KRONACH/LICHTENFELS

Rodach nimmt auf lange Zeit Schaden

Fische werden mit Kescher und Gleichstrom gefangen, um sie dann im Labor des Landesamtes für Lebensmittelsicherheit untersuchen zu können. Foto: Heinz Fischer

Beißender Geruch lag noch am Freitag über dem Wasser der Rodach bei Erlabrück. Das Wasserwirtschaftsamt und das Landratsamt Kronach hatten in Abstimmung mit den beteiligten Fachbehörden zu einem Pressetermin eingeladen, etwa 200 Meter unterhalb der Stelle, an der am 27. September abends, vermutlich durch Unachtsamkeit, gut ein Kubikmeter phenol- und teerhaltige Lösungsmittel aus einem lecken Tank in die Rodach gelangt waren.

Trotz des sofortigen Einsatzes der Feuerwehren konnte eine Ausbreitung der giftigen Substanzen nicht verhindert werden. Die starke Strömung der Rodach und Verwirbelungen machten dies unmöglich. Präventiv wurden sofort entsprechende Warnmeldungen ausgegeben, eine Arbeitsgruppe zusammen mit dem Landratsamt Lichtenfels koordinierte die Maßnahmen.

Forellen und Mühlkoppen werden im Labor untersucht

Am Freitag konnten sich nun regionale und überregionale Medienvertreterinnen und -vertreter ein Bild von der Katastrophe machen. Alexander Löffler vom Landratsamt Kronach gab einen kurzen Abriss des Geschehens und der Maßnahmen. Vor Ort waren auch Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes. Mit Wathosen und Kescher bewehrt, suchten sie die Rodach nach Fischen ab. Forellen und Mühlkoppen wurden mittels Gleichstromsonden angelockt, gefangen und zur Untersuchung ins Labor des Landesamtes für Lebensmittelsicherheit gebracht.

Dr. Jörg Zausig vom GeoTeam Naila führte aus, dass unmittelbar nach Bekanntwerden des Unglücks Proben von Wasser und Grundsediment entnommen wurden, und zwar von der Unglücksstelle bis zum Main bei Lichtenfels. Man habe festgestellt, dass sich die Konzentration mit zunehmender Entfernung ständig verdünnt, besonders nach den Zuflüssen von Haßlach, Kronach und Steinach.

Geruch und Schlieren vor Stauwehren und in Altwassern

An den Altwassern der Rodach bei Redwitz sieht man noch deutlich die Schlieren von der Verunreinigung. Foto: Heinz Fischer

Nichtsdestotrotz seien auch am unteren Flusslauf noch Geruch und Schlieren festzustellen gewesen, besonders vor Stauwehren und in Altwassern. Am Wallenstadter Wehr seien nur noch sehr geringe Giftmengen nachgewiesen worden.

Dr. Thomas Speierl, Sachverständiger für Fischereiwesen, berichtete von gut 70 Kilogramm Forellen, die in unmittelbarer Nähe des Eintrittsortes verendet sind. Dies bestätigte auch der Fischerei-Pächter des Flussabschnittes, Johann Drexel. „Bis Unterrodach war der gesamte Fischbestand tot“, klagte Drexel. Die Teerstoffe, so Speierl, haben die Kiemen der Tiere verklebt und so zum Erstickungstod geführt.

„Bis Unterrodach war der gesamte Fischbestand tot.“
Johann Drexel, Fischerei-Pächter
Dr. Speierl (Fachberatung für Fischerei) gibt Auskunft über die Maßnahmen zum Erhalt der Tierwelt in der Rodach. Foto: Heinz Fischer

Als Maßnahmen seien ständige weitere Beprobungen des Flusses angedacht, auch werde gegebenenfalls kontaminiertes Sediment aus dem Fluss abgesaugt. Es sei noch nicht vorhersehbar, wie lange die Reinigung der geschädigten Gewässer dauern wird; man müsse dies noch über Monate hinweg überwachen. Bis zur Badesaison des nächsten Sommers solle getestet werden um sicherzustellen, dass bis dahin keine Gefahr für die Gäste der Flussbäder besteht.

Auf der ganzen Strecke herrsche Angelverbot, auch sollte man sich generell vom Flusswasser fern halten, so der Rat von Dr. Speierl. Auch die Teichwirte und -wirtinnen entlang der Rodach, deren Teiche vom Rodachwasser gespeist werden, müssten ihre Gewässer untersuchen lassen. Teichwirtfamilie Menzel aus Marktzeuln hatte Glück im Unglück: „Wir konnten rechtzeitig den Zulauf von Rodachwasser stoppen. Aber wir dürfen keine Fische aus dem Teich verwenden, bevor die Untersuchungen abgeschlossen sind“, so Sabine Menzel.

„Wir dürfen keine Fische aus dem Teich verwenden, bevor die Untersuchungen abgeschlossen sind.“
Sabine Menzel, Teichwirtin aus Marktzeuln
Hans-Joachim Rost (Wasserwirtschaftsamt) und Klaus Löffler (Landrat Kronach) klären über das Ausmaß der Verunreinigung a... Foto: Heinz Fischer

Kronachs Landrat Klaus Löffler betonte an dieser Stelle noch mal die enge Zusammenarbeit der Behörden und auch der Teichwirte - und wirtinnen sowie der Inhaber und Inhaberinnen der Fischereirechte entlang der Rodach. Man halte alle Beteiligten und Geschädigten immer auf dem Laufenden. Bedingungslose Offenheit und Information sei dem Landratsamt ein echtes Anliegen.

Landrat Löffler stellte weitere Pressetermine in Aussicht, sobald neue Erkenntnisse vorliegen. Eine Gesundheitsgefahr für Menschen schloss er definitiv aus. Eine Schadenssumme sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ermittelbar.

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