LICHTENFELS

Onkel, Ingenieur und das liebe Corona–Tagebuch

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um einen Onkel, na ja nicht wirklich. Ein Ingenieur spielt eine wichtigere Rolle. Aber das nur flankierend: „Liebes Corona-Tagebuch, wenn man einen Onkel hat, dann hat man auch Geschichten. Und wenn so ein Onkel auch vielleicht keine Geschichten mehr macht, so weiß er doch immerhin welche zu erzählen.

So einen Onkel habe ich. Der nämlich kannte hier in der Gegend mal zwei Ingenieure. Der eine ungeheuer qualifiziert, der andere ungeheuer diplomiert.

Es soll die Rede vom ungeheuer diplomierten sein, denn er ist die Besonderheit. Es sind die Sechziger, Brandt war Kanzler und mein Onkel noch nicht verheiratet. Das tut zwar nichts zur Sache, aber als belebende Randnotiz empfinde ich den Satz für ungeheuer gelungen.

Gute Ergebnisse und gute Begründungen

Jedenfalls hatte der eine Ingenieur immer recht gute Ergebnisse, der andere Ingenieur aber dafür immer recht gute Begründungen.Die mit der aussichtsreichsten Anwartschaft auf den Grimme-Preis war auch die, welche er am häufigsten gebrauchte. Immer dann, wenn ihm Material unerwartet ermüdete, wenn Ergebnisse von seinen Prognosen verheerend abwichen, wenn ihm Begleitumstände eigentlich hätten auffallen müssen, oder wenn etwas einfach nur nicht hinhaute, dann fand er schlichte aber angemessene Worte, fasste in klarer Sprache zusammen und zeigte Gespür für das Individuelle des Problems.

Er sagte: „Durch die adhesive Bauweise ist die Hysteresis nur sukzessive zu bekämpfen.“ Seinen Kollegen beeindruckte er damit nicht, seinen Chef hingegen immer. Was ich mit dieser Geschichte ausdrücken will, worum es in ihr eigentlich geht, und warum sie so dahindümpelt?

Liebes Tagebuch, das ist eine gute Frage. Eine wirklich gute Frage sogar. Lass es mich mal so ausdrücken: ,Durch die adhesive Bauweise ist die Hysteresis nur sukzessive zu bekämpfen.' Bis dahin warte ich aktiv auf lichtere Momente.“

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