LICHTENFELS

Nicht jeder Lichtenfelser Stadtrat findet Windräder gut

Die Windräder bei Seubersdorf. Im Lichtenfelser Stadtgebiet ist nur eine Fläche bei Isling als Vorranggebiet für Windkra... Foto: Steffen Huber

Das Thema „Ausbau der Windenergie“ als Bestandteil der Energiewende und des Klimaschutzes ist in jüngster Zeit mehrmals durch Werkleiter der Stadtwerke, Dietmar Weiß, und in der Bauausschusssitzung am 22. Februar von Wolfgang Böhm, Geschäftsführer der Energieagentur Oberfranken, thematisiert worden. Diese Redaktion fragte bei den Stadtratsfaktionen, der AfD-Stadträtin Heike Kunzelmann sowie der Stadt Lichtenfels nach deren Standpunkten zum Thema Windenergie an.

In Teil der Antworten kommen die Fraktionen der SPD, Freien Wähler und der Wählervereinigung Leuchsental-Jura zu Wort. Die Antworten von Bündnis 90/Die Grünen, den Jungen Bürgern, Heike Kunzelmann und der Stadt Lichtenfels lesen Sie in der kommenden Ausgabe. Gerne hätten wir auch eine Stellungnahme der CSU-Fraktion veröffentlicht, allerdings ist trotz Nachfrage bis heute keine Antwort zu dem Thema bei der Redaktion eingegangen.

Konkret stellten wir folgende Fragen:

1. Wie steht Ihre Stadtratsfraktion zur Windkraft im Stadtgebiet?

2. Aktuell ist im Stadtgebiet Lichtenfels durch den Regionalplan Oberfranken-West lediglich das Vorranggebiet Isling-Nord als für Windkraft geeignet ausgewiesen (mit einem Windrad). Wo sehen Sie im Stadtgebiet weitere Potenziale für Windenergie?

3. Wie könnte Ihrer Meinung nach die Akzeptanz der Bürger für die Windkraft verbessert werden?

4. Welche Möglichkeiten hat die Stadt Lichtenfels anderweitig, an den Potentialen der Windkraft im Landkreis zu partizipieren?

Die Antworten von Dr. Arnt-Uwe Schille für die SPD:

1. Die SPD-Stadtratsfraktion steht dem Ausbau der Windkraft grundsätzlich positiv gegenüber, auch auf dem Gebiet der Stadt Lichtenfels. Ein Umstieg auf hundert Prozent erneuerbare Energien ist ohne Windenergie nicht möglich. Windkraft ist wesentlich ertragreicher als Photovoltaik, da die Anlagen leistungsstärker sind und der Wind auch nachts und im Winter weht. Dabei muss jedes Bundesland, jeder Landkreis und jede Kommune seinen beziehungsweise ihren Teil leisten.

Im Übrigen ist der notwendige Umstieg auf erneuerbare Energien nicht nur dem Klimawandel geschuldet. Vielmehr besteht eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit, da Deutschland bis auf Kohle kaum über fossile Brennstoffe verfügt und diese teuer importiert werden müssen, oftmals aus autokratischen Ländern. Zudem sind fossile Brennstoffe begrenzt verfügbar. Im Gegensatz dazu sind erneuerbare Energieträger wie Wind, Wasser und Sonne kostenlos und unerschöpflich. Energiesicherheit wird es also nur mit erneuerbaren Energien geben.

2. Potenziale sehen wir in erster Linie auf der Frankenalb, also dem Frankenjura, da hier laut bayerischen Windatlas gute Bedingungen herrschen und der Jura nicht dicht besiedelt ist. Des Weiteren wären eventuell auch höherliegende Waldgebiete eine Möglichkeit. Aber um das alles in die Tat umzusetzen, bedarf es natürlich auch die Meinung aller Lichtenfelser Bürger. Im Prinzip kommt jeder Standort in Frage, an dem eine wirtschaftliche Nutzung sinnvoll erscheint.

3. Zum einen durch einen möglichst großen Abstand zur nächsten Bebauung und einer entsprechenden Mitsprache der Anwohner, zum anderen durch Aufklärung über die Notwendigkeit des Ausbaus. Zudem halten wir eine Beteiligung der Anwohner und der Bürgerschaft am finanziellen Ertrag der Windkraft für notwendig.

Die SPD-Stadtratsfraktion strebt seit vielen Jahren die Gründung einer Energiegenossenschaft unter Regie der Stadtwerke an, die der Bürgerschaft die Möglichkeit einer Beteiligung bietet. Ein entsprechender Antrag wurde im Stadtrat gestellt.

4. Da die Stadt Lichtenfels als einzige Kommune über Stadtwerke verfügen, wäre eine technische und verwalterische Unterstützung und Betreuung von Windkraftanlagen im Landkreis möglich. Dabei wäre eine gemeinsame Gesellschaft der Landkreiskommunen in einem Energieverbund sicher hilfreich, auch in insbesondere bei der Projektierung und Umsetzung von Anlagen für regenerative Energien und von denkbaren Energiespeichermöglichkeiten, um Stromerzeugungsspitzen und -täler abzufedern.

Beim Weismainer Ortsteil Seubersdorf stehen die meisten der Windräder im Landkreis Lichtenfels. Foto: Steffen Huber

Die Antworten von Dr. Christopher Bogdahn für die Freien Wähler:

Die Fraktion der Freien Wähler Lichtenfels sieht den Klimawandel und die Notwendigkeit des Umstiegs auf regenerative Energien als eines der wichtigsten Themen unserer Zeit an. Hier muss jede Gemeinde und jeder Landkreis seine Hausaufgaben machen!

Leider wird der Ausbau der Windkraft auf Landesebene jedoch weiterhin blockiert – hier muss ein Umdenken stattfinden und auch von kommunaler Ebene aus Druck gemacht werden. Erst dann können die Gemeinden in die Planung gehen, Flächen ausweisen und erschließen.

Wichtig ist hier, die Bürger mitzunehmen! Dies könnte zum Beispiel auch durch finanzielle Teilhabe (Stichwort: Bürger-Genossenschaften) geschehen. Letztlich sind Windkraftanlagen aber tatsächlich optisch auffälliger und gegebenenfalls auch „störender“ als zum Beispiel Solarparks in Nischenlagen oder Autobahnnähe. Auch für die Tierwelt stellen sie teilweise eine Gefahr dar. Daher muss bei diesem Thema mit Fingerspitzengefühl vorgegangen werden, und die Bürger und Naturliebhaber müssen offen und frühzeitig involviert werden.

Die Antworten von Roland Lowig für die WLJ

Für uns als Wählervereinigung-Leuchsental-Jura ist Windkraft nur mit Zustimmung der betroffenen Bürger möglich, da unsere momentane Gesetzgebung in Bayern ein unterschreiten der 10H-Regelung nicht ohne die Zustimmung der Bürgerschaft vorsieht.

Zudem stellen jene Anlagen einen großen Eingriff in unsere heimische Flora und Fauna dar, welcher nicht unerhebliche Auswirkungen auf Mensch und Tier hat. Außerdem stellt die Tatsache, dass auf dem Jura mehrere Brutpaare des Uhus sowie des roten Milans ansässig sind, ein weiteres Ausschlusskriterium dar.

Zurückliegende Versuche , Windkraftanlagen im Stadtgebiet zu errichten, sind an den vorher genannten Punkten, nämlich der Akzeptanz der Bürgerschaft, sowie Bestimmungen hinsichtlich des Naturschutzes, gescheitert.

Daher ist es im Stadtgebiet aus unserer Sicht nur schwer möglich, Windkraftanlagen zu errichten.

Wir als Wählervereinigung-Leuchsental-Jura würden ein Forcieren von Photovoltaikanlagen auf Dächern unserer Kommune für sinnvoller erachten, wie bereits im Antrag vom 14. April 2010 von uns eingebracht wurde. Auch über ein Anmieten von geeigneten Dachflächen seitens unserer Stadt, sollte in diesem Zusammenhang nachgedacht werden, um für unsere Zukunft die Energiewende voranzutreiben.

 

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