LICHTENFELS

Radeln für Frieden und Klimaschutz in Lichtenfels

Radeln für Frieden und Klimaschutz in Lichtenfels
Bei der abschließenden Kundgebung auf dem Marktplatz wurde deutlich, wie eng Themen wie Klimaschutz, Demokratie, Toleranz und Frieden miteinander verbunden sind. Foto: Marion Nikol

Für wenige Momente gehörten die Straßen der Lichtenfelser Innenstadt ausnahmsweise nicht den Autofahrern: Wie bereits im September 2021 brachte auch am Freitagabend eine Kolonne von rund 100 Fahrradfahrern den motorisierten Verkehr in den frühen Abendstunden in der Korbstadt zum Erliegen.

Der Grund dafür war die zweite Fahrraddemonstration durch Lichtenfels, zu der die Initiative Klimaentscheid Lichtenfels, das Aktionsbündnis „Lichtenfels ist bunt“, der Bund Naturschutz und das Bündnis 90/Die Grünen im Rahmen des globalen Klimastreiks aufgerufen hatte.

Radeln für Frieden und Klimaschutz in Lichtenfels
Fahrräder soweit das Auge reicht: Für rund 20 Minuten dominierten auf den Straßen von Lichtenfels am frühen Freitagabend... Foto: Marion Nikol

Teilnehmer aus dem gesamten Landkreis

„Wir radeln heute für Frieden, gegen Gewalt und gegen Krieg. Und wir radeln heute für den Klimaschutz. Diese Themen gehören zusammen, denn eine klimagerechte Welt bringt Frieden und ohne Frieden wird es keinen ausreichenden Klimaschutz geben“, begrüßte die Diana Biskupski vom Klimaentscheid Lichtenfels die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich in der Gabelsberger Straße eingefunden hatten.

Vom Kleinkind bis hin zum Senior hatte sich auf Höhe des Finanzamts eine breite Vielfalt an Menschen aus allen Teilen des Landkreises versammelt, um mit Laufrad, Mountainbike, Elektro- und Lastenrad ein Zeichen für eine umweltfreundliche Mobilität zu setzen.

Radeln für Frieden und Klimaschutz in Lichtenfels
Die Freude ist der hauptverantwortlichen Organisatorin Diana Biskupski (re.) anzusehen: Auch an der zweiten Fahrraddemo ... Foto: Marion Nikol

Und so setzte sich schließlich eine lange Schlange an radelnden Demonstrantinnen und Demonstranten in Bewegung, zunächst die Kronacher Straße entlang, über den Bürgerweg und die Bgm.-Dr.-Hauptmann-Ring zur Mainau und weiter durch die Coburger Straße bis hin zum Marktplatz. Begleitet wurde der bunte Zug von Kinderlachen, Klingelgeräuschen und Gesang. „Warum sind wir da? Für ein gutes Klima – prima, prima! Wofür kämpfen wir? Für ein gutes Klima – prima, prima!“ tönte es immer wieder durch die Straßen.

Mehr Unabhängigkeit in Sachen Energie wagen

„Radeln wir uns frei von Abhängigkeiten, mit denen wir den Krieg mitfanzieren“, appellierte die Stadträtin Christine Schmidt (B90/Die Grünen) an die versammelten Teilnehmer der anschließenden Kundgebung auf dem Marktplatz. „Jeder, der mit dem Fahrrad fährt, gibt kein Geld für Öl aus und verringert darüber hinaus den eigenen CO2-Ausstoß. Radeln befreit uns auch davon, ständig einen Parkplatz suchen zu müssen und es macht frei von Lärm, wie wir alle gerade gemerkt haben, als einige Autos laut an uns vorbeigedröhnt sind.“

Radeln für Frieden und Klimaschutz in Lichtenfels
Ein Plädoyer für das Radeln und die Unabhängigkeit von Öl gab Stadträtin Christine Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen. Foto: Marion Nikol

Als Kommunalpolitikerin liege es ihr am Herzen, etwas vor Ort zu ändern. „Ich wünsche mir“, so Christine Schmidt, „dass genauso viel Geld, wie in Lichtenfels in die Parkhäuser gesteckt wird, auch für die Menschen ausgegeben wird, die nicht Auto fahren. Und dass bei jeder Umgestaltung von Straßen und Plätzen erst gefragt wird, wo da der Platz für Kinder, Fußgänger und Radfahrer ist, für Bäume und Schatten.“ Gleichzeitig verwies sie auf positive Entwicklungen: „Wir halten zusammen und bewegen etwas. Im Juni wird im Landkreis eine Klimamanagerin anfangen und alle Kommunen unterstützen unser Klimaschutzkonzept zu erneuern und umzusetzen – darauf freue ich mich sehr.“

Toleranz, Klimaschutz und Frieden sind miteinander verbunden

Was der globale Klimastreik mit dem Bündnis „Lichtenfels ist bunt“ zu tu hat, erläuterte die evangelische Pfarrerin Tanja Vincent aus Schney: „Unsere Themen sind Toleranz und Demokratie, ein gutes Miteinander von allen, egal wie sie aussehen oder wo sie herkommen. Was auf den ersten Blick vielleicht nicht offensichtlich ist, gehört dennoch zusammen: Wo das Klima besser wird, bleibt mehr Menschen ihr Lebensraum erhalten. Wo wir uns um unsere Umwelt kümmern, geben wir unseren Kindern und Enkeln eine Zukunft. Und wo wir selber etwas an unserem Verhalten ändern und das Klimas schonen, tragen wir zum Frieden auf der Welt bei.“

Radeln für Frieden und Klimaschutz in Lichtenfels
Pfarrerin Tanja Vincent vom Bündnis „Lichtenfels ist bunt“ sprach sich für Solidarität mit Flüchtlingen aus allen Kriegs... Foto: Marion Nikol

Angesichts des Krieges in der Ukraine verwies Tanja Vincent auf die große Solidarität in Europa, wo viele Menschen sowohl Hilfe als auch Wohnraum anbieten und sich zu Friedensgebeten versammeln. Gleichzeitig vernehme sie aber auch Stimmen, die sich beschweren und befürchten, zu kurz zu kommen. Doch gerade die Menschen in Deutschland seien aufgerufen, Menschen in Not, in Lebensgefahr bei sich aufzunehmen und zu helfen: „Wenn ein Land wie unseres sich das nicht leisten kann oder will, wer denn dann? Lasst uns für den Frieden vor Ort eintreten – und der beginnt in unserem Denken und Reden und Tun.“

Steffen Biskupsi: Aktive Beteiligung ist wichtig

Dass es nie einfacher war, sich als Bürger aktiv an der Entwicklung vor Ort zu beteiligen, betonte Steffen Biskupsi vom Team des Klimaentscheids Lichtenfels und machte auf die Leader-Initiative des Landkreises Lichtenfels aufmerksam: „Hier können wir alle über eine neue Online-Plattform ganz konkrete Vorschläge für Projekte auf einer digitalen Karte einbringen. Bislang sehe ich dort erst eine Hand voll Ideen – lasst uns dafür sorgen, dass es mehr werden.“

Auch Anton Reinhardt, Vorsitzender des Bund Naturschutz Lichtenfels, sprach sich für mehr Bürgerbeteiligung aus und rief dazu auf, mehr miteinander zu reden sowie achtsam miteinander umzugehen: „Mit Gier, Hass und Verblendung kommen wir nicht weiter. Jeder von uns hat in seinem Bereich eine gewisse Verantwortung zu tragen.“ Darüber hinaus verdeutlichte er, was die Erwärmung der Erde um 2 statt um 1,5 Grad für Folgen hätten: „Über eine Milliarde Menschen könnten zusätzlich extermen Hitzellen und Dürren ausgesetzt sein. Und schon ein geringer Anstieg des Meeresspiegels kann bei Wirbelstürmen zur Überflutung riesiger Gebiete führen. Die Zeit zu handeln ist jetzt!“

„Warum tut sich nichts beim Mobilitätskonzept?“
Diana Biskupski, Organisatorin der Fahrraddemo

Klare Worte an die Lokalpolitik fand abschließend die hauptverantwortliche Organisatorin der Fahrraddemo, Diana Biskupski: „Warum tut sich nichts beim Mobilitätskonzept? Warum reicht es nicht, wenn mehr als 1000 Bürgerinnen und Bürger für mehr Klimaschutz unterschreiben, wenn über 100 Menschen an einer Raddemo teilnehmen und wenn man jeden Tag beobachten und erleben kann, wie gefährlich Radfahren in Lichtenfels ist?“

Radeln für Frieden und Klimaschutz in Lichtenfels
Anton Reinhardt, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, mahnte mehr Achtsamkeit im Umgang mit der Natur und dem Erreich... Foto: Marion Nikol

Auch beim Thema Klimaneutralität befürchtete sie, dass dies nur ein Lippenbekenntnis der Stadt Lichtenfels sei und nicht über einen netten Absatz in der Neuauflage der Vision 2030 hinausgehe. Doch sie lasse sich gerne eines Besseren belehren. Schließlich habe man sich in Burgkunstadt ganz ohne Bürgerentscheid darauf geeinigt, einen Klimaaktionsplan zu erstellen und bis 2044 klimaneutral zu werden. Ein weiterer Hebel sei das aktuelle bayerische Volksbegehren ,Rechte der Natur‘, welches das Ziel habe, die Umwelt ähnlich wie andere juristische Personen zunächst in der bayerischen Verfassung und später im Grundgesetz aufzunehmen. „Zwar reicht dies alleine sicher nicht“, so die Klimaaktivistin abschließend, „doch es ist immerhin ein Puzzlestück für eine Veränderung“.

 

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