HAIN

Pflanz-Scouts helfen beim Waldschutz am Rainberg in Hain

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Förster Wilfried Pförtsch (Mitte) erläuterte den „Pflanz-Scouts“ im Wald bei Hain wie eine kleine Buche gepflanzt wird. Foto: Heike Schülein

Es hat geschneit. Ungeachtet des ungemütlichen Wetters machen sich an diesem nasskalten Samstagnachmittag drei warm eingepackte Männer und drei Frauen auf, dem Wald bei Hain im Markt Küps etwas Gutes zu tun. Nachdem ihnen Förster Wilfried Pförtsch bereits am Vortag fachliche Informationen zu den Auswirkungen des Klimawandels an die Hand gegeben hatte, ging es für sie nun in die Praxis. Bestens ausgerüstet mit wetterfester Kleidung, Gummistiefeln, Arbeitshandschuhen sowie Spaten und Schaufeln steht für sie nun das Anpflanzen von rund 150 Buchen-Wildlingen auf dem Programm.

„Das ist das beste Pflanzwetter. Die Pflanzen haben es gut feucht und können nicht austrocknen“, schmunzelt Wilfried Pförtsch, während er in die doch etwas skeptischen Gesichter der Teilnehmenden sieht. Am Reinberg hatten sich hierzu der Leiter des Sachausschusses „Land und Umwelt“ des Diözesanrates am Erzbistum Bamberg, Burkhard Fath, und dessen Ehefrau, Religionslehrerin Veronika Fath aus Redwitz ebenso eingefunden wie Mario Thomas – ein Freund der Familie, der sich sehr für den Themenkomplex Holz und Wald interessiert. Komplettiert wird die Runde von den seit Jahrzehnten in der Kirche aktiven Eheleuten Fritz und Heidi Stehl aus Maineck sowie von Pastoralreferentin Birgit Janson aus Marktgraitz.

„Wir brauchen eine Wiederbepflanzung mit klimatoleranten Baumarten.“
Wilfried Pförtsch, Förster

„Gebt Euch Mühe und lasst Euch Zeit. Buchen können 150 Jahre und älter werden. Das sollten einem die fünf Minuten Arbeit schon wert sein“, appelliert der Förster der Bayerischen Staatsforstverwaltung, der auch stark im Ehrenamt unterwegs ist. Hierzu zählt auch sein Engagement im Sachausschuss „Land und Umwelt“, gemeinsam mit dem Verein WaldWerkstatt und der Transition Kulmbach Initiator des – in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Lichtenfels erfolgenden -–Umweltprojekts.

Buchen sind Flachwurzler. Die wurzelnackten Pflanzen werden daher so eingepflanzt, dass der Baum nicht zu tief steht: Die Pflanze senkrecht, mit natürlicher Wurzellagerung zunächst tief einsenken, dann beim Schließen des Pflanzloches zu endgültiger Pflanzhöhe leicht hochziehen, damit alle Wurzeln nach unten zeigen. Das Wurzelwerk wird mit lockerer Erde „umbröselt.“ Nicht direkt am Stamm und nicht zu stark festtreten und immer auf ausreichenden, aber nicht zu großen Abstand achten.

„Je mehr Pflanzen auf der Fläche stehen, desto besser“, verdeutlicht der zertifizierte Waldpädagoge, der auf die immense Bedeutung unserer Wälder verweist. Neben den Zielen der Grundeigentümer, ziehe die Gesellschaft aus ihnen eine Vielfalt an Nutzen. Außer Frage stehe die Bedeutung für das regionale Klima, für den Wasserhaushalt und die -versorgung, das Landschaftsbild, den Naturraum für die Wildtiere und nicht zuletzt die vielfältige Nutzung für alle als offenstehender Erholungsort.

Die bisherige Balance der Waldelemente geht verloren

Sofia Öttl hofft auf Wintersemester mit Präsenzunterricht
Die Pflanz-Scouts mit dem Spaten bei der Arbeit. Foto: Heike Schülein

„Der Klimawandel – besser Klimakrise – zeigt, dass der Wald erhöhter Aufmerksamkeit bedarf; er ist in Gefahr. Seit spätestens drei Jahren ist auch hier sichtbar, mit welcher Wucht der Klimawandel auf die Wälder einwirkt“, beklagt er. Borkenkäfer, Trockenschäden, verstärkter Pilzbefall, wachsende Gefahr für Waldbrände, Wassermangel in der Landschaft, schwer zu bewaldende Sonnenhanglagen zeigten durch licht werdende Waldgebiete, dass die bisherige Balance der Waldelemente verloren gehe.

Die gegenwärtige Wettersituation sei ein Trost; jedoch sei die Klimakrise mit dem aktuellen Wetter keinesfalls zu Ende. Die meist plötzliche – gleichzeitige und flächenhafte – Dürre, die am Beispiel des Borkenkäfers innerhalb von zwei Wochen waldverändernd wirke, führe zur Überforderung der Waldbesitzer. Um weitere Schäden am Wald und dem verwertbaren Holz zu verhindern, gelte es rasch zu reagieren. Der Borkenkäfer sei nur eine zunehmende Schadquelle, wenn auch nur Ausdruck des allgemeinen Wassermangels.

„Wir brauchen eine Wiederbepflanzung mit „klimatoleranten“ Baumarten“, mahnt der Thurnauer. Es sei nicht garantiert, dass dies bei weiterer Trockenheit gelinge und Jungpflanzen bei der nächsten Dürre nicht erneut ausfielen. Nötigenfalls müssten diese wiederholt gepflanzt werden. Es lasse sich mancherorts absehen, dass Waldbesitzer den Anforderungen nicht mehr gerecht werden könnten. Hätten diese keine Nutzungsaussicht an ihrem Wald, verlören sie einen wichtigen Teil ihrer Motivation. „Damit drohen die Leistungen des Waldes, die gleichzeitig die Anforderungen der Gesellschaft stillen, verloren zu gehen“, verdeutlicht der Förster.

Noch immer gebe es Menschen, die die Lage verkennen. Hier setzt der Sachausschuss „Land & Umwelt“ für die am schwersten betroffenen Waldgebiete im Einzugsgebiet der Erzdiözese Bamberg an. Im Kontext der „Bewahrung der Schöpfung“ sieht sich dieser durch die Klimakrise herausgefordert, einen – wenn auch nur ansatzweisen – Beitrag zur Bewältigung zu leisten. Die mehrstufige Kampagne „Von Grund auf … gemeinsam in den Wald der Zukunft“ versucht, eine Brücke zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zu schlagen, um Kenntnis voneinander zu bekommen. Dabei werden die Hintergründe der Klimakrise breiter kommuniziert, die Auswirkungen im Wald erfahrbar gemacht und die betroffenen Waldbesitzer unterstützt. Die Absicht: Willige stehen den Bedürftigen in der Not bei; alle lernen voneinander. Dies bietet Grundlage für eine gemeinsame Motivation um den Erhalt der Wälder.

Pflanz-Scouts gehen in Schulen, zu Vereinen und Waldbesitzern

Wichtiger Bestandteil hierbei ist auch die zweitägige Ausbildung in lokalen Volkshochschulen zu Pflanz-Scouts. Nach dem Theorietag am Freitag, werden dabei am Samstag dem Ort gemäße Bäume, die der erwarteten Zukunft gerecht werden, gepflanzt. Fachlich begleitet wird das Baumpflanzen geübt. Mit diesem Know-how sollen die so ausgebildeten Pflanz-Scouts auf Anfrage aus Schulen oder anderer Gruppen wie zum Beispiel Firmlinge, Konfirmanden, Gartenbauvereine, denen dieses Thema am Herzen liegt, reagieren und auch Waldbesitzer beraten können.

„Mit dem Klimawandel finden wir uns in einer gesamtgesellschaftlichen Herausforderung“, verinnerlicht Wilfrid Pförtsch. Diese könne nur gemeinsam gelöst werden. hs

Weitere Infos und Termine finden sich im Internet unter www.waldwerkstatt.eu.

 

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