KULMBACH

Projekt in Kulmbach: Familien wieder stark machen

Sofia Öttl hofft auf Wintersemester mit Präsenzunterricht
Manchmal drohen Herausforderungen zu viel zu werden. Betroffene Familien brauchen Unterstützung. Foto: picture alliance/DPA

Die Ambulanten Hilfen der Geschwister-Gummi-Stiftung sind im wahrsten Sinn des Wortes multi-professionell angelegt. Viele helfende Hände, viel Begleitung und vor allem „viel Zukunft“ für Familien: Neben den pädagogisch qualifizierten Fachkräften unterstützen auch je eine Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin sowie eine Haushaltshilfe Familien in schwierigen Lebenslagen. Warum die Ambulanten Hilfen der Geschwister-Gummi-Stiftung ganzheitlich wirken, erklärt ein Pressetext der Stiftung.

Viele Teile ergeben ein Ganzes – und dann ist das Ganze auch mehr als die Summe seiner Teile, nämlich eine Hilfe fürs Leben. So unterschiedlich die Qualifikationen der 16 Fachkräfte der Ambulanten Hilfen der Geschwister-Gummi-Stiftung auch sind, so professionell und engagiert arbeiten sie zusammen. Ihr gemeinsames Ziel besteht darin, das Zusammenleben von Familien und die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen innerhalb des häuslichen Umfelds zu verbessern.

Präsenz in den Familien

Beziehungsaufbau und wirkungsvolle Arbeit in den Familien gelingen den Fachkräften durch regelmäßige Präsenz in den Familien und festgelegten Zeiten innerhalb des Hilfeplans, der im Auftrag des zuständigen Jugendamtes und mit genauer Zielsetzung durch die Hilfeplanung agiert das Team der Ambulanten Hilfen.

Denn: Nicht immer betreffen Probleme nur einen Lebensbereich, oft greifen sie ineinander. Das können psychische, materielle oder soziale Sorgen sein, die den Lebensalltag von Familien, in jedem Fall aber die Kinder stark beeinflussen. „Wenn die familiären Ressourcen nicht mehr ausreichen, um Probleme alleine zu bewältigen, dann haben wir spezifische Hilfsangebote“, weiß Andrea Krüger, Leiterin der Ambulanten Hilfen. Konkret können das unter anderem Existenzsorgen, Wohnungsnot, psychische Erkrankungen oder eine belastete Eltern-Kind-Bindung sein. Je nach Bedarf werden eine Sozialpädagogische Familienhilfe, Erziehungsbeistandschaft oder eine Fachkraft des Projekts „GeborGen - Hilfen für Schwangere und junge Eltern“ eingesetzt.

Die sozialpädagogische Fachkraft wie Sandra Klötzer, mit spezifischer Qualifikation, etwa der Ausbildung zur Kleinkindpädagogin, lernt alle Familienmitglieder kennen und baut deren Ressourcen aus. Als oberstes Ziel gilt: Familien wieder stark zu machen. Sandra Klötzer arbeitet sowohl mit den Kindern als auch mit den Eltern. In sozialpädagogischen Gesprächen begleitet sie diese etwa bei der Strukturierung des Alltags, bei psychischen Problemen oder bei der Etablierung von Regeln im Alltag. In einigen Fällen unterstützt Sandra Klötzer aber auch darin, die Eltern-Kind-Bindung zu stärken und die Signale von Säuglingen, die sich sprachlich noch niciht äußern können, besser zu verstehen.

Probleme, die ineinander greifen

Nicht immer betreffen Probleme jedoch nur einen Lebensbereich und sind im Zusammenwirken von genau einer Fachkraft und der Familie zu lösen: Manche Schwierigkeiten greifen ineinander und erfordern eine Zusammenarbeit wie sie etwa mit Tamara Hahn praktiziert wird.

„Denn meistens dauert der Prozess eine gewisse Zeit bis unsere Angebote nicht als Kontrolle, sondern als Hilfe wahrgenommen werden“,“
Andrea Krüger, Leitern der Ambulanten Hilfen

Die Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin unterstützt das Team der Ambulanten Hilfen seit 2014 und steht in regelmäßigem Austausch mit ihren Kolleginnen und Kollegen. Sie kann Familien bei der Versorgung von Säuglingen und Kleinkindern begleiten und Ratschläge zur Trinkmenge oder Beikosteinführung geben. „Wenn die Bindung zwischen Mutter und Kind an sich schon belastet ist, wirkt sich das zum Beispiel auch auf das Füttern aus. Wenn das Füttern schwierig ist, kann das wiederum Auswirkungen auf die Bindung haben“, erklärt Andrea Krüger den Teufelskreis. Daher geht es bei den Ambulanten Hilfen und deren Einsätzen stets um ganzheitliche Hilfe für die Familien.

Hilfe zur Verselbstständigung

Doch auch eine andere Fachkraft bereichert das Team: Mit Ramona Turbanisch als Hauswirtschaftskraft ist seit 2016 eine Verstärkung hinzugekommen, die Familien bei der Verselbstständigung in den eigenen vier Wänden hilft. „Manche Menschen würden zwar gerne, aber haben es schlichtweg nicht gelernt, wie man Ordnung und Sauberkeit herstellt“, so Andrea Krüger. Ramona Turbanisch leitet daher Familien beim Waschen, Putzen, Aufräumen und auch Kochen an – stets mit dem Ziel, dort bald nicht mehr gebraucht zu werden. „Bald“ und die gesamte Hilfsmaßnahme ist dabei vom Jugendamt meist auf einen Zeitraum von zwei Jahren angelegt. Im Einzelfall können die Angebote auch länger gewährt werden.

Oft beginnt Einsatz mit Ablehnung

„Das ist auch gut so, denn meistens dauert der Prozess eine gewisse Zeit bis unsere Angebote nicht als Kontrolle, sondern als Hilfe wahrgenommen werden“, erklärt die Leiterin. „Oft beginnt ein Einsatz mit Ablehnung, die man aushalten muss.“ Viel Fingerspitzengefühl, Empathie und Belastbarkeit sind daher unabdingbare Voraussetzungen für die Teammitglieder. Flexibilität und die Fähigkeit, sich nach Feierabend von der Arbeit distanzieren zu können, seien ebenfalls notwendig. Die Gespräche innerhalb des Teams sowie Supervision helfen dabei. Das ist auch ein Vorteil der Hilfen „aus einer Hand“: Der zeitliche Aufwand für den Austausch und Terminabsprachen sei geringer, die Bestimmungen zu Datenschutz und Schweigepflicht leichter zu erfüllen.

Lernen ist immer wertvoll

Viele im Team der Ambulanten Hilfen haben Sozialpädagogik oder Soziale Arbeit studiert, andere haben eine Ausbildung zur Staatlich Anerkannten Erzieherin oder zum Erzieher. Gemeinsam ist ihnen allen das Bestreben, weiter zu lernen und ihre Kenntnisse zum Wohl der Kinder und Familien stetig zu vertiefen oder zu spezifizieren. Dies gelingt durch Fort- und Weiterbildungen etwa für „Systemisches Elterncoaching“, „Kleinkindpädagogik“ oder zum „Safe Kurs“. Letztere Trainier vermitteln bei Bedarf Eltern die Sicherheit, wie sie die emotionalen Bedürfnisse ihres Kindes leichter wahrnehmen können.

Auf unterschiedliche Herausforderungen eingehen

Mit der Multiprofessionalität innerhalb des Teams der Ambulanten Dienste kann so auf verschiedene Familienstrukturen mit unterschiedlichen Herausforderungen bestmöglich eingegangen werden, stets mit dem gemeinsamen Ziel: Familien wieder stark zu machen! (red)

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