COBURG/LICHTENFELS

Pädophiler aus dem Landkreis Lichtenfels muss ins Gefängnis

Pädophiler aus dem Landkreis Lichtenfels muss ins Gefängnis
Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern muss ein 72-Jähriger aus dem Landkreis für drei Jahre ins Gefängnis. Foto: Symbolbild: dpa/Sven Hoppe

Wegen des sexuellen Missbrauchs von zwei Kindern im Vorschulalter ist ein 72-Jähriger aus dem Landkreis Lichtenfels am Montag am Landgericht Coburg zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Richterin Jana Huber sprach von „widerwärtigster Kinderpornographie“ und einem „enormen Vertrauensbruch“.

Der 72-Jährige hatte umfassend gestanden. Den beiden Opfern, ein Mädchen aus der Nachbarschaft sowie die Enkelin des Angeklagten, blieben so die Aussagen vor Gericht erspart.

In seiner Wohnung hatte der Beschuldigte im vergangenen Sommer die kleine Tochter seiner Nachbarn aufgefordert, sich zu entkleiden. Dann berührte er das Kind im Intimbereich und machte Fotos von dem Mädchen. Die andere Tat ereignete sich irgendwann zwischen 2002 und 2005. Ebenfalls in seiner Wohnung befingerte der Mann ein kleines Kind im Intimbereich. Dieses Opfer war seine eigene Enkelin.

30 Fotos und drei Videos mit kinderpornographischem Inhalt

Als die Polizei die Wohnung des Angeklagten durchsuchte, stieß sie auf rund 30 auf seinem Computer gespeicherte Bilddateien. Ausnahmslos handelt es sich um Fotos, die kinderpornographische Darstellungen zeigen. Dazu kommen drei Videos mit dem gleichen strafbaren Inhalt. Zudem entdeckten die Beamten zwei externe Datenspeicher. Sie enthielten vor über 15 Jahren vom Angeklagten gefertigte kinderpornographische Fotos, die seine Enkelin zeigen.

Die Vorsitzende Richterin Huber wies in ihrer Urteilsbegründung darauf hin, dass es sich um ein besonders junges Opfer handelte. Das Mädchen sei damals kaum dem Säuglingsalter entwachsen gewesen. Zur Last legte das Gericht dem 72-Jährigen auch, dass er das Vertrauensverhältnis zwischen Großvater und Enkelkind schwer missbraucht habe. Völlig inakzeptabel sei da der anfängliche Beschwichtigungsversuch des Beschuldigten, er habe „doch nur ein paar Fotos gemacht“.

„Es ist kein Wunder, dass die Familie die Entschuldigung des Täters nicht annehmen kann.“
Jana Huber, Richterin

Wie in einem Alptraum müsse es für die Eltern gewesen sein, als ihr Kind von den Übergriffen des älteren Nachbarn berichtete, meinte Huber. „Es ist kein Wunder, dass die Familie die Entschuldigung des Täters nicht annehmen kann“, sagte sie an den Angeklagten gerichtet. Die Eltern lebten jetzt mit der Angst, dass ihr Kind einen dauerhaften seelischen Schaden erlitten haben könnte. „Das ist eine Katastrophe für die Familie“, betonte die Richterin.

Im Urteil ist auch die Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 6000 Euro an das Opfer aus der Nachbarschaft enthalten. Zudem ist der 72-Jährige dazu verurteilt, für mögliche weitere Schäden aufzukommen.

Der Angeklagte bedauert vor allem seine eigene Situation

In gewisser Weise habe sich der Täter reumütig gezeigt, bilanzierte Jana Huber. Seine Reue habe sich jedoch weniger in Mitleid für die Opfer – „zwei Kinder im schützenswertesten Alter“ – ausgedrückt, sondern im Bedauern seiner eigenen Situation nach dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle. Der 72-Jährige nahm das Urteil an. Offen blieb, ob die beiden weit auseinander liegenden Taten seine einzigen Übergriffe auf Kinder waren. Die Richterin nannte den Zeitraum zwischen den Fällen „eine lange Grauzone“.

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