LICHTENFELS

Ortswiesensee: Tretbootverleih bis 2027 verlängert

Über die Frage, ob am Ortswiesensee in Oberwallenstadt bis 2027 weiterhin Tretboote verliehen werden dürfen, entwickelte sich in der jüngsten Sitzung des Lichtenfelser Hauptausschusses am Mittwochnachmittag eine längere Diskussion.Archiv Foto: Gerhard Hermmann

Eigentlich hätte der Hauptausschuss dem Betreiber des Karibischen Ecks am Ortswiesensee Oberwallenstadt nur fix erlauben sollen, seine Tretboote nicht nur bis 2025 zu verleihen, sondern bis 2027. Doch statt einer schnellen Entscheidung entwickelte sich eine etwa halbstündige Diskussion, in der es um die Seriosität des Verleihers ging, aber noch viel mehr um fehlende Kontrollen durch das zuständige Landratsamt.

Bei der Vorstellung des Verwaltungsantrags erläuterte am Mittwochnachmittag in der Stadthalle Andreas Eberlein von der Stadtverwaltung, dass der Hauptausschuss bereits im März 2021 das gemeindliche Einvernehmen für den saisonalen Verleih von maximal zehn Tretbooten erteilt habe, und zwar bis zum 31. Oktober 2025. Der Pächter bat deswegen um eine Verlängerung bis 2027, um den Tretbootverleih an den bis zum selben Zeitpunkt laufenden Pachtvertrag für die Gastronomie anzugleichen.

Tretbootverleih jeweils vom 1. Mai bis 15. September befürwortet

Wie Eberlein weiter ausführte, wollten die Antragsteller jeweils vom 1. April bis zum 31. Oktober eines jeden Jahres ihre Tretboote anbieten. Doch nach Rücksprache mit der unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt und der Fischereifachberatung befürworte die Stadtverwaltung einen Verleih jeweils vom 1. Mai bis zum 15. September.

Kritik kam von Dr. Susann Freiburg. Die Sprecherin der Grünen-Fraktion stellte zum einen die Zuverlässigkeit des Betreibers in Frage, der nach ihren Informationen zeitweise nicht nur mehr als zehn Tretboote gleichzeitig verliehen hatte, sondern auch Kajaks. Diese habe der Hauptausschuss vor einem knappen Jahr noch abgelehnt. „Vor elf Monaten haben wir abgewogen zwischen den Interessen des Betreibers, des Tourismus, der Natur und der Anwohner“, erinnerte Dr. Freiburg und kritisierte, dass Stadt und Landkreis zum einen mit der Natur werben, diese aber dann mit Füßen treten.

Speziell das Landratsamt erntete von der Grünen-Stadträtin Kritik. Trotz Hinweisen, dass der Betreiber die Auflagen nicht einhalte, sei nicht kontrolliert worden. „Wir haben hier ein Vollzugsdefizit der unteren Naturschutzbehörde“, sagte Dr. Freiburg und betonte: „Der Betreiber soll sich an die Auflagen halten und das Landratsamt soll kontrollieren.“

Monika Faber: Auch Kajaks und Paddle Boards verliehen

In die Kritik am Verleiher stimmte auch Monika Faber (SPD) mit ein. „Er hat sich nicht an die Vorgaben gehalten und die ganzen 13 Boote am See liegen gehabt. Es gibt Fotos, dass auch alle Boote unterwegs waren“, sagte sie und bestätigte den Vorwurf ihrer Vorrednerin, dass auch Kajaks und dazu noch Paddle Boards verliehen worden seien. Hier müsse man die Seriosität des Betreibers in Frage stellen, der sich eher um sein Geschäft kümmere und keine Übersicht über seine Boote habe.

Als „Wasserwachtlerin“ gehe es ihr auch um die Sicherheit der Badegäste im sehr naturnahen See, so Faber weiter. Und schließlich erinnerte die SPD-Stadträtin daran, dass ebenso die Angler die Zahl der Boote im Wasser kritisiert hätten.

Eberlein räumte ein, dass zu Beginn der vergangenen Saison nicht häufig kontrolliert worden sei, dies sei aber Sache des Landratsamtes. Er selbst war im vergangenen Jahr etwa 30 Mal am Ortswiesensee und habe keine Verstöße feststellen können, weder gegen Corona-Auflagen noch habe er Kajaks oder Paddle Boards gesehen. Dies bestätigte auch Erster Bürgermeister Andreas Hügerich.

Auf Nachfrage von Dr. Christopher Bogdahn (FW) bemerkte Eberlein weiter, dass die Stadt den Vertrag beenden könne, sollte der Verleiher mehr als zehn Boote ins Wasser bringen. Der Leiter des Sachgebiets für die städtischen Liegenschaften bat schließlich darum, Verstöße der Stadt zu melden.

Für die Verlängerung des Vertrags sprach sich Robert Gack (CSU) aus. Er argumentierte, dass bei Kontrollen keine Verstöße des Verleihers festgestellt worden waren. „Natürlich heißt das nicht, dass es nicht irgendwann einmal welche gegeben hat. Aber wir sollten berücksichtigen, dass sich die Bevölkerung wünscht, bei schönem Wetter Tretboot zu fahren“, betonte der CSU-Vertreter. Nach seiner Meinung solle die Erlaubnis außerdem bereits ab dem 15. April gelten und nicht, wie zuvor von Monika Faber beantragt, erst ab dem 15. Mai. Gack sagte aber auch, dass künftig mehr auf die Belange des Naturschutzes geachtet werden müsse.

Stadtrat hat für eine Attraktivierung des Badesees gestimmt

Im Übrigen sah er es als nicht zu begründen an, die Gastronomie bis 2027 zu erlauben, aber den Tretbootverleih nur bis 2025. Gack: „Ein Teil der Stadtratskollegen mag sich den See so wünschen, wie er früher war. Aber der Stadtrat hat beschlossen, den See zu attraktivieren. Jetzt ist er wohl zu attraktiv.“

„Der Pächter befriedigt mit seinem Angebot die Bedürfnisse vieler Lichtenfelser“, schlug Günter Reinlein (SPD) einen ähnlichen Tenor an und mahnte: „Wir müssen uns überlegen, ob wir den Betreiber vergraulen wollen oder nicht, wenn wir auf seine Wünsche immer mit einem Verbot oder einer Nichtensprechung reagieren.“

Auch Dr. Andrea Starker (CSU) machte sich für eine Verlängerung des Tretbootverleihs stark. Und Bürgermeister Hügerich meinte, dass die Stadt natürlich immer abwägen müsse zwischen Gastronomie, Tourismus und Naturschutz. „Aber wenn ein Vorhaben der Entwicklung der Stadt gut tut, dann fördern wir es auch.“

Gegen die Stimme von Dr. Freiburg votierte der Hauptausschuss letztlich für die Verlängerung des Tretbootverleihs bis 2027.

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