LICHTENFELS

Planfeststellung zur Ortsumgehung in Mainroth

Auf einer Länge von 4,7 Kilometern soll die Bundesstraße 289 verlegt werden, um Mainroth, Rothwind und Fassoldshof vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Für Mainroth fordert der Stadtrat Nachbesserungen beim Lärmschutz und zur Anbindung der landwirtschaftlichen Flächen. Foto: Grafik: Staatliches Bauamt Bayreuth

Die Stellungnahme des Landkreises zur Planfeststellung für den Bau der Ortsumgehung „Mainroth-Rothwind-Fassoldshof“ im Zuge der B 289 stand im Kreisausschuss am Montag zur Diskussion. Neben der erwartungsgemäßen Kritik aus Gründen des Natur- und Umweltschutzes der Grünen – vorgetragen durch Fraktionsvorsitzende Dr. Susann Freiburg – machte Georg Deuerling von den Freien Wählern vor allem auf die seiner Meinung nach vorhandenen Defizite des Projekts in Sachen Lärmschutz aufmerksam. Burgkunstadts Bürgermeisterin Christine Frieß (CSU) sprach sich hingegen klar für das Vorhaben aus, welches die Lebensqualität der Bürger und deren Lärmbelastung massiv reduzieren werde. Sie wünsche sich, dass es weniger Kritiker geben würde.

Zuvor hatte der Leiter des Kreisbauhofs, Heiko Tremel, das Vorhaben im Detail vorgestellt (s. Infobox) und mitgeteilt, dass sowohl aus Sicht des ÖPNV sowie seitens der Wirtschaftsförderung und der Kämmerei keine Einwände gegen die Ortsumgehung sprechen. Wichtig sei es jedoch, dass nach Fertigstellung der Umgehung Teile der B 289 zur Kreis- beziehungsweise Gemeindestraße umgestuft werden.

Lärmschutzwerte gerade so eingehalten

Deuerling kritisierte daraufhin, dass die Lärmschutzwerte bei dem Projekt gerade so eingehalten würden. Es sei zudem unverständlich, dass etwa bei den Vorgaben für Wohngebiete sämtliche Lärmquellen der Umgebung in die Berechnung mit einfließen müssten, hier aber der Lärm durch die Bahntrasse völlig außen vor gelassen werde könne. Heiko Tremel versprach, sich diesbezüglich noch einmal genau beim Staatlichen Bauamt kundig zu machen.

Dann muss Burgkunstadt zahlen

Deuerling machte weiter darauf aufmerksam, dass die Wohnbebauung teilweise bis zu sechs Meter über der Trasse liege, der Lärm würde sich somit über den Lärmschutz bis weit nach Mainroth hinein „verteilen“. Er fordere deshalb, dies genauer zu untersuchen.

Weiterhin kritisierte er, dass die Stadt Burgkunstadt, falls im Zuge einer Ortsabrundung ein neues Baugebiet ausgewiesen werden sollte, für den dortigen Lärmschutz zuständig sei: „Verursacher ist aber das staatliche Bauamt.“ Abschließend schlug er vor, die Bahntrasse um 20 Meter zu verlegen, dies würde den baulichen Aufwand erheblich reduzieren.

Diesbezüglich verwies der Landrat auf die bekanntermaßen generell sehr schwierige Kommunikation mit der Bahn und darauf, dass dafür die komplette Planung neu begonnen werden müsste. Auch in Anbetracht der Tatsache, dass über die Ortsumgehung bereits seit den 1950er-Jahren diskutiert werde, sei dies keine gute Option.

Nach dem Stand der aktuellen Vorschriften

Zum Thema Lärmschutz wies Landrat Christian Meißner darauf hin, dass die Berechnungen stets nach dem aktuellen Stand der gültigen Vorschriften gemacht werden müssten. „Bis heute wird zum Beispiel nicht daran gedacht, dass mit steigender Zahl von Elektroautos auch der Lärm wesentlich geringer sein wird“, verdeutlichte er. Er räumte ein, dass es bei derartigen Vorhaben seiner Erfahrung nach nie möglich sei, allen Interessen gerecht zu werden.

Mehr öffentlicher Nahverkehr statt neuer Straßen

Grundsätzliche Kritik zum Bau neuer Straßen äußerte Susann Freiburg von den Grünen. So würden die damit verbundenen Folgen für den Klimawandel und damit letztlich für jeden Bürger in keiner Weise berücksichtigt. Sie verwies außerdem auf den Flächenverbrauch, auch für die Landwirtschaft, den sie mit 19 Hektar für das gesamte Vorhaben bezifferte. Davon würden 7,6 Hektar versiegelt.

„Wir verbauen die

Zukunft unserer Kinder.“

Dr. Susann Freiburg, Fraktionsvorsitzende der Grünen

„Wir verbauen die Zukunft unserer Kinder“, stellte sie fest, und verwies auch auf die beiden anderen, aktuellen großen Straßenbauprojekte im Landkreis im Kehlbachgrund und bei Modschiedel. Anstatt neue Straßen zu bauen, sei eine generelle Verkehrswende hin zu mehr öffentlichem Nahverkehr nötig. Dem Landkreis attestierte sie, hierbei auf einem gutem Weg zu sein, dieser müsse aber noch forciert werden.

Sie monierte außerdem, dass für das Bauprojekt in dem Hochwassergebiet sechs Meter hohe Dämme errichtet werden müssten, welche den wichtigen Luftaustausch zur Talaue blockieren würden. Dort seien die Durchschnittstemperaturen im Vergleich zum restlichen Landkreis bereits jetzt erhöht. „Es stellt sich die Frage, ob die Bauern dann dort überhaupt noch ihren Spargel anbauen werden können.“

Im Zusammenhang mit den vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen forderte sie, dass diese künftig nicht nur umgesetzt, sondern auch deren Erfolg nachgewiesen werden müsse. Im speziellen Fall betreffe dies etwa die Umsiedlung von Zauneidechsen sowie bei der Schaffung von Ausgleichs-Lebensräumen für die Feldlerche. Die genaue Gestaltung letzterer soll laut Meißner nun auch noch einmal genauer überprüft werden.

Landrat Meißner betonte zusammenfassend, dass sich ein Großteil der Bürger seit vielen Jahrzehnten für eine Ortsumgehung stark mache und deren Wunsch berechtigt sei. Er stimmte Freiburg aber zu, dass der Erfolg von Ausgleichsmaßnahmen besser hinterfragt werden solle und er sich dafür auch weiterhin einsetzen werde. Letztlich stimmten bis auf Freiburg und Deuerling alle Mitglieder des Kreisausschusses der Planfeststellung der Ortsumgehung zu.

Kein Atommüllendlager im Landkreis

Auch der Landkreis Lichtenfels bietet laut Erkenntnissen der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager. Nach Rücksprache mit den Mitgliedern des Kreisausschusses wird sich der Landrat dafür einsetzen, dass dies nicht der Fall sein wird.

Er informierte auch, dass die Regierung den Landkreis angesichts der Entwicklung der Finanzen eindringlich darauf hingewiesen hat, dass die freiwilligen Leistungen des Landkreises kritisch geprüft und reduziert werden sollen.

Die Ortsumgehung für Mainroth

Die Ortsumgehung der Bundesstraße 289 für Mainroth sowie Fassoldshof und Rothwind im Nachbarlandkreis Kulmbach wird seit Jahrzehnten von vielen Anwohnern gewünscht.

Sie ist nun im aktuellen Bundesverkehrswegeplan 2030 als vordringlicher Bedarf eingestuft, genießt also Priorität. Mit einem Baubeginn ist wohl frühestens 2023 zu rechnen. Die Kosten wurden im vergangenen Jahr auf rund 22,3 Millionen Euro taxiert, dürften sich aber nicht zuletzt aufgrund der zeitlichen Verzögerung des Baus wohl auf die 30-Millionen-Marke zubewegen.

Die Straße wird fünf Kilometer lang, die Fahrbahn acht Meter breit. Sie biegt von Burgkunstadt kommend kurz hinter Mainklein in einem leicht nördlichen Bogen von der bisherigen B 289 ab. Dann schwenkt sie nach Süden und quert auf einer etwa 5,7 Meter hohen Brücke die Bahnlinie Burgkunstadt-Kulmbach. Im weiteren Verlauf führt die neue Straße so eng wie möglich an der Eisenbahnlinie entlang, um dann kurz vor Mainleus wieder in die bestehende B 289 zu münden. Laut der Planer würden durch den Bau 90 Prozent des Schwerverkehrs aus den Dörfern verlagert, des Weiteren reduziere sich die Zahl der Gefahrenstellen der Straße von 18 auf zwei. Die drei zu bauenden Brücken seien hoch berechnet, so dass die darunter liegende Bahnlinie elektrifiziert werden könne.

Im Kreisausschuss kurz notiert

• Folgende Feuerwehren erhalten Zuschüsse durch den Landkreis. Zum Hintergrund erläuterte Landrat Meißner, dass im Zuge des Personalmangels bei den Wehren etliche zusammengelegt werden müssen. Diese habe aber auch zur Folge, das beispielsweise größere Fahrzeuge angeschafft werden müssen.

Im Einzelnen erhalten die Stadt Bad Staffelstein einen Zuschuss für das Gerätehaus der Feuerwehr Wolfsdorf in Höhe von 5000 Euro, die Wehren der Marktgemeinde Ebensfeld in Kleukheim und Birkach jeweils 10 000 Euro für ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug, die Burgkunstadter Wehr 5000 Euro für ein neues Löschgruppenfahrzeug, die zur Gemeinde Redwitz gehörende Obristfelder Wehr 10 000 Euro für ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug.

• Vier Bauherrn im Landkreis dürfen sich über eine Förderung für denkmalpflegerische Maßnahmen freuen. Die Gesamtsumme beträgt 6400 Euro.

• Die Bundesstraße bei Theisau ist aufgrund von Böschungsrutschungen bis voraussichtlich kurz vor Weihnachten komplett gesperrt (das OT berichtete). Landrat Meißner erläuterte, dass selbstverständlich überlegt worden sei, die Arbeiten bei einer halbseitigen Straßensperrung vorzunehmen. Diese hätten dann aber wohl ein halbes Jahr gedauert. Daher habe man sich für die kürzere Vollsperrung der Straße entschieden.

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