LICHTENFELS

OT-Leseraktion Helfen macht Spaß unterstützt Bedürftige

Übergabe der „Sheltersuits“, wetterfeste Jacken mit integriertem Schlafsack für Menschen, die auf der Straße leben (v. li.): Till Mayer (HmS-Initiator und OT-Redakteur), Thomas Petrak (HmS-Initiator und BRK-Kreisgeschäftsführer), Felix Schmitz (Vertreter Sheltersuit-Foundation), ... Foto: red

Gerade einmal 446 Euro monatlich stehen einer alleinstehenden Person als Regelbedarf bei Arbeitslosengeld II zu. Damit sind die Kosten gemeint, die den Lebensunterhalt sichern sollen. Dazu gehören vor allem Ernährung, Kleidung, Körperpflege, Hausrat, Haushaltsenergie und persönliche Bedürfnisse.

Es ist bereits der 21. Kalendertag im Monat und Frau M. hat noch fünf Euro in ihrem Geldbeutel. Noch zehn Tage, bis sie das nächste Geld vom Jobcenter auf ihr Konto überwiesen bekommt. Im Kühlschrank gibt es noch etwas Butter und Käse. Das ist aber auch schon alles.

5,26 Euro für Lebensmittel am Tag reichen kaum, um satt zu werden

Im Regelbedarf sind von den 446 Euro anteilig gerade einmal 157,78 Euro für Lebensmittel und Getränke vorgesehen. 5,26 Euro täglich – ausgehend von einem Monat mit 30 Tagen – reichen kaum, um satt zu werden. Besonders schwierig wird es, wenn die Bezieher von Arbeitslosengeld II aus diesem Regelsatz zudem Mietkosten bezahlen müssen, da ihre Miete oberhalb der Mietobergrenze liegt. Tatsächlich passiert das sehr häufig.

Dann bleibt faktisch noch weniger für Lebensmittel. Frau M. kennt dieses Rechenbeispiel nur zu gut: 446 Euro minus 50 Euro Mietkosten über der Mietobergrenze ergibt für sie monatlich 396 Euro zum Leben. Kommt dann, wie in diesem Monat noch eine Stromnachzahlung von 80 Euro dazu, sind es nur noch 316 Euro, von denen sie ihre Auslagen begleichen muss. Am Ende führt das zu den besagten fünf Euro am 21. des Monats in ihrem Geldbeutel.

„Wir können uns kaum vorstellen, was es für Menschen bedeuten muss, in einem gut entwickelten Industrieland um Essen zu betteln.“
Angela Lohmüller, Sozialpädagogin Caritasverband

Beispiele, wie die von Frau M. könnte ich viele erzählen. Dabei muss noch gar nicht viel passieren. Viele unserer Klienten in der Sozialen Beratung des Caritasverbandes Lichtenfels haben zum Ende des Monats kaum mehr Geld zur Verfügung, um sich etwas zu essen zu kaufen. Selbst, wenn sie regelmäßig in die Tafel gehen, kann es schon mal passieren, dass am Ende des Monats das Geld knapp wird.

Dann wenden sie sich hilfesuchend an die Caritas. Wir können uns kaum vorstellen, was es für Menschen bedeuten muss, in einem gut entwickelten Industrieland um Essen zu betteln. Selbst wenn es uns in Deutschland vergleichsweise gut geht, herrscht auch hier zunehmende Armut. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung besitzen 45 Familien in Deutschland so viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung – mehr als 40 Millionen Menschen. Eine steigende Inflation und dadurch deutlich höhere Preise für Lebensmittel machen es gerade den armen Bevölkerungsschichten zunehmend schwer mit dem Geld, das ihnen zur Verfügung steht zurecht zu kommen.

Vertretung und Beratung für Menschen in Not

Die Caritas und auch andere Wohlfahrtverbände versuchen, Anwälte für diese Menschen zu sein und mahnen regelmäßig Missstände wie zu niedrige Regelsätze, zu hohe Mieten oder zu geringe Mindestlöhne an. Gleichzeitig versuchen die Beratungsstellen, wie die Soziale Beratung der Caritas in Lichtenfels die schlimmste Not durch finanzielle und materielle Beihilfen zu lindern.

Hilfe erhalten wir dabei von der Leseraktion „Helfen macht Spaß“ des Obermain-Tagblatts, wie zuletzt durch eine großzügige Zuwendung in Höhe von 2100 Euro für die Beschaffung von sogenannten „Sheltersuits“ - wie bereits ausführlich berichtet – für obdachlose Menschen und 3000 Euro für Lebensmittelgutscheine für bedürftige Menschen im Landkreis Lichtenfels.

Herzlichen Dank an alle Spender und Verantwortlichen der Leseraktion

Gerade während der Lockdown-Phasen in der Corona-Pandemie konnten wir vielen Menschen mit Lebensmittelgutscheinen unter die Arme greifen. Die Tafel plus in Lichtenfels musste zu Beginn der Pandemie schließen und viele unserer Klienten hatten Einkommenseinbußen durch Kurzarbeit oder Kündigungen. Mittlerweile sind fast alle Gutscheine, die wir im letzten Jahr über „Helfen macht Spaß“ erhalten haben aufgebraucht, sodass wir uns sehr über den Nachschub freuen. Ein ganz herzliches Dankeschön an alle Spender und die Verantwortlichen der Leseraktion „Helfen macht Spaß“ des Obermain-Tagblatts!

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