Omikron und die Infrastruktur Im Landkreis Lichtenfels

LICHTENFELS

Omikron und die Infrastruktur Im Landkreis Lichtenfels

Die nächste Welle der Corona-Pandemie rollt auf uns zu mit der hoch ansteckenden Omikron-Variante. Was kann das für Konsequenzen für Rettungsdienste, Feuerwehren und Grundversorger haben, wenn krankheitsbedingt Mitarbeiter und Helfer ausfallen? Diese Redaktion hat sich umgehört, ob die Infrastruktur in so einem Fall weiter funktioniert.

Der Kreisgeschäftsführer des BRK, Thomas Petrak, setzt für so eine Ausnahmesituation verstärkt auf ehrenamtliche Helfer für Fahrdienste, Testbetrieb, Besuchersteuerung und Ähnliches. Andererseits habe man die Erfahrung aus den vergangenen eineinhalb Jahren, und die hohe Impfquote (100 Prozent im Rettungsdienst, 85 Prozent in der Pflege) lässt auch Optimismus zu. Zudem seien die noch nicht geimpften Mitarbeiter meist soweit sensibilisiert, dass sie einer Impfung nachkommen wollen. Somit kann er eine Versorgungslücke im Bereich Rettung und Pflege nahezu ausschließen.

Stützpunkte bei mehreren Feuerwehren schaffen

Markus Witzgall, Pressesprecher der Kreisfeuerwehren, nimmt ebenfalls Stellung zum Thema nächste Welle: „Wenn ein größerer Teil von Feuerwehrleuten krankheitsbedingt ausfallen sollte, werden wir in Absprache mit den anderen Blaulichtorganisationen bei mehreren größeren Feuerwehren im Landkreis Stützpunkte schaffen.“ Gerade die Feuerwehren hätten in der Vergangenheit bewiesen, dass sie sich spontan und sehr schnell auf neue, der Lage angepasste Strukturen bei besonderen Schadenslagen einstellen können. Hierzu stehe Kreisbrandrat Timm Vogler als ständiges Mitglied des Krisenstabes des Landratsamtes in engem Kontakt mit Landrat Christian Meißner und den anderen Mitgliedern der Führungsgruppe Katastrophenschutz.

Bereits seit Beginn der Pandemie werde auf den Schutz der kritischen Infrastruktur, insbesondere auch der dort tätigen Einsatzkräfte, verstärktes Augenmerk gelegt. So fänden momentan beispielsweise dringend notwendige Übungen zum Erhalt der Einsatzbereitschaft nur unter Beachtung der Regel „3G am Arbeitsplatz“ statt.

Nicht dringend notwendige Zusammenkünfte sind untersagt. Bei Einsätzen tragen alle Einsatzkräfte während der Anfahrt im Fahrzeug und wenn sich der Mindestabstand nicht einhalten lasse FFP2-Schutzmasken. Alle relevanten Kontaktflächen an Fahrzeugen und Geräten würden nach Einsätzen desinfiziert.

Bevölkerung könne sich auf Hilfe der Feuerwehren verlassen

„Durch die bereits seit längerem geltenden Schutzmaßnahmen wird sich die Bevölkerung auch in den kommenden Wochen auf die schnelle und kompetente Hilfe der Feuerwehren verlassen können. Das bayerische Alarmierungssystem ist darauf ausgelegt, dass auch bei einem Komplettausfall einzelner Feuerwehren die Hilfe durch benachbarte Einheiten jederzeit gewährleistet ist“, so Markus Witzgall weiter.

Auch die Polizeiinspektion (PI) Lichtenfels sieht sich gewappnet für etwaige personelle Engpässe durch die Pandemie. Als Vorsorgemaßnahmen wurden dienstbetriebliche Anpassungen bei der PI Lichtenfels und der Polizeistation Bad Staffelstein veranlasst, um das Risiko einer gegenseitigen Ansteckung zu minimieren. Die Leistungs- und Einsatzfähigkeit bleibt davon unberührt.

Neben den gängigen Schutzmaßnahmen, wie dem Tragen einer FFP2-Maske und regelmäßigen Testmöglichkeiten, finden beispielsweise Besprechungen, sofern möglich, ausschließlich online statt. Um eine mögliche gegenseitige Kontamination von Beschäftigten mit dem Virus zu vermeiden, kann eine Dienstverrichtung im Rahmen eines Wechsel-Schichtdienstes mit physisch getrennten und möglichst dauerhaft zugeordneten Einsatzteams erfolgen.

Einsätze werden, wie bisher auch, nach Priorität von den Beamten abgearbeitet. In geeigneten polizeilichen Tätigkeitsbereichen werden die Möglichkeiten einer Inanspruchnahme von Homeoffice forciert. Gleichwohl bleibt zu berücksichtigen, dass bei der Polizei aufgrund der besonderen Aufgabenstellung und zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit sowie der damit verbundenen uneingeschränkten Funktions- und Leistungsfähigkeit der Dienststellen, primär die Präsenz am Arbeitsplatz und der Dienst vor Ort erforderlich sind, beispielsweise bei Streifentätigkeitenen.

Gegebenenfalls Unterstützung durch die Bereitschaftspolizei

Als Garant der öffentlichen Sicherheit und Ordnung leisten die Beamtinnen und Beamten ihren Dienst vorwiegend auf der Straße und bei den Bürgerinnen und Bürgern, die Hilfe benötigen. Soweit erforderlich, erfolgen gegebenenfalls eine dienststellenübergreifende Unterstützung sowie Unterstützung durch die Bereitschaftspolizei. In der Vergangenheit habe es weder bei der Polizeiinspektion Lichtenfels noch bei der Polizeistation Bad Staffelstein Engpässe beim Personal gegeben.

Polizeisprecher Jürgen Hagel: „Die Bewohner des Landkreises Lichtenfels brauchen sich über die Einsatzfähigkeit der beiden Polizeidienststellen also keine Gedanken machen. Wir gewährleisten ihre Sicherheit auch im Jahr 2022.“

Die Frage nach der Grundversorgung mit Wasser und Energie stellt sich natürlich in diesem Zusammenhang ebenfalls. Dazu nimmt der Werksleiter der Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO), Markus Rauh, Stellung: „Vorweg ist festzuhalten, dass für die FWO unabhängig der besonderen Herausforderungen in der Pandemie von jeher gilt, dass die Wasserversorgung durchgehend funktionieren muss. Aufgrund unserer besonderen Funktion, nämlich Trinkwasser zu beschaffen für Teilregionen, in denen es nicht ,reicht‘, ist diese Aufgabenstellung nicht neu.

2020 lief Betrieb vorübergehend im Zwei-Schicht-System

Seitens der FWO sind seit vergangenem Jahr, als die Pandemie sozusagen offiziell bestätigt wurde, verschiedene Maßnahmen in Bezug auf den Betrieb der FWO in Kraft. Je nach Situation und Auswirkung der Pandemie werden dann verschiedene Stufen der Maßnahmen aktiviert. Im Frühjahr 2020 etwa, als es noch keine Impfungen gab, haben wir vorübergehend den kompletten Betrieb auf zwei Schichten aufgeteilt und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich Netztechnik auf zusätzliche Standorte verteilt, um noch mehr Kontakte reduzieren zu können. Das hat gut funktioniert, sodass dies wieder eine Option werden kann, wenn die Infektionszahlen wegen Omikron tatsächlich rapide ansteigen. Erste Vorkehrung haben wir bereits getroffen.“

Es gäbe auch, wie bei jedem Energie- und Wasserversorger, einen Notfallplan. Bei der FWO wurde ein umfassendes Risiko- und Krisenmanagement schon vor einigen Jahren aufgesetzt. Dieses richtet sich nach den Vorgaben und Empfehlungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) für sogenannte „kritische Infrastrukturen“, zu der auch die Wasserversorgung gehört. Im Rahmen der Pandemie wurde die Wasserversorgung sogar zur systemrelevanten kritischen Infrastruktur hochgestuft.

FWO kann höhere Ausfälle der Belegschaft kompensieren

Durch entsprechende zusätzliche Schutzmaßnahmen sei man in der Lage, auch höhere Ausfälle in der Belegschaft vorübergehend zu kompensieren. Dann könne aber nicht mehr der Normalbetrieb abgewickelt werden, sondern man müsse sich auf die wesentlichen und akuten Aufgaben beschränken.

Auch seitens der Stromversorger sind, wie beim Wasser, keine Ausfälle aufgrund der pandemischen Lage zu befürchten, auch hier wurden entsprechende Maßnahmen getroffen.

Somit kann die Landkreis-Bevölkerung in Bezug auf Rettungs- und Notfallszenarien wie auch bei der Wasser- und Energieversorgung beruhigt in die nahe Zukunft blicken. Es bleibt zudem noch die Hoffnung, dass – nach Aussage führender Virologen – die Infizierung mit der Covid-19 Omikron-Variante einen relativ milden Verlauf nimmt und somit das Risiko krankheitsbedingter Ausfälle weniger hoch einzuschätzen ist. Auch die geplante Verkürzung der Quarantänezeiten für dreifach Geimpfte kann hier Abhilfe schaffen.