LICHTENFELS

Peter Hagemann: „Der Klimawandel geht uns alle an“

Der Folgen des Klimawandels sind ein Hauptthema für Förster Peter Hagemann. Er findet klare und warnende Worte. Foto: AnnE-Nikolin Hagemann

Der Forstbetrieb Rothenkirchen erstreckt sich von der Rennsteigregion an der Thüringer Grenze bis zum Gottesgarten bei Vierzehnheiligen und Kloster Banz im Süden. Ein große Region für die Forstbetriebsleiter Peter Hagemann zuständig ist. Seine ganz persönliche Sicht auf den Klimawandel und seine Folgen für den Wald der kommenden Generationen schildert er OTverbindet.

„Der Klimawandel geht uns alle an. Auch die, die ihn ignorieren oder leugnen: Die Folgen werden uns alle einholen. Als Forstmann bin ich zuständig für den Staatswald vom Obermain bis rauf in den Frankenwald. Und ich arbeite jeden Tag mit den Auswirkungen der Klimaerwärmung. Vor allem mit den negativen: Nach drei Hitzesommern in Folge gibt es bei uns praktisch keinen Wald mehr, der nicht leidet. Jede Baumart ist betroffen. Am schnellsten und sichtbarsten sterben die Fichten. Hier leisten die Borkenkäfer ganze Arbeit. Förster und Waldbesitzer halten nach Kräften dagegen, aber schon beginnt sich unsere Landschaft zu verändern. Am Obermain mit deutlich sichtbaren Lücken im Wald, im Frankenwald mit nackten Hängen und Kuppen. Andere Baumarten sterben weniger spektakulär und meist zeitversetzt. Kiefern an Nadelpilzen, Eichen an Holzkäfern, Buchen an Wurzelschäden.

Die Widerstandskräfte des Waldes sind aufgebraucht

Die Widerstandskräfte des Waldes sind durch den dauernden Trockenstress aufgebraucht, Schädlinge haben leichtes Spiel. Wir Forstleute fühlen uns der Nachhaltigkeit verpflichtet. Wir widersprechen auch nicht, wenn Historiker behaupten, dass wir vor über 300 Jahren in Zeiten von Holznot und Raubbau am Wald die Nachhaltigkeit sogar erfunden haben.

Unser Manifest: Nie mehr Holz ernten als gleichzeitig wieder nachwächst. Nie den gesunden Lebensraum für Mensch und Tier gefährden. Nie die Eignung eines Waldes für Artenvielfalt und den Schutz für Boden und Trinkwasser verringern. Also immer den Wald mindestens genauso gut, besser noch reichhaltiger, an die nächste Generation weitergeben.

Förster Hagemann mit einem Setzling. Foto: Anne-Nikolin Hagemann

Und für die wird der Wald überlebenswichtig sein: Holz bindet klimaschädlichen Kohlenstoff aus der Luft. Aber nur ein gesunder Wald mit großem Holzvorrat kann auch große Mengen Kohlenstoff der Luft entziehen, nur nachhaltig produziertes und dann verbautes oder verarbeitetes Holz kann Kohlenstoff dauerhaft speichern. Brennholzlager und Urwälder können das nur vorübergehend, beim Verbrennen und Verrotten von Holz entstehen unweigerlich wieder neue Treibhausgase. Wir Forstleute arbeiten immer gleichzeitig mit der Vergangenheit und der Zukunft. Die Wälder, deren Bäume wir heute schätzen und bewundern und deren Holz uns heute als Dachstuhl oder Tisch den klimaschädlichen Kohlenstoff bindet, sind Kinder einer viel früheren Zeit.

Wir machen unseren Vorgängern keine Vorwürfe wegen der vielen Fichten, die uns aktuell Probleme bereiten. Zwischen und nach den Weltkriegen mussten Förster und Waldbesitzer mit schnell wachsendem Nadelholz ihren Beitrag zur Beseitigung von Kriegsfolgen und für de Wirtschaftsaufschwung leisten und waren damit erfolgreich.

Von einer Klimaerwärmung konnten sie nichts wissen. Hier und heute wissen wir mehr. Und daraus wächst unsere persönliche Verantwortung.

„Schon beginnt sich unsere Landschaft zu verändern. Am Obermain mit deutlich sichtbaren Lücken im Wald, im Frankenwald mit nackten Hängen und Kuppen.“
Peter Hagemann, Förster

Hier bei uns im nördlichen Franken werden wir in spätestens 80 Jahren Klimaverhältnisse haben wie im heutigen nördlichen Frankreich.

Deshalb schaffen die Bayerischen Staatsforsten einen Zukunftswald, der immer aus mindestens vier verschiedenen klimastabilen Baumarten besteht. Zusätzlich pflanzen wir auch noch besonders wärmeliebende Baumarten wir Elsbeeren, Schwarznüsse oder Esskastanien – für den Fall, dass das Klima sich noch drastischer erhitzt. Wenn

Die Rinde einer abgestorbenen Fichte, die vom Borkenkäfer befallen wurde. Foto: Anne-Nikolin Hagemann

aber der Klimawandel weiter in dem aktuellen Tempo voranschreitet, wird es in 80 Jahren bei uns gar keinen Wald mehr geben.

In jedem Fall kann die ständige Anpassung der Baumarten an immer noch weiter steigende Temperaturen auf Dauer nicht die Lösung sein. Diesen Wettlauf werden wir verlieren. Die junge Generation hat deshalb alles Recht der Welt, lautstark von Politik und Gesellschaft einen umgehenden Stopp der weiteren Erderwärmung zu fordern.

Jeder muss seinen Teil beitragen

Wir alle müssen unseren Teil dazu beitragen. Wir Försterinnen und Förster sagen Euch zu, schon heute den dazu passenden klimastabilen und in jeder Hinsicht leistungsfähigen Wald für Euch und für Eure Kinder und Enkel aufzubauen. Wir stehen zu unserem Manifest.

 

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