LICHTENFELS

Pandemie und Kita: Kleiner Schupfen, riesen Problem

Stolz halten die Kids vom Seubelsdorfer Kindergarten bemalte Steine in die Höhe. Die hatten Mitbürger vor allem während des Lockdowns vor der Kita abgelegt. Jetzt wird eine Steinschnecke daraus. Im Hintergrund freut sich Leiterin Ines Mai über die gelungene Aktion. Foto: Till Mayer

Als der Lockdown gerade begonnen hatte, berichtete Ines Mai als Leiterin des katholischen Kindergartens Seubelsdorf von ihren einschneidenden Erfahrungen. Dann erneut, als das normale Leben begann, wieder Schritt für Schritt zurück zu kehren. Jetzt schildert sie aus ihrer Sicht den Kita-Alltag und seine Herausforderungen nach den großen Ferien. Und wie ein Schnupfen zum riesen Problem werden kann.

„Bevor ich den dritten Artikel zum Thema ,Kita in der Coronazeit' beginne, möchte ich darum bitten, dass ich nicht missverstanden werde. Ich habe – wie bereits in den beiden vorherigen Artikeln erwähnt – großen Respekt vor der Gefahr durch das Covid 19-Virus.

Corona hat die Lebensweise völlig geändert

Ich selber führe gemeinsam mit meiner Familie ein völlig anderes Leben. Selbst bei meiner an Demenz erkrankten Mutter war ich bis Ende August nicht in der Wohnung - aus Angst ich könne sie vielleicht anstecken. Mein Alltag besteht daraus, dass ich jeden Morgen froh gelaunt zur Arbeit radle, mich dann oft über manche Bestimmungen, die gemacht werden, wundern muss. Mit meinen Kollegen nach bestem Wissen einen Regelbetrieb aufrechterhalte, um dann wieder in unsere Wohnung zu gehen.

Am Wochenende gönne ich mir ab und an in meiner Stammkneipe im Biergarten ein Gläschen Wein oder sitze bei einer Freundin im Garten.

Nicht, dass einer beim Lesen der nächsten Zeilen denken würde, ich nehme das Virus nicht ernst. Regelbetrieb bedeutet für uns Kita-Erzieher, dass wir nach unserem Bildungs- und Erziehungsplan und unserer neu erstellten Konzeption arbeiten. Alle Kinder dürfen nun endlich wieder zu uns in die Einrichtung. Und wir haben gemeinsam im Team einen Wochenplan für unsere Kindergartenkids erarbeitet. In der Kinderkrippe werden acht neue Kinder eingewöhnt.

Seit 1. September ist bei uns wieder Regelbetrieb. Davon haben Sie wenig in der Öffentlichkeit gehört oder gelesen? Ist ja nicht wichtig, dass wir nun wieder alle Kinder fördern, erziehen und betreuen, nebenbei noch eine Eingewöhnung stemmen. Aber von ersten Schultagen, da haben Sie sicherlich gelesen und gehört. Schade dass unsere Arbeit leider immer noch in der Öffentlichkeit oft unter geht. So wird bei uns nicht ausreichend nachgefragt, was wir brauchen, um weiter so gut unseren Betrieb am Laufen zu halten. Oder, ob wir uns täglich einem Risiko aussetzen.

Endlich wieder Leben in der Bude

Es ist schön, dass nun wieder Leben in der Bude ist. Doch die erste Woche war super anstrengend. Als ich nach acht Stunden den Kindergarten am ersten Tag verlies, bin ich einfach nur ins Bett gefallen. Wahnsinn, wie ungewohnt die Anzahl der Kinder mit der damit verbundenen Lautstärke und allen Forderungen der Kids plötzlich war.

Dann kam der Schnupfen. Ja richtig, der Schnupfen – und zwar bei mir persönlich. Ich denke mir nichts dabei – ich bin Allergiker und laufe das gesamte Jahr mit einer verstopften Nase herum. Und nachdem ich ja – wie oben beschrieben – sehr vorsichtig bin – ging ich natürlich auf die Arbeit.

Dort angekommen überflutete mich nach einer Woche Urlaub Informationen per Email – wie so häufig während der Coronazeit. Unter anderem ein Rahmenhygieneplan des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Soweit so gut.

Die Sache mit dem Hygieneplan

Erst mal zu den Kindern. Die Freude ist groß – alle sind wieder bei uns. Auch am zweiten Tag kam ich nicht gleich dazu den Hygieneplan zu lesen, geschweige denn, meine Mitarbeiter zu unterweisen. Am Telefon wurde ich von meiner Trägervertreterin darauf hingewiesen, dass ich doch bei Schnupfen nach Hause gehen muss. Sie höre doch am Telefon das ich verschnupft sei. Ob ich denn den neuen Hygieneplan noch nicht gelsen hätte?

Ich legte auf und nahm mir die Zeit und las doch wirklich unter dem Punkt Personaleinsatz „...Beschäftigte die Covid19 typische Krankheitsanzeichen haben (zum Beispiel Husten und Schnupfen) müssen zu Hause bleiben“.

Kinder dürfen – zum Glück – wieder mit Schnupfen und leichten Husten in die Einrichtung. Aber wir, das Personal, müssen zu Hause bleiben. Ich rief bei verschiedenen Stellen an. Leider konnte mir keiner genaue Auskunft geben, wie dieser Hygieneplan genau entstanden ist. Ob wir Leitungen den Möglichkeit hätten, unser Statement abzugeben? Leider Fehlanzeige.

Also bin ich nach Hause. Mir wurde ja gesagt: ich muss. Am Freitag hatte eine weitere Kollegin Schnupfen. Und dass auch noch mitten in der Eingewöhnung der Kinderkrippe. Zum Glück konnten die zwei Tage überbrückt werden. Doch was kommt nun in der Herbstzeit?

Muss ich an meine Kita ein Schild schreiben „Wegen Schnupfen des Personals geschlossen“? Was sollen denn dann die Eltern machen, die froh sind dass sie wieder geregelt auf die Arbeit gehen können. Und was ist mit den Kindern?

Leider fühlte und fühle ich mich zum wiederholten Male von staatlichen Stellen alleine gelassen. Nicht von allen – zum Glück gibt es da mein Team und viele viele Kollegen und unsere Trägervertreterin.Nächste Woche wird dann ein Treffen mit dem Gesundheitsamt sein. Ich habe mich angemeldet. Hoffentlich klappt es. Hat ein Teammitglied Schnupfen, könnte es aber eng werden. Dann braucht es mich in der Kita.“

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