BAMBERG

Portrait: Über das Wirken von Erzbischof Ludwig Schick

Anstehende Weichenstellungen und Reformen haben Ludwig Schick dazu bewogen, als Erzbischof zurückzutreten. Foto: Marion Krüger-Hundrup

Bamberg Einen Tag nach der überraschenden Nachricht, dass Papst Franziskus sein Rücktrittsgesuch als Erzbischof angenommen hat, wirkte Ludwig Schick ernst, ja angeschlagen. Gewohnt gesammelt feierte er zwar am 2. November früh im Dom den Gottesdienst zu Allerseelen. Doch ganz symbolträchtig für seinen Amtsverzicht vor der bischöflichen Altersbeschränkung trug der nunmehrige Emeritus nicht mehr das sonst übliche äußere Zeichen der erzbischöflichen Würde: Das Pallium, die schmale weiße Wollstola mit sechs schwarzen Seidenkreuzen über dem Messgewand, fehlte.

Das Pallium wird auch als Joch interpretiert, das der Gute Hirte zu tragen hat. Die Amtszeit von Ludwig Schick ist seit Allerheiligen (1. November) offiziell und völlig freiwillig beendet: Er darf diese Wollstola – einst von Papst Johannes Paul II. verliehen – nicht mehr tragen. Dieses Joch schien jedoch noch auf seinen Schultern zu lasten.

Zu frisch ist der Rücktritt. Zu schwer die Kreuze, die es in der 20-jährigen Dienstzeit als Erzbischof von Bamberg und Metropolit der Diözesen Eichstätt, Speyer und Würzburg zu tragen galt. Er blicke auf Jahrzehnte zurück, in denen vieles gelungen sei, in denen es aber auch „Rückschläge, Leid und Kreuze“ gegeben habe, sagte Schick einmal. Er sei jedoch immer „Veronikas mit dem Schweißtuch und Simons von Cyrene“ begegnet, die mitgegangen seien, so der bisherige Erzbischof, der Jesus Christus als den nannte, „der zu meinem Leben gehört“.

Volksnah und international respektiert

Der vor 73 Jahren in Marburg geborene Schick gilt als ein volksnaher und zugleich international respektierter Kirchenmann. Vor seiner Ernennung zum Erzbischof von Bamberg war er Weihbischof in Fulda und Lehrstuhlinhaber für Kirchenrecht an der Theologischen Fakultät Fulda.

Seine kirchenrechtliche Expertise wurde auch im Vatikan geschätzt: An der letzten Reform der Strafnormen im Kirchenrecht auf Weltkirchen-Ebene war er maßgeblich beteiligt.

Wie Schick überhaupt als langjähriger Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, quasi als „Außenminister“ in der Welt herum kam. Er scheute sich nicht vor Solidaritätsreisen in Krisenländer wie Irak, Syrien, Nigeria und trat vernehmbar in Deutschland für die Menschenrechte des globalen Südens und der verfolgten Christen, für die Bewahrung der Schöpfung in den Klimakatstrophen oder die Not der Flüchtlinge ein. In seiner Ära wurde die Partnerschaft mit dem Bistum Thiès im westafrikanischen Senegal aufgebaut. Ludwig Schick ist ein wahres Kommunikationstalent, der mit Menschen jeglicher Couleur schnell ins Gespräch kommt oder sich in gesellschaftliche Debatten einbringt, auch wenn er dafür angefeindet wird.

Als erster Ortsbischof fing er an zu twittern. Auch andere Social-Media-Kanäle bespielt er selbst. Inwieweit ihn persönliche Angriffe und hasserfüllte Reaktionen im Netz und auf der realen Lebensbühne verletzen, lässt sich Schick nicht anmerken. Eiserne Disziplin beherrscht den im Lebensstil bescheidenen Mann, der sich sportlich fit und beim Essen Maß hält.

„Missbrauch ist

Mord an Kinderseelen.“

Ludwig Schick, scheidender Erzbischof

Amtsmüde wirkte der Erzbischof demnach zuletzt nicht. Stattdessen machte er mit Reformvorschlägen von sich reden: völlige Gleichberechtigung der Frau in der katholischen Kirche bis hin zur Priesterweihe, keine Verpflichtung zur Ehelosigkeit für Priester oder eine Beschränkung der Amtszeit für Bischöfe.

Die Gläubigen sollten sich aktiv an den Reformen der Kirche beteiligen, lautete ein Wunsch Schicks. Ein weiterer: „Die Weltgesellschaft möge vom Geist des Evangeliums geleitet und die Zivilisation der Liebe überall verbreitet werden.“ Die Liste seiner erfüllten Hausaufgaben im Erzbistum ist lang. Sie reicht von der Konsolidierung des Bistumshaushalts über viele Sanierungsprojekte von Kirchen, Schulen und anderen Gebäuden bis hin zur Gründung neuer Seelsorgebereiche.

Bei allem was Schick tat – oder unterließ – machte er sich nicht nur Freunde, so beliebt wie er bei den „einfachen“ Gläubigen auch war und ist. Gerade in der diözesanen Priesterschaft gibt es kritische Stimmen, die ihm einsame Personalentscheidungen und Vorgehensweisen vorwerfen.

Er selbst räumte Kommunikationsfehler der Bistumsleitung in den vergangenen Jahrzehnten ein, besonders in der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen, die ihn persönlich tief erschüttern: „Missbrauch ist Mord an Kinderseelen“, erklärte er wiederholt.

Seinen Ruhestand wird der Emeritus Schick am Bamberger Domberg verbringen. Tatenlos zur Ruhe setzen will er sich nicht: Seine für die nächsten Monate zugesagten Aufgaben werde er gern erfüllen, sofern es gewünscht sei. Dann möchte Schick noch ein Buch schreiben. Weiter twittern – und frühmorgens durch Bamberg joggen.

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