LICHTENFELS

Park-Apps für den Landkreis Lichtenfels?

Mit Hilfe einer App kann auf dem Parkplatz Pabstenweg in Lichtenfels seit vielen Jahren ein digitales Parkticket gelöst werden. Foto: Corinna Tübel

Wenn man sich in der digitalen Anwendung mal registriert hat, scheint die kleingeldlose und minutengenaue Abrechnung der Parkdauer für die Nutzenden attraktiv zu sein. Sowohl in der Kreisstadt Lichtenfels als auch in Bad Staffelstein werden Park-Apps gut angenommen. Unterschiedliche Systeme und teilweise höhere Kosten scheiden jedoch die Gemüter.

Tatsächlich scheint das digitale Parkticket an einem Regentag attraktiv, um nicht unnötig lange vor dem Termin das Auto verlassen zu müssen. Doch am Parkplatz am Pabstenweg in Lichtenfels ziert in nahezu allen Wägen das klassische weiße Parkticket die Fläche hinter der Windschutzscheibe. Eine knappe Stunde später hat immer noch niemand diese Tradition vergessen, nicht einmal mit der Ausrede: „Ich hol‘ nur kurz eine Rezept ab.“ Ein freiwilliger Tester bewertet das Verfahren für uns:

Am Standort Pabstenweg stehen das klassische Parkticket aus dem Automaten sowie die Nutzung der EasyPark-App zur Wahl. Während ihr Download noch zügig vonstatten geht, nimmt die Registrierung Zeit in Anspruch. Persönliche Daten, Kennzeichen und Bankverbindung oder andere gewünschte Zahlungsarten gibt man erstmals ins System ein.

Verschiedene Apps im Landkreis und in Deutschland

In Lichtenfels ist das „Handyparken“ seit vielen Jahren am Parkplatz Pabstenweg möglich, ab sofort auch an den kostenpfl... Foto: Corinna Tübel

„Für jemanden in Eile oder mit Termindruck eher ungeeignet“, schätzt der Tester Fabian Hocke. „Wenn es einmal gespeichert ist, geht es sicher schneller. Dafür müssten möglichst viele Städte in Deutschland aber dieselbe App benutzten. Das ist ja leider nicht so.“ Vor allem während Reisen in andere deutsche Städte hat er das System schon benutzt.

Die App zeigt die jeweilige Parkzone an, diese kann aber auch manuell eingegeben werden. Mit einem Zeiträdchen kann man die gewünschte Parkdauer einstellen, welche minutengenau abgerechnet wird. Die Staffelung der Parkgebühren im digitalen System gleicht derjenigen des Parkscheinautomaten. Stellt man jedoch unterwegs fest, dass das Auto länger am Parkplatz verweilen muss, kann man über die App von unterwegs aus nachbuchen.

Vorausschauend Planende können in manchen Städten gar einen Wunschparkplatz am jeweiligen Standort reservieren. Auch der Aspekt der Nachhaltigkeit, durch das neue System jährlich vermutlich Millionen von Papierstreifen einzusparen, ist zu nennen.

Doch es werden auch kritische Stimmen laut. Etwa auf der Facebook-Seite von mobilet, dem System, das etwa in Bad Staffelstein angewendet wird. Im Fokus: Datenschutz. mobilet kommentierte daraufhin, selbstverständlich keine Daten an Dritte zu verkaufen. Auch EasyPark bestätigt den Schutz personenbezogener Daten und des Standortes.

Teilweise teurer als das „Papierticket“

Der zuständige Kontrolleur prüft anhand des Nummernschildes über eine Serverabfrage, ob ein digitaler Parkschein hinterlegt ist. Den Mehraufwand hierfür zahlen Nutzer und Nutzerinnenr der App mobilet, wie sie etwa für das Parken am Marktplatz in Bad Staffelstein angeboten wird, in Form nur einer einmaligen Servicegebühr von zehn Cent pro Parkticket.

Die Parkdauer lässt sich individuell einstellen und wird in vielen Parkapps minutengenau abgerechnet. Foto: Corinna Tübel

„Bei der Akzeptanz des Handyparkens ist es so, dass diese Möglichkeit nach der ersten Anlaufphase trotz der geringen Mehrkosten eine stetig steigende Nutzungsrate aufweist“, verrät Fabian Leppert, Geschäftsleiter der Stadt Bad Staffelstein. Da dies der einzige kostenpflichtige Parkplatz im Stadtgebiet sei, gebe es auch keine weiteren Planungen zum neuen System.

Seiner Ansicht nach eignen sich für dieses System im Wesentlichen Parkzonen mit regelmäßig kurzer Parkdauer und hohem Parkdruck, wie am Bad Staffelsteiner Marktplatz, um beispielsweise Behördengänge oder andere kurzzeitige Erledigungen durchzuführen. Aber auch in Hinblick auf Gäste scheint das „Handyparken“ attraktiv. Leppert: „In Zeiten zunehmender Digitalisierung ist die Möglichkeit des Handy- oder App-Parkens sicherlich eine zeitgemäße Entwicklung der Parkflächenregelung. Gerade auch in touristisch frequentierten Bereichen ist der Einsatz solcher Komfortfunktionen sinnvoll.“

Beim Stichwort Tourismus kommen sogleich die Gästemagnete Kloster Banz und Vierzehnheiligen ins Spiel: Ersteres gehört der Hanns-Seidel-Stiftung und wird auch von ebendieser betrieben. Am Parkplatz in Vierzehnheiligen wird am Wochenende durch einen Parkdienst die Parkgebühr eingenommen. Auf Grund der geringen Auslastung unter der Woche und der ohnehin geringen Parkgebühren erscheine die Einrichtung technischer Parkeinrichtungen derzeit nicht sinnvoll, so der Geschäftsführer der Stadt Bad Staffelstein.

Park-App auch am Ortswiesensee in Oberwallenstadt

Dagegen steht das Handyparken am Parkplatz Pabstenweg in Lichtenfels schon seit vielen Jahren zur Wahl. Es werde gut angenommen. „Einen Rückgang von Parken mit Parkticket konnten wir am Pabstenweg nicht feststellen“, blickt Sebastian Müller, Leiter des Amtes für Bürgerservice, Organisation und strategische Entwicklung der Stadt Lichtenfels, zurück. Ab diesem Jahr wird das Parksystem auch vom 15. Mai bis zum 15. September an den drei kostenpflichtigen Parkplätzen des Ortswiesensees möglich sein.

Hat der klassische Parkschein ausgedient? Nein, aber er bekommt Konkurrenz. Foto: Corinna Tübel

Die Kosten der Stadt Lichtenfels für die erstmalige Einrichtung betragen zirka 300 Euro, erklärt Sebastian Müller. Danach sei nur eine monatliche Gebühr fällig, die sie nach den eingenommenen Parkgebühren richtet. Er weiß aber auch: „Für die Förderung von Tourismus und Handel sind natürlich kostenfreie Parkplätze am attraktivsten, die es auch in ausreichender Form in der Lichtenfelser Innenstadt gibt. Allerdings ist bei diesen Kurzzeitparkplätzen natürlich die Parkdauer begrenzt, so dass sich für längere Parkzeiträume am besten die Parkplätze in den Lichtenfelser Parkhäusern eignen, in denen durch das Schranken-Kassen-System die tatsächliche Parkdauer verrechnet wird.“

Erfahrung als „Urlauber“ hat auch Stefan Babel. Der Lichtenfelser ist vor kurzem nach Berlin gezogen und hat das Handyparken schon in vielen Städten genutzt. „Das erste Mal, weil ich kein Kleingeld dabei hatte“, lacht er. „Dann habe ich die App heruntergeladen und schon ging es los.“

Die Einrichtung und Nutzung der meisten Anwendungen findet er leicht verständlich. Die Flexibilität, die Parkzeit bequem auf digitalem Weg zu verlängern, und die Zahlung der tatsächlich genutzten Parkzeit ebenfalls. Er begrüßt daher eine Ausweitung des Systems an kostenpflichtigen Parkplätzen, wenn auch die Handhabung für technisch wenig versierte Personen wohl schwierig sei.

Grundsätzlich hält er solche Park-Apps eher für Touristen geeignet: „Einheimische wissen auch, wo es kostenlose Parkplätze gibt. Es sei denn, sie müssen spontan und schnell parken und haben keine Münzen dabei.“ Einen geringen Mehrbetrag würde er in solch einem Fall auch zahlen. „Immer noch günstiger als ein Knöllchen, oder?“

 

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