LICHTENFELS

Paunchy Cats Lichtenfels: Damit es nach Corona wieder rockt

Paunchy Cats-Chef Sebastian Alsdorf weiß, wie man das Publikum rockt. Wenn da nicht Corona wäre. Foto: Till Mayer

Das „Paunchy Cats“ hat sich als Szene-Location einen Namen gemacht. Auch international bekannte Musiker und Bands gab es hier zu hören. Sie liebten die Atmosphäre des kleinen Clubs. Dann kam Corona. Eigentümer Sebastian Alsdorf hat eine harte Zeit. Aber er weiß, dass es sich lohnt, durchzuhalten.

„Das Jahr 2019 verlief für das Paunchy Cats perfekt. Gut besuchte Events mit vielen internationalen Gästen. Unser Live-Programm konnten wir schon bis Mitte 2020 planen und viele große Acts für Lichtenfels ergattern. Neben einer weltweit exklusiven Show von ,Babylon Bombs' für unser 16-jähriges Jubiläum, hatten wir auch namenhafte Bands wie ,Misfits`s' ,Michale Graves', ,Horisont', ,Night Demon' oder ,Acid?s Trip' auf dem Programm stehen. Die Flüge für Bands finanzierten wir vor. Und unser Progamm rundete sich, mit allen anderen Highlights (Musiknacht, Ragnarök…) perfekt ab. Wir waren uns sicher, 2020 wird ein erfolgreiches Jahr.

Kurz gesagt: Es lief ganz hervorragend

Im persönlichen Bereich konnte es nicht besser laufen. Nachdem Julie ihren Master abgeschlossen hatte, promoviert Sie jetzt an der Uni Bamberg in Kunstgeschichte. Für uns war schon länger klar, in der Doktorarbeit-Phase würde sich Nachwuchs in unsere Lebensplanung perfekt integrieren. So kam es auch und sie wurde im Februar schwanger. Alles lief nach Fahrplan.

1. März: Die Diskussionen um Covid 19 nahmen ihren Lauf, und ich fing langsam an, über verschieden Maßnahmen nachzudenken. Unsere Gäste, Team und Familie sollten in keiner Weise gefährdet werden. Unser Türsteher bekam ein Desinfektionsmittel, Leute mit Krankheitssymptomen wurden gebeten unseren Laden zu meiden. Unser Team erhielt Desinfektionsmittel… Wir bereiteten uns auf eine besucherarme Zeit vor.

Der letzte „offene Tag“ vor dem Lockdown

14. März: Wir hatten unseren letzten Tag geöffnet. Die Corona Krise nahm ihren Lauf, und wir wurden mitgerissen. Die Schließung des ,Paunchy Cats' kam uns vorerst recht surreal vor, eher wie der Anfang eines Romero Films. Der Lockdown stand bevor und fast jeder war betroffen. Ein paar Wochen oder einen Monat werden wir schon über die Runden kommen - dachten wir uns. Als der März sich dem Ende zu neigte, fing ich langsam an, über eine Verlegung der Konzerte im Mai nachzudenken. Unsere Konzerte sind von langer Hand geplant und haben einen hohen logistischen Aufwand (Flüge, Hotels, Mietwagen, Catering…).

Ende April standen diverse Lockerungen an. Wir haben Alles durchdacht und sind zu dem Entschluss gekommen, eine Öffnung kommt für uns nicht in Frage. Das Risiko für unsere Gäste, Team und Familie ist zu hoch und die Einnahmen einer Teilöffnung würden nicht ausreichen um die Betriebskosten (+X Corona Kosten) zu decken. Hier würden wir ein größeres Minus einfahren als mit der aktuellen Schließung.

Alle Shows für 2020 wurden verschoben. Die Flüge hängen in der Luft und eine Auskunft, wann wir das Geld erstattet bekommen gibt es nicht. Wir warten. Unser Einkommen ist von heute auf morgen, auf Null Euro gefallen. Die laufenden Kosten konnten etwas minimiert werden, sind aber dennoch extrem hoch und auch mit der Soforthilfe der bayrischen Regierung von 5000 Euro und der staatlichen Aufstockung von 4000 Euro nicht zu decken.

„ Die Corona Krise nahm ihren Lauf, und wir wurden mitgerissen.“
Sebastian Alsdorf, Paunchy Cats-Chef

Eine Notlösung musste her. Unsere Fanbase ist extrem groß und mit dem Paunchy Cats sehr verwachsen. Wir haben einen weltweiten Bekanntheitsstatus erreicht. Viele Fans kommen aus ganz Europa und teilweise sogar aus den USA, Russland oder Japan zu unseren Konzerten. Wir starteten eine Merchandise und Spendenaktion. Unsere Stammgäste, sowie Leute aus der ganzen Welt haben uns unterstützt und unsere T-Shirts, Anstecker, Gutscheine gekauft oder Geld gespendet.

Durch diesen Rückhalt schaffen wir es, uns über Wasser zu halten und das Ziel eines großen ,Comebacks' nicht aus den Augen zu verlieren.

1. Juni: Von staatlicher Seite holpert es so vor sich hin. Es sollte ein Förderprogramm geben, welches zu diesem Zeitpunkt leider nicht verfügbar ist. Wir nutzen die Zeit und konzentrieren uns auf das Wesentliche, genießen die Schwangerschaft und treffen Freunde und Familie. Viel lässt sich aktuell nicht ändern, wir müssen abwarten.

Überbrückungshilfe nicht verfügbar

1. Juli: Durch verschiedene Hindernisse ist die neue Überbrückungshilfe nicht verfügbar. Nach einem Facebook-Post von mir, bei dem ich eigentlich schon den Glauben an eine bürgernahe Politik verloren hatte, meldete sich dann die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner bei mir. Das war der erste Kontakt der Politik mit uns. Wir hatten ein positives Gespräch, um Maßnahmen zu besprechen, Projekte zu verbessern und die Politik näher an die Realität zu bringen.

Bei dem Gespräch fühlte ich, dass sich doch jemand in der Regierung um die ,vergessene Kultur Szene' kümmert. Hierüber bin ich sehr froh und habe auch das Gefühl, dass sich hier bald Einiges ändern wird.

8. Juli: Heute hat sich Star FM Radio aus Nürnberg bei uns gemeldet und mit mir ein Radio Interview über die aktuelle Lage gemacht. Man merkt, dass sich die Menschen für uns und unsere Lage interessieren, das gibt neuen Mut.

Treue Fans kaufen in Zeiten der Pandemie T-Shirts. Die Unterstützung macht Sebastian Alsdorf Mut. Foto: Till Mayer
Blick in das Ungewisse: Für Veranstalter-, Club- und Musikerszene ist die Pandemie eine oftmals existenzbedrohende Katas... Foto: Till Mayer
Blick in den Spiegel: Das Paunchy Cats-Team wartet auf die Rückkehr der Fans und Musiker. Foto: Till Mayer

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