Coronavirus - Städtisches Klinikum Dresden

LICHTENFELS/COBURG

Regiomed-Kliniken: Jetzt trifft das Virus jüngere Patienten

Die sinkenden Zahlen der Infektionen mit dem Coronavirus sorgen bei den Regiomed-Kliniken für vorsichtiges Aufatmen. So werden zurzeit in den Häusern des Klinikverbunds insgesamt 118 Patienten behandelt, davon 13 auf der Intensivstation und sechs unter künstlicher Beatmung, wie Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke bei einer Video-Pressekonferenz am Dienstagnachmittag mitteilte. Gegenüber den Zeiten der größten Belastung, als 150 Patienten im Quarantänebereich und mehr als 30 auf den Intensivstationen versorgt werden mussten, sei dies eine deutliche Entlastung. Sorge bereite allerdings der hohe Krankenstand von 20 Ärzten und 150 Pflegekräften, darunter auch Corona-Fälle. Und steigende Kosten.

„Die Intensivstationen arbeiten am Limit, das Personal ist erschöpft“, betonte Schmidtke. Mangels Personal seien 258 Betten gesperrt worden.

Zwölf Corona-Patienten in Lichtenfels, 100 Mitarbeiter geimpft

Im Klinikum Lichtenfels werden zurzeit zwölf Patienten, die an Covid-19 erkrankt sind, versorgt. Zwei von ihnen liegen auf der Intensivstation. Das Haus sei insgesamt recht voll, drei OP-Säle in Betrieb, berichtete Geschäftsfüherer Robert Wieland. Der Krankenstand sei „normal“, Schutzmaterial ausreichend vorhanden. „Wir planen sehr vorsichtig, da wir nicht wissen, wie sich die Situation mit den Mutationen in Bayreuth auswirken wird“, betonte er. 100 Mitarbeiter seien im ersten Durchgang geimpft worden, ihre zweite Impfung erfolge gerade. Erfreulich sei die steigende Bereitschaft der Mitarbeiter, sich impfen zu lassen. Der Impfstoff reiche jedoch nicht aus, um alle Wünsche zu erfüllen.

Im Klinikum Coburg werden 51 Corona-Patienten behandelt, davon zehn auf der Intensivstation. Auffällig sei der leicht sinkende Altersdurchschnitt der Patienten von anfangs 80 Jahren und älter auf viele 40- bis 50-Jährige, erklärte Krankenhausdirektor Dr. Frank Wellmann. 400 Mitarbeiter seien geimpft, Impfstoff für weitere 100 Mitarbeiter stehe in Aussicht. Die Bereitschaft des Personals sei mit weit über 40 Prozent erfreulich und dank Mundpropaganda von Kollegen steige sie täglich.

In Sonneberg liegen 18 Covid-Patienten auf der Quarantänestation, in Neuhaus 13, in Hildburghausen 14, davon einer auf der Intensivstation. Hier sind auch zehn Bundeswehrsoldaten im Klinikum und acht im Seniorenheim im Einsatz.

Tests auf Mutationen nur im Verdachtsfall

Trotz der weiterhin hohen Zahl von Infektionen bräuchten Notfall- oder Tumorpatienten angesichts der strengen Hygienekonzepte und getrennter Intensivstationen für die Regelversorgung und Coronapatienten keine Angst vor einer Ansteckung zu haben. Eine Untersuchung von Covid-19-Patienten auf Mutationen erfolge auch nach dem Ausbruch im Bayreuther Klinikum nur bei begründetem Verdacht. Bisher stünden die Testkapazitäten für die Sequenzierung nicht im größeren Umfang zur Verfügung.

Mit einer Entspannung der Situation rechnet Alexander Schmidtke erst 2022 oder 2023. Daher bereitet ihm die wirtschaftliche Situation des finanziell angeschlagenen Klinikverbunds Sorgen. „Das Patientenwohl muss vor Kosteneffizienz und Strukturoptimierung stehen, so lange das Gesundheitswesen in dieser schwierigen Situation ist“, fordert er. Angesichts der Belastungen für die Kliniken und ihre Mitarbeiter durch die Pandemie dürfe es nicht sein, dass sie auch noch unter wirtschaftlichen Druck gesetzt werden. Sonst drohe der Kollaps. „Jeder Patient wird bei uns gut versorgt, aber es kann sein, dass wir zum Teil aus der Notversorgung aussteigen müssen“, warnt Schmidtke. Corona-Fälle und kritische Patienten würden dann weiterhin aufgenommen, aber weniger lebensbedrohliche Notfälle nicht mehr.

Um das zu vermeiden, bräuchten die Kliniken wirtschaftliche Planungssicherheit. Daher fordert Schmidtke die Bundesregierung auf, die Ende Januar auslaufenden Ausgleichszahlungen fortzusetzen und unbürokratisch zu gestalten. Schließlich sicherten die Kliniken die medizinische Versorgung in der Pandemie, hielten Betten für Coronapatienten frei und verschöben geplante Operationen. Das koste viel Geld.

Das bisherige Zahlungssystem, das Kliniken mit Vollversorgung besser stellt als kleinere Häuser, habe dazu geführt, dass etwa im Klinikum Neustadt ein Erlösausfall von 3,3 Millionen Euro im vergangenen Jahr entstanden sei, während die Ausgleichszahlungen aber nur 1,8 Millionen Euro betragen. Durch Einsparungen bei den Sachkosten sei es gelungen, das Defizit auf 1,6 Millionen Euro zu verringern, bei den Personalkosten bestehe jedoch kein Spielraum.

„Das Patientenwohl muss vor Kosteneffizienz und Strukturoptimierung stehen, so lange das Gesundheitswesen in dieser schwierigen Situation ist.“
Alexander Schmidtke, Regiomed-Hauptgeschäftsführer

Die Neustadter Klinik falle durch das Netz der Ausgleichszahlungen, es sei aber für Regiomed wichtig, Corona-Patienten dort behandeln zu können, um die Kliniken in Coburg und Sonneberg nicht zu überlasten.