BAMBERG

Paradiestal: Wenn der Landschaftpfleger blökt

Die Herde von Landwirt Daniel Stief am „Langen Stein“ im Paradiestal. Foto: Rudolf Mader

Landrat Johann Kalb, der das Projekt „Blühender Jura“ von Beginn an begleitet hat, ließ es sich jüngst nicht nehmen, ins Paradiestal (Landkreis Bamberg) zu kommen. Noch als Bürgermeister von Buttenheim hatte er im Sommer 2013 Umweltstaatssekretärin Melanie Huml und Georg Schlapp vom Naturschutzfonds am Amstling bei Tiefenhöchstadt zur Bescheidübergabe begrüßt, heißt es in einer Pressemittelung des Landtsamts Bamberg.

In seiner Rede betonte Landrat Kalb: „Es ist uns abschließend gelungen, naturschutzfachlich wertvolle Flächen wie im Paradiestal zu erweitern und die regionstypischer, kleinteiliger Kulturlandschaft zu bewahren. Ich freue mich, dass die Bevölkerung für den Wert von Naturschutz, Landschaftspflege und Beweidung sensibilisiert werden konnte.“

„Einer Einladung ins Paradies kommt man natürlich gerne nach“, erklärte auch die neue Vorsitzende des Bayerischen Naturschutzfonds, Ulrike Lorenz gleich zu Beginn der Abschlussveranstaltung des BayernNetzNatur-Projektes „Blühender Jura im Landkreis Bamberg“. Sie war extra den weiten Weg aus München gekommen, um sich vor Ort über das Projekt zu informieren.

„Das Projekt ,Blühender Jura' ist ein typisches Naturschutzgroßprojekt des Bayerischen Naturschutzfonds. Denn es dient der Erhaltung der Artenvielfalt, trägt zur Bewahrung und Entwicklung regionstypischer Landschaften wie der fränkischen Kulturlandschaft bei und leistet einen herausragenden Beitrag zum Aufbau des Biotopverbunds. Das Projekt zeichnet sich durch besondere Nachhaltigkeit aus, da die Beweidung mit Schafen und Ziegen nicht nur erhalten, sondern deut-lich ausgebaut werden konnte. Die Förderung des Bayerischen Naturschutzfonds in Höhe von über 380 000 Euro wurde in den letzten siebeneinhalb Jahren gut eingesetzt“, lobte Lorenz in ihrem Grußwort.

Projekt wirkt über seine Zeit hinaus

Der Vorsitzende des Landschaftspflegeverbandes Heinrich Faatz bedankte sich bei der Vorständin für die großzügige Förderung und freute sich über die zahlreich erschienenen Bürgermeister, Behördenvertreter, Naturschutzverbände und weiteren Akteuren wie Wanderwegewarten, Landschaftspfleger sowie Schaf- und Ziegenhalter. Schon allein daran, dass fast ein Jahr nach Projektende noch so viele Menschen zusammengekommen sind, um gemeinsam zu feiern, zeige dass das Projekt über seine Zeit hinauswirkt.

Ein Schwerpunkt des Projektes, das der Landschaftspflegeverbandes Bamberg zusammen mit den neun Kommunen Buttenheim, Heiligenstadt, Hirschaid, Königsfeld, Litzendorf, Scheßlitz, Stadelhofen, Strullendorf und Wattendorf umgesetzt hat, lag auf der Förderung und Stärkung der Beweidung. Gekoppelte Schaf- und Ziegenherden sind auf verstreut liegenden, steilen, felsigen und verbuschten Naturschutzflächen das Mittel der Wahl. Die Tiere sind geländegängig, das Gras muss nicht wie bei der maschinellen Landschaftspflege kostenintensiv von den Flächen geräumt und entsorgt werden, der Tritt schafft offene Bodenstellen und die Hinterlassenschaften und der Verbiss schaffen Strukturen und zusätzliche Kleinbiotope.

Die Wanderschäferei wiederum ist unverzichtbar zur Pflege und zum Erhalt großer Trockenrasen und Wacholderheiden. Sie bewahrt das typische offene Land-schaftsbild des fränkischen Jura und schützt diesen hochwertigen Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen vor dem Zuwachsen. Die Wanderschäferei trägt außerdem maßgeblich zur Förderung eines Biotopverbundes bei, da die vierbeinigen Rasenmäher in Fell oder Klauen Samen und Kleintieren von einer Weide zur nächsten transportieren.

Nutzung hat sich etabliert

Christine Hilker, Biologin, berichtet, dass die Landschaftspflege-Beweidung mit gekoppelten Schaf- und Ziegenherden im Laufe des Projektes von drei auf 30 Hektar gesteigert werden konnte. Diese Nutzung hat sich etabliert und wird auch über das Projektende hinaus weiterbestehen. „Wichtige Biotopflächen für den Verbund wurden ermittelt, Landpflegemaßnahmen umgesetzt, Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt. Eine Kartierung der Tagfalter und der Pflanzen zu Beginn und zum Ende des Projektes gibt Aufschlüsse über den Erfolg der Maßnahmen. Der Botaniker Hermann Bösche, der 2019 die botanischen Kartierungen durchführte, verwies bei der Veranstaltung auf Überraschungsfunde wie das Gefleckte Ferkelkraut und das Blaugrüne Labkraut.

Auf den Spuren der Schäferei

„Außerdem freue ich mich besonders, dass es zum Ende des Projektes noch ge-lungen ist, den Wanderweg „Blühenden Jura – Auf den Spuren der Schäferei“ mit einem eigenen Wegzeichen zu markieren und danke allen Ehrenamtlichen für ihre tolle Arbeit“, so Hilker weiter. (red)

BayernNetzNatur

Bayernweit werden unter der Marke „BayernNetzNatur“ Projekte zur Sicherung der Biodiversität umgesetzt. Seit 1984 wurden bereits über 400 Projekte zur Verwirklichung des Biotopverbundes ins Leben gerufen. BayernNetzNatur-Projekte zeichnen sich durch eine enge Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten aus. Oberstes Prinzip bei BayernNetzNatur ist die Freiwilligkeit aller Maßnahmen und der kooperative Ansatz. Mehr Informationen unter www.naturvielfalt.bayern.de.

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