LICHTENFELS

Radunfall mit finanziellen Folgen

Geläuterter Angeklagter vor dem Amtsgericht Lichtenfels

Es muss ein kurioses Bild gewesen sein, welches mehrere Menschen auf einem Parkplatz vor einem Einkaufsmarkt in Bad Staffelstein abgaben. Es ging um einen Vorfall vom 21. März dieses Jahres, für welchen sich am Dienstag im Amtsgericht ein Rentner wegen Beleidigung zu verantworten hatte.

Hatte der betagte Mann eine junge Frau einst wirklich als „Schlampe“ und „Ausländerpack“ bezeichnet? Ein Strafbefehl ging jedenfalls an ihn heraus, und gegen den legte er Einspruch ein, denn: „Ich habe mit der Frau kein Wort gewechselt, keine Silbe.“

Merkwürdige Aussage der gestürzten Hausfrau

Doch worum ging es eigentlich? Staatsanwalt Ingo Knecht-Günther verlas die Anklageschrift und die sprach davon, dass es auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt wohl zu einem Fahrradunfall gekommen sei. Hauptbetroffene dabei war eine 63-jährige Hausfrau aus dem südwestlichen Landkreis. In sie beziehungsweise ihr Rad fuhr ein junger Radfahrer, und es kam zu einem Sturz. Dann sei eine Mittdreißigerin mit blondem Haar zu der Unfallstelle geeilt und habe der Hausfrau aufzuhelfen versucht.

Ab jetzt kam es zu zwei Versionen des Geschehens, denn die Helferin beklagte sich im Zeugenstand darüber, dass der Rentner sie beschimpft und beleidigt habe. Aber sie erzählte auch, dass die Gestürzte sich eigenwillig verhielt. „Sie hat sofort geschrien, sie habe Folgeschäden und jemand sei in sie reingefahren. Sie schrie sogar, ich gehöre dazu“, so die Zeugin.

Versucht, der Helfenden ins Gesicht zu spucken

Doch damit nicht genug, denn es soll noch gefallen sein, dass alles Absicht war, um sie, die Gestürzte, mit Corona anzustecken. Aus dem Nichts heraus sei dann der schimpfende Rentner gekommen, und der habe versucht, der Helfenden ins Gesicht zu spucken. Dass das nicht so ganz klappte, habe nur daran gelegen, dass er noch seine Maske trug und die Spucke abfing. Doch habe der Rentner auch geäußert, dass die Helferin „zu dieser Gang“ gehöre.

„Ich habe mit der Frau kein Wort gewechselt, keine Silbe.“
Angeklagter Rentner zu den Vorwürfen

Der Rentner, vertreten durch Rechtsanwalt Heinrich Meyer, machte schon zur Prozesseröffnung deutlich, was er von der Sache und von dem Vorwurf hält: „Ich dachte, es ist Pinocchio.“

Die gestürzte 63-Jährige trat im Zeugenstand nicht so auf, als gäbe es dem Rentner etwas vorzuwerfen. Von Beleidigungen gegenüber ihrer Helferin sprach sie nicht, und den Gerichtssaal verließ sie mit besten Wünschen für den Angeklagten.

Zuvor aber schilderte sie ihre Helferin als „provozierend“ und die Stimmung aufheizend. „Ich war heilfroh, dass er da war“, so die Frau über den Rentner.

Der geriet aber letztlich doch wieder unter Beschuss, diesmal von zwei, drei weiteren Zeugen. Es waren die drei jugendlichen Radfahrer, aus deren Mitte einer den Sturz der Radfahrerin verursacht hatte, die aussagen konnten, dass der Rentner der Helferin ins Gesicht spucken wollte.

Nicht vorbestraft, aber trotzdem amtsbekannt

Dann sollte von Belang werden, dass der Rentner bis dato noch keinen Eintrag ins Bundeszentralregister aufweist, er also für nie auffällig geworden gehalten werden könnte.

Dem widersprach Staatsanwalt Ingo Knecht-Günther doch und hob hervor, dass es sehr wohl eine Verfahrensliste zu ihm gibt, aus der sich entnehmen lässt, dass der Rentner schon mit Körperverletzung, fahrlässiger Körperverletzung und Beleidigung in Verbindung gebracht wurde.

Strafbefehl wird nur abgemildert

Der Strafbefehl, der ursprünglich auf 1000 Euro lautete, sollte bestehen bleiben. Aber er wurde um 400 Euro abgemildert. Ein Vorgehen, mit dem sich letztlich auch der Rentner arrangierte und dem er zustimmte.

Schlagworte