LICHTENFELS

Regiomed: Der Omikron-Tsunami wird kommen

Coronavirus - Patienten auf der Intensivstation
In Anbetracht der Omikron-Variante des Coronavirus bereiten sich auch die Regiomed–Kliniken auf weiter steigende Patientenzahlen vor. Foto: Jens Büttner/dpa

„Wir befinden uns aktuell in einer kleinen Senke vor einem Tsunami. Aber wir wissen noch nicht genau, was auf uns zukommt.“ Mit diesen Worten beschrieb der Leiter des Lungenzentrums bei Regiomed, Dr. Claus Steppert, die aktuelle Situation im Klinikverbund bei einem Pressegespräch. Für den Moment würden die Patientenzahlen zwar leicht zurückgehen. Die Omikron-Variante des Corona-Virus sei aber extrem ansteckend und könne zudem sehr lange in Räumen virulent bleiben. Er erwartet, dass der daraus resultierende Tsunami in unserer Region Mitte Januar zuschlagen wird. In Coburg sei bereits ein erster Fall der neuen Virusvariante bestätigt worden.

Dr. Steppert betonte auch, dass es eine Legende sei, dass Omikron harmloser sei als die Delta-Variante. Dies sei möglicherweise in Südafrika der Fall, dort seien aber die Voraussetzungen für die neue Variante ganz andere als bei uns. So zerschlug er auch die Hoffnung, dass die Omikron-Variante in Deutschland womöglich den Übergang zu einer endemischen Situation bedeuten könnte.

Auch für Omikron gilt: Nur Impfen hilft!

Trotz der bedrohlichen Eigenschaften der neuen Virusvariante gebe es aber auch positive Nachrichten. So hätte sich nach einem Infektionsausbruch in Oslo gezeigt, dass zweimalig Geimpfte einen sehr guten Schutz vor einem schweren Verlauf der Krankheit hätten. Von ihnen hätte niemand im Krankenhaus behandelt werden müssen. Bezüglich der Booster-Impfung sagte Dr. Steppert, dass diese das Defizit des Impfschutzes bei Omikron gegenüber der Delta-Variante nach zweimaliger Impfung wieder wett zu machen scheint. Nach wie vor seien Impfungen also der beste Schutz vor einer Erkrankung. Deutliche, aber auch mahnende Worte fand er zur Impfpflicht: „Das Thema Impfpflicht wird sich im März erledigt haben. Bis dahin haben sich alle mit Omikron infiziert.“

89 Prozent-Impfquote im Lichtenfelser Klinikum

Zur Impfquote bei den Regiomed-Mitarbeitern gab es gute Nachrichten aus dem Lichtenfelser Klinikum. 89 Prozent der Mitarbeiter dort seien geimpft. Ein anderes Bild zeichnete Dr. Robert Koburger vom Klinikum Hildburghausen. Angesichts der dortigen Impfquote werde aber weiterhin alles versucht, diese zu steigern.

In Anbetracht der kommenden Impfpflicht für das Pflegepersonal ab Ende Januar gab er zu bedenken, dass die ungeimpften Mitarbeiter beim Pflegepersonal nur noch sehr kurz Zeit hätten, sich für eine Impfung zu entscheiden.

„Das Thema Impfpflicht wird sich im März erledigt haben. Bis dahin haben sich alle mit Omikron infiziert.“
Dr. Claus Steppert, Leiter des Regiomed-Lungenzentrums

Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke berichtet in diesem Zusammenhang bereits von zwei Kündigungen im ärztlichen Bereich des Klinikverbunds wegen der Impfpflicht. Er ging auch auf die weiterhin äußerst angespannte Personalsituation im Klinikverbund ein. Aktuell fehlen 200 Mitarbeiter beim Pflegepersonal, weil sie krank sind oder Stellen nicht besetzt werden können. 250 Betten seien deshalb nicht belegbar. Auch deshalb seien in der vergangenen Woche allein in Sonnefeld 95 Operationen ausgefallen, in Coburg um die 30. Großes Lob gab es für die Unterstützung der Bundeswehr, die noch in den Häusern in Lichtenfels, Sonnenberg und Coburg im Einsatz ist.

Fast nur Ungeimpfte mit schwerem Verlauf in Behandlung

Extrem angespannt sei die Situation beim Rettungsdienst. Hier seien die Impfquoten, besonders in Thüringen, am niedrigsten. Schmidtke bezeichnete diese Situation als „ein Spiegelbild der Gesellschaft“. Derzeit werde das Testkonzept für den Rettungsdienst überarbeitet.

Am 22. Dezember wurden im Klinikverbund 133 Patienten wegen einer Corona-Erkrankung behandelt. Das Verhältnis zwischen geimpften und ungeimpften Personen liegt hier bei rund 50:50. Von den derzeit 15 intensiv Behandelten sind jedoch zwölf ungeimpft. 13 Patienten müssen beatmet werden. Von den derzeit vier Corona-Patienten im Lichtenfelser Klinikum müssen alle beatmet werden. Drei von ihnen sind nicht geimpft, einer ohne Boosterimpfung. Der Altersdurchschnitt der Patienten in Lichtenfels liegt bei 62 Jahren.

Der Coburger Chefarzt Dr. Georg Breuer sprach in Anbetracht von derzeit zwar leicht rückläufigen Zahlen und Omikron von „keiner Entspannung, sondern gespanntem Abwarten. Wir ahnen, dass es schlimm werden könnte.“ Daher würden alle Notfallpläne überprüft und gegebenenfalls angepasst. Insbesondere gelte dies für den Personalbereich. Allerdings seien dort die Grenzen der Kapazität eigentlich schon erreicht.

Die Behandlungsmöglichkeiten bei Covid-19

Der Leiter des Regiomed-Lungenzentrums Dr. med. Claus Steppert informiert über den aktuellen Stand der Therapiemöglichkeiten bei einer Covid-19-Erkrankung.

• Im Gegensatz zu Bakterien haben Viren keinen eigenen Stoffwechsel, weshalb Antibiotika bei Virusinfektionen unwirksam sind. Im Vordergrund der Behandlung von Virus-Lungenentzündungen steht deshalb, die Funktion der Lunge und der anderen Organe aufrechtzuerhalten, bis der Körper durch Aufbau der eigenen Immunität die Viren abwehrt.

• Covid-19 verläuft in zwei Phasen: einer anfänglichen Virusphase, die – beispielsweise bei den meisten Kindern – durch Immunitätsaufbau nach spätestens 14 Tagen beendet ist und die bei Erwachsenen häufig auftretende überschießende Immunität, die zu den schweren Krankheitsverläufen mit Intensivpflicht führt.

• Die meisten seit Beginn der Pandemie versuchten Virustherapien wie Hydrochloroquin, Lopinavir/Ritonavir, das Wurmmittel Ivermectin, hochdosiertes Vitamin D sowie das gehypte Remdesivir haben sich hier als wenig oder unwirksam erwiesen. Das einzige in der Frühphase wirksame Medikament ist der – 2020 auch von Trump genutzte – Antikörpercocktail Casirivmab/Imdevimab, der wie eine passive Impfung wirkt und bei früher Gabe Krankenhausaufenthalte vermeiden kann. Dies gilt jedoch nur für nicht-immunisierte bzw. Patienten, die aufgrund einer zugrunde liegenden Erkrankung oder Behandlung keine Immunität auf die Impfung aufbauen können.

• Die seit kurzem zugelassenen, in Tablettenform vorliegenden Medikamente (Molnupiravir, Ritonavir/Nirmatrelvir) wirken nur in den ersten drei bis fünf Tagen nach Infektionsbeginn und wurden ebenfalls nur an Nicht-Immunisierten erprobt. Während der Antikörpercocktail bei der Omikronvariante nicht wirksam scheint, dürften die eben genannten Medikamente aufgrund ihres Wirkungsansatzes auch hier wirksam sein.

• Kommt es zu einem schweren Verlauf mit Sauerstoffpflicht, ist eine Behandlung mit dem Cortisonabkömmling Dexametason etabliert. Andere Ansätze zur Dämpfung des Immunsystems wie die Rheumamittel Barictinib und Tocilizumab können ebenfalls hilfreich sein; hier besteht aber bei häufig überlagernden bakteriellen Erkrankungen auch die Möglichkeit einer Verschlechterung.

Wie erkennbar ist, ist die beste Therapie von Covid-19 es erst gar nicht zu bekommen!

• Auch in Hinblick auf die Omikronwelle gilt also: Abstand, Maske, Impfung!

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