LICHTENFELS

Oberfrankens Lehrer treten für weltoffene Gemeinschaft ein

Was für ein Vertrauensbeweis für den wiedergewählten BLLV-Bezirksvorsitzenden Henrik Schödel: 104 Ja-Stimmen in geheimer Wahl und lediglich eine Enthaltung! Das ist höchster Rückhalt für eine starke Arbeit auch in schwierigster Zeit. Foto: Rainer Glissnik

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Schwierige Zeiten wie jetzt können auch Kräfte freisetzen und Menschen zusammenschweißen. Deutlich wurde dies bei der vom vorigen Jahr verschobenen Bezirksdelegiertenversammlung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnen-Verbandes (BLLV) Oberfranken. Sämtliche Funktionsträger wurden (online) in geheimer Wahl ohne Gegenstimme gewählt. Bezirksvorsitzender Henrik Schödel wurde mit lediglich einer Enthaltung und 104 Ja-Stimmen in seinem Amt bestätigt.

„Wir wollen, dass unsere Kinder in einer weltoffenen Gesellschaft leben“, betonte Bezirksvorsitzender Henrik Schödel. „Unsere Kinder sollen Respekt, Wertschätzung und Interesse für die anderen Menschen erleben und leben - unabhängig davon, welcher Religion sie angehören, welche Hautfarbe sie haben, welche Muttersprache sie sprechen und welche Meinung sie vertreten.“

„Wir erleben eine Aggressivität, eine Sprache des Hasses, der Geringschätzung und Diskriminierung. Diese Verrohung des Umgangs wirkt sich auch auf unsere Kinder und Jugendlichen aus.“
Henrik Schödel, BLLV-Bezirksvorsitzender

Viele Pädagogen beobachteten mit größter Sorge, wie sich die Stimmung, die Kommunikation in den sozialen Netzwerken und die alltäglichen Umgangsformen verändern. „Wir erleben eine Aggressivität, eine Sprache des Hasses, der Geringschätzung und Diskriminierung. Diese Verrohung des Umgangs miteinander wirkt sich auch auf unsere Kinder und Jugendlichen aus.“

Die Lehrer sähen den Grundkonsens im Land bedroht. Sie beobachteten, wie die Gesellschaft gespalten und Menschen emotional aufgehetzt werden. Extreme Gruppierungen und Personen, insbesondere Repräsentanten der Rechtspopulisten und Rechtsextremen, trügen zu dieser Verrohung des Umgangs maßgeblich bei. „Hass, Aggressionen und Angst aber zerstören Gemeinschaft – egal, ob im Klassenzimmer, in der Schule oder zwischen den Nationen Europas.“ Sachliche und respektvolle Kontroversen würden dadurch zunehmend erschwert.

Pädagogen wünschen sich mehr Anerkennung

Die an den Schulen und in Kindertagesstätten Wirkenden wünschten sich mehr Anerkennung. Wesentlich sei es für sie, Kinder in ihren Stärken zu unterstützen und fördern.

BLLV bedeute nicht jammern, sondern das Beste aus der Situation zu machen, unterstrich BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann, die sich mit ihren Stellvertretern Gerd Nitschke und Tomi Neckov aus München zugeschaltet hatte. Die mangelnde Wertschätzung und den Umgang miteinander sprach auch Simone Fleischmann an.

„Bleiben wir immer sachlich und professionell, auch in sozialen Netzwerken. Wir haben es nicht nötig, jemand menschlich zu verletzen.“
Simone Fleischmann, BLLV-Präsidentin

Der BLLV verstehe sich völlig anders: „Wir schätzen uns wert, wir sind eine Solidargemeinschaft, stehen zusammen, halten zusammen, vertreten uns gegenseitig, freuen uns über guten Austausch und sind ein Stück weit im BLLV zu Hause. Wir leben den respektvollen, wertschätzenden Umgang miteinander. Wir sind füreinander da und eine wertvolle Solidargemeinschaft.“ Corona mache deutlich, wie wichtig Zusammenhalt ist.

Der BLLV beziehe klar und deutlich Stellung, zeige immer auch Lösungen auf. „Bleiben wir immer sachlich und professionell, auch in sozialen Netzwerken“, rief sie auf. „Wir haben es nicht nötig, jemand menschlich zu verletzen. Wir gehen würdevoll und respektvoll mit anderen Menschen um. Auch wenn sie schlechte Politik machen oder nicht die Politik machen, die wir uns wünschen.“

Viele „Aber“ zur Förderinitiative „gemeinsam.Brücken.bauen“

In der Förderinitiative des Kultusministeriums „gemeinsam.Brücken.bauen“ sah sie viel Positives. „Dieses Förderprogramm könnte durchaus auch vom BLLV geschrieben sein.“ Leider gebe es manche „Aber“. Der akute Lehrermangel werde es schwer machen, die guten Ansätze in der Wirklichkeit umzusetzen. Ob dabei die Maßnahme „Sommerschule 21“ wirklich die Schüler erreicht, die besonderen Bedarf haben, bezweifelt sie. „Wir kritisieren nicht den Inhalt.“

Aber welches Kind, dem der durch die Pandemie erschwerte Schulalltag noch in den Knochen sitzt, habe in seinen Ferien wohl Lust, in die Schule zu gehen? Aber reichen 40 Millionen Euro? Aber wer soll es wieder richten? Die Schulleiter vor Ort sollen das zusätzlich leisten.

Die neue Führung

Neben Henrik Schödel (Naila; Rektor in Hof) als Vorsitzendem sind Gisela Jahreiß (Kreisvorsitzende in Coburg; Lehrerin in Neustadt Wildenheid-Haarbrücken) und Norbert Trütschel (Oberhaid; Rektor an der Rückert-Schule Coburg) die stellvertretenden Bezirksvorsitzenden.
Oberfrankens Lehrer treten für weltoffene Gemeinschaft ein
Was für ein Vertrauensbeweis für den wiedergewählten BLLV-Bezirksvorsitzenden Henrik Schödel: 104 Ja-Stimmen in geheimer... Foto: Rainer Glissnik

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