LICHTENFELS

Regiomed-Klinikverbund Thema im Kreistag

Einige Anlaufschwierigkeiten hat es seit der Inbetriebnahme der Regiomed-Zentralküche – hier ein Archivbild aus der Bauzeit – gegeben. Laut Geschäftsführung sind diese aber nun behoben.Archiv Foto: Sascha Ott

Die SPD-Fraktion hatte sich dafür stark gemacht, dass künftig im Kreistag regelmäßig über die Situation beim Klinikverbund Regiomed – an dem der Landkreis zu 25 Prozent beteiligt ist – informiert wird. Dem Antrag wurde auch seitens der Landkreisverwaltung wohlwollend entsprochen, Landrat Christian Meißner sprach von offenen Türen, die bei ihm eingerannt wurden. Und so standen in der Sitzung am Montag in der MGL-Turnhalle sowohl Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke als auch Geschäftsführer Robert Wieland Rede und Antwort.

Dabei wurde deutlich, wie sehr den Kreisräten insbesondere das Wohl und Wehe des Lichtenfelser Klinikums auf den Nägeln brennt. Über zweieinhalb Stunden wurde unter anderem über die finanzielle Situation des Klinikverbunds und die künftige medizinische Ausrichtung des Lichtenfelser Klinikums diskutiert. Eingangs machte Landrat Christian Meißner deutlich, dass die Finanzierung des Neubaus besser als prognostiziert gelaufen sei. So sei die Kreisumlage während der Bauzeit sogar gesenkt worden und die Verschuldung des Landkreises im Zusammenhang mit dem Neubau niedriger ausgefallen. Finanziell seien „keine größeren Brocken mehr zu erwarten“.

Die Verluste werden geringer

Hinsichtlich der aktuellen finanziellen Situation zog Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke eine positive Bilanz des eingeleiteten Konsolidierungskurses. So würde für das laufende Jahr im Verbund mit einem Defizit von 7,5 Millionen Euro kalkuliert. 2018 hätten die Verluste 25,6 und 2019 9,5 Millionen Euro betragen. Er betonte aber auch die finanziellen Unwägbarkeiten, die noch aus der Corona-Pandemie resultieren könnten. Er mahnte deshalb seitens der Politik eine Fortschreibung des Krankenhausentlastungsgesetzes an, da auch künftig Kapazitäten für Covid-19-Patienten in den Häusern freigehalten werden müssten. Prinzipiell müsste sich beim Gesundheitssystem seitens der Politik die Frage gestellt werden, ob der Mensch oder die Finanzen wichtiger seien. „Die Prozesse und Strukturen müssen sich an den Patienten orientieren, dann kommt der wirtschaftliche Erfolg automatisch“, fasste er seine Maxime zusammen.

Eine Gratwanderung

Derzeit würden in den Krankenhäusern die Kapazitäten hin zum Normalbetrieb schrittweise wieder hochgefahren. Der Direktor des Lichtenfelser Klinikums Robert Wieland sagte, dass von den fünf OP-Säalen im Lichtenfelser Klinikum seit vergangener Woche wieder vier im Normalbetrieb laufen würden. Er betonte aber auch, dass jederzeit die Auswirkungen der Corona-Pandemie im Blick behalten werden müssen, um binnen kurzer Zeit dementsprechend reagieren zu können.

Bekanntlich soll nach der Fertigstellung des geplanten Klinikneubaus in Coburg frühestens in zehn Jahren die Neurologie aus Lichtenfels dorthin wechseln, die Urologie hingegen von Coburg nach Lichtenfels. In etlichen Fragen der Kreisräte schwang daher der Tenor mit, dass das Lichtenfelser Klinikum dadurch zu einem Klinikum zweiter Klasse degradiert werden könnte, beziehungsweise eine wohnortnahe und umfangreiche medizinische Versorgung der Bürger dann nicht mehr gewährleistet sei.

Das „Landkreisdenken“ ablegen

Auch in diesem Zusammenhang betonte Schmidtke, dass es wichtig sei, dass „Landkreisdenken“ einzuschränken. Schließlich sei der Landkreis Lichtenfels durch seine 25-prozentige Beteiligung am Regiomed-Klinikverbund auch zu 25 Prozent beispielsweise am Klinikum Coburg beteiligt. Zentral sei daher die Frage, wie eine bestmögliche medizinische Versorgung aller Bürger im Einzugsgebiet des Verbunds auch künftig gewährleistet werden könne. Es gelte daher, die einzelnen Krankenhäuser jeweils bedarfsorientiert auszurichten.

„Die Prozesse und Strukturen müssen sich an den Patienten orientieren, dann kommt der wirtschaftliche Erfolg

automatisch.“

Alexander Schmitdke, Regiomed-Hauptgeschäftsführer

Dies bedeute, dass die kleineren Krankenhäuser künftig verstärkt der medizinischen Grund- und Notfallversorgung dienen müssten, wohingegen in Coburg verschiedene Leistungsbereiche zu einem sogenannten Schwerpunktversorger gebündelt würden. Dies sei zum einen politischer Wille, zum anderen, nicht zuletzt angesichts des Fachkräftemangels, ein Gebot der Stunde. Dennoch werde es in den kleineren Häusern aber auch künftig Schwerpunktabteilungen geben. In Lichtenfels seien dies neben der geplanten urologischen Abteilung das bereits gegründete Zentrum für Endkrinologie, die Innere Medizin, die Altersmedizin, die Orthopädie und Endoprotetik. Außerdem werde ein Ausbau der HNO-Versorgung umgesetzt.

Zwei Kinderärztinnen für das MVZ

Ein weiterer Themensschwerpunkt der Fragen der Kreisräte war die Situation im Lichtenfelser MVZ. Dort wurden im vergangenen Jahr mit 600 000 Euro im Vergleich zu den anderen MVZ im Regiomed-Verbund die höchsten Verluste gemacht. Robert Wieland erläuterte daraufhin, dass die MVZ künftig nicht mehr zentral geführt werden sollen, um die Belange vor Ort besser berücksichtigen zu können. Daher soll auch in Lichtenfels ein regionaler Praxismanager eingestellt werden. Zudem werde angestrebt, ambulante OP-Leistungen verstärkt vom Klinikum ins MVZ zu verlegen. Eine positive Nachricht hatte Robert Wieland bezüglich der Pädiatrie in Lichtenfels. So gebe es derzeit Gespräche mit zwei Kinderärztinnen, die aller Voraussicht nach zum 1. Januar 2021 ihren Dienst im MVZ Lichtenfels beginnen werden.

Gleicher Tarif für alle

Eine weiterer Themenschwerpunkt war die Vergütung der Regiomed-Mitarbeiter. Laut Alexander Schmitdke habe es bisher rund 40 verschiedene Tarife und 20 Altersvorsorge-Modelle im Verbund gegeben. Sein Ziel sei es, im gesamten Verbund möglichst schnell auf den Tarif für den öffentlichen Dienst zu wechseln. Dafür strebe er bis Jahresende einen Haustarifvertrag für Regiomed mit den Gewerkschaften an. Die Mehrkosten würden sich für Lichtenfels auf 656 000 Euro belaufen. Laut Schmitdtke sind diese Kosten nicht zuletzt aufgrund des Fachkräftemangels und der damit zusammenhängenden Wettbewerbsfähigkeit gut angelegtes Geld.

Höhere Teller, ein Problem weniger

Ein weiterer Themenkomplex befasste sich mit der neuen Zentralküche des Klinikverbunds in Lichtenfels. Laut Aussagen einiger Kreisräte ist der Betrieb in den ersten Wochen nicht ganz reibungslos verlaufen. Robert Wieland räumte dies ein. Er verwies darauf, dass es beispielsweise bei der Bestellung und Zuordnung der Essen Probleme gegeben habe. Die anfänglichen Schwierigkeiten hätten daher zum Teil auch aus externen Abläufen beruht. So sei unter anderem festgestellt worden, dass die Auffahrt zum Lichtenfelser Klinikum zu steil ist. Bei Gerichten mit viel Soße sei diese dort über den Tellerrand geschwappt. Doch auch hier sei bereits eine Lösung gefunden worden: Es wurden Teller mit einem höheren Rand bestellt.

Im Kreistag kurz notiert

• Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie wurde die Entwicklung des Kreishaushalts überprüft. Zusätzliche Ausgaben in Höhe von 350 000 Euro (Stand: 16. Juli) habe es im Gesundheitswesen gegeben. Zusammenfassend gibt es laut der Überprüfung aktuell keinen Grund zur Besorgnis, aber auch keine Entwarnung, es sollte trotzdem auf Ausgabendisziplin geachtet werden. Bei der Kreisumlage hätte es bisher bei keiner Kommune Zahlungsprobleme gegeben.

Heinz Petterich (FW) regte an, die Situation des Kreishaushalts im Herbst erneut zu überprüfen. Diesem Wunsch kommt die Landkreisverwaltung nach.

• Kreisrätin Sabine Wich (SB) war bei der konstituierenden Sitzung des Kreistags verhindert, ihre Vereidigung nun nachgeholt.

Landrat Christian Meißner vereidigte Kreisrätin Sabine Wich. Foto: Landratsamt/Heidi Bauer

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