das Kind? Der Kindererlebnistag bot Eltern und Kindern beste Unterhaltung. Foto: Markus Häggberg

Biedermann tut diese Dinge zur Freude der Kinder seit 2007. Eigentlich ist er Regierungsamtmann a. D., und er sagt: „Für mich gibt es nichts schöneres als Kinder glücklich zu machen.“ Doch Biedermann geht auch behutsam mit den Kindern um. Sie müssen für dieses Gerät mindestens sechs Jahre alt sein und sind sie es, dürfen sie keinen „zu zierlichen Eindruck“ machen. Ansonsten fliegen sie nicht von der Tigerente, sondern dürfen sie im Rodeo besiegen.

Auf fünf Metern Höhe rasant hinab

Andreas Seufert ist neun Jahre alt. Er steht neben seinem gleichaltrigen Bruder, und ist mit der Rutsche am Marktplatz fertig. Im doppelten Sinne und lachend. Auf die Rutsche hat er heute „keinen Bock“ mehr, denn irgendwie hat er es fertiggebracht, sich bei dem jauchzenden Fall aus fünf Metern Höhe eine warme Abreibung am rechten Ellebogen einzuhandeln. Dass das kurios ist, weiß er selbst und er lacht, wie er seinen Ellebogen herzeigt.

Rodeo auf der Tigerente im Herzen von Lichtenfels
Am Ende fliegen sie alle: Das Ende eines Rodeos kommt für diesen jungen Mann weich und lustig. Foto: Markus Häggberg

Er, sein Bruder Fabian und seine Mama Kerstin kamen aus Bad Staffelstein hierher. „Die Mama hat uns gefragt, ob wir hierher wollen und ich sagte, wir schauen uns das mal an“, erklärt dazu Bruder Florian. Auf die Frage, ob er sich den von Mama vorgeschlagenen Kindererlebnistag auch so vorgestellt habe, blickt der Junge um sich, lässt das sein Auge sehendes Getümmel auf sich wirken und sagt: „Es ist besser.“

Würfelglück und Spielvergnügen

Dann wendet er sich wieder dem Spieltisch zu, an dem es gilt, zu würfeln und die in Reihenfolge aufgebauten sechs Holzständer schneller aufzubauen als Mama Kerstin. Im Grunde sind die Spieltische so etwas wie herrliche Spielautomaten aus Holz. Zur Verfügung gestellt wurden sie laut Gräsing-Lang von der Kommunalen Jugendarbeit des Landkreises, so wie das Spielmobil oder die Hüpfburg vom Kreisjugendring stammen.

Rodeo auf der Tigerente im Herzen von Lichtenfels
Vater und Sohn haben hier gerade fröhlich eine Rechnung offen. Wer wird gewinnen? Foto: Markus Häggberg

Seit Februar, so die Veranstaltungskauffrau im Amt für Wirtschaft, Tourismus und Kultur, liefen die Planungen und man habe im Landkreis so ziemlich „sämtliche Kindergärten und Grundschulen angeschrieben“, darüber hinaus Werbung über Radio und Facebook gemacht. Das Konzept des Amtes für Wirtschaft, Tourismus und Kultur, dem Citymanager Steffen Hofmann vorsteht, überzeugte und so ließen sich auch vier Einzelhändler zum Mitmachen bewegen.

Beim Schuhhaus Hofmann beispielsweise, durften Kinder das Schnüren von Schuhen bei einer „Schnürsenkelparade“ üben, und eine Parfümerie wartete gar mit einem Gewürze-Glücksrad zum Thema „Schnuppere dich schlau“ auf. Auch einen Kinderflohmarkt mit zehn Ständen fanden Besucher zwischen Unterem Tor und dem Marktplatz vor, dort, wo Kinder einen Kettcar-Parcours für sich hatten.

Bis 17 Uhr dauerte der Kindererlebnistag und auf einer Fläche, die wohl mehr als einem halben Fußballplatz gleichkam, hatten die Kinder des Landkreises etwas zu erleben. So wie der Junge im Messi-Trikot der argentinischen Fußballnationalmannschaft. Blau-weiß gestreift lieferte er sich an einem hölzernen Fußball-Airhockey-Tisch ein Duell mit seinem ebenso ehrgeizig-verspielten Vater. Doch es gab auch Engpässe, so beispielsweise hätte man nicht gedacht, dass 20 Liter Seifenlauge nicht ausreichen würden.

Die Familien kommen in Scharen

Doch ab 14.30 Uhr gab es keine Seifenblasen mehr, die Lauge war „alle-alle“. Wie Gräsing-Lang davon erzählt, muss sie schmunzeln. Und ein bisschen wundern tut sie sich gegen 15.45 Uhr auch, denn „seit 10 Uhr ist es hier durchgängig voll, man hat nicht gemerkt, dass es gegen Mittag abgeflaut wäre“.

 

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