COBURG

Neues Regiomed-Lungenzentrum soll Kräfte bündeln

Neues Regiomed-Lungenzentrum soll Kräfte bündeln
Das Netzwerk des neuen Lungenzentrums. Foto: red

 

Lichtenfels/Coburg Vor einigen Tagen erfolgte die Gründung des Regiomed-Lungenzentrums am Standort Coburg. Hierzu standen Krankenhausdirektorin Stefanie Straub, Dr. Claus Steppert, der Leiter des Lungenzentrums und Chefarzt der Fachabteilung für Pneumologie, sowie Dr. Zsolt Sziklavari, der Chefarzt der Thoraxchirurgie, Rede und Antwort.

frage: Mit welchem erklärten Ziel treten Sie mit dem Regiomed-Lungenzentrum an?

Stefanie Straub: Regiomed legt im Rahmen seiner Medizinstrategie den Fokus auf Vernetzung von Sektoren, zum Beispiel ambulant und stationär, von Klinik-Standorten und medizinischen Fachrichtungen. Der einzelne Klinikstandort wird dabei Teil eines Kompetenz-Netzwerks. Unsere Patienten werden von diesem strukturellen Umbau und von der Bündelung unserer Kräfte und des Know-Hows nachhaltig profitieren.

Claus Steppert: Ziel des Lungenzentrums ist die ganzheitliche Diagnostik und Behandlung aller Erkrankungen der Lunge und der Atemwege. Wichtig ist uns dabei vor allem die Interdisziplinarität und die Vernetzung mit den weiterbehandelnden niedergelassenen Ärzten, wie Pneumologen, Internisten oder Hausärzte.

Zsolt Sziklavari: Dieses innovative Kooperationsmodell soll allen Patienten aus Oberfranken und Südthüringen mit Lungenkrankheiten die Möglichkeit bieten, wohnortnah nicht nur schnell und kompetent behandelt, sondern auch abgestimmt nachversorgt zu werden.

Steppert: Zudem ist es uns wichtig, dass wir mit unserer Gründung ein Bewusstsein in der Öffentlichkeit für Erkrankungen der Lunge und der Atemwege in der Bevölkerung schaffen.

Welche Erkrankungen werden im Lungenzentrum behandelt?

Steppert:

 

Durch die breite, interdisziplinäre Aufstellung können alle Erkrankungen der Lunge und Atemwege diagnostiziert und mit Ausnahme der Lungentransplantation auch behandelt werden.

Straub:

Neues Regiomed-Lungenzentrum soll Kräfte bündeln
Stefanie Straub, Krankenhausdirektorin am Regiomed-Klinikum Coburg. Foto: red

Zudem können wir, falls es weiterhin einen so hohen Bedarf bei der Versorgung von außerklinisch beatmeten Patienten gibt, die Planungen für die Errichtung einer Beatmungseinheit und eines Schlaflabors noch für 2021 am Standort Coburg vorantreiben.

Warum ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb des Lungenzentrums essentiell?

Steppert:

Die Lunge ist dadurch, dass sie neben dem Herzen als einziges Organ mit dem gesamten Blutvolumen durchblutet ist, eng mit den anderen Organen verbunden. So finden sich regelmäßig Auswirkungen von anderen Erkrankungen auf die Lunge und umgekehrt. Weiterhin sind die operationsbedürftigen Befunde meist Ausdruck oder Folge einer Erkrankung der Lunge oder der Atemwege. Dementsprechend ist auch während einer operativen Behandlung eine gleichzeitige Behandlung der Grunderkrankung notwendig. Durch die Fusion von Pneumologie und Thoraxchirurgie innerhalb des Lungenzentrums wird diesen Umständen Rechnung getragen.

Sziklavari:

Die meisten gutartigen Erkrankungen der Lunge und Atemwege sind chronische Erkrankungen, die auch nach Entlassung konsequent behandelt werden müssen. Deshalb ist uns auch die enge Vernetzung mit den niedergelassenen Kollegen so wichtig. Das Lungenkrebszentrum wird Teil des onkologischen Zentrums von Regiomed und eng mit den dort tätigen Spezialisten zusammenarbeiten. Um die hohe Versorgungsqualität gewährleisten zu können, nutzen wir die gebündelte Expertise in allen unserem Netzwerken für die bestmögliche Behandlung unserer Patienten.

Welche Vorteile bietet das Lungenzentrum für die Patienten der Region? Bieten Sie auch Sprechstunden an anderen Standorten innerhalb von Regiomed an?

Steppert:

Die pneumologische Basisversorgung wird weiterhin in den miteinander vernetzten Regiomed-Kliniken angeboten. Die Spezialisten des Lungenzentrums stehen aber auch den Kollegen in den anderen Kliniken mit ihrem Erfahrungsschatz zur Seite. Der entscheidende Vorteil liegt somit darin, dass alle Patienten unabhängig vom Wohnort und des jeweiligen Klinikstandortes immer von der gesamten Expertise unseres Netzwerks profitieren. So können wir die Bevölkerung unserer Region mit rund 400 000 Einwohnern heimatnah in ihrer Region mit hoch spezialisierten medizinischen Leistungen behandeln.

Sziklavari:

Durch die Vernetzung mit den niedergelassenen Kollegen findet die ambulante Versorgung in erster Linie bei den niedergelassenen Kollegen selbst statt. Bei schwierigen Behandlungsfällen können diese jedoch in enger Rücksprache mit uns auch im teilstationären Setting behandelt werden, zum Beispiel im Schlaflabor. Grundsätzlich soll jedem Lungen-Patienten durch unsere Zusammenarbeit eine kompetente und wohnortnahe Behandlung angeboten werden, egal, ob Patienten ambulant oder stationär versorgt werden.

Im Regiomed-Lungenzentrum sind auch niedergelassene Ärzte involviert. Wie schaffen Sie hier einen regelmäßigen Austausch? Und welchen Vorteil bietet diese sektorübergreifende Verzahnung den Patienten?

Steppert:

Neues Regiomed-Lungenzentrum soll Kräfte bündeln
Dr. med. Claus Steppert, Leiter des Regiomed- Lungenzentrums. Foto: red

Die meisten Erkrankungen der Lunge und Atemwege sind chronische Erkrankungen, die auch nach Entlassung konsequent behandelt werden müssen. Deshalb ist uns auch die enge Vernetzung mit den niedergelassenen Kollegen so wichtig. Im Hinblick auf schwierige Diagnosen wurde bereits eine wöchentliche Lungenkonferenz eingerichtet, bei der die Spezialisten des Lungenzentrums sowohl von den niedergelassenen Kollegen konsultiert als auch weitere Diagnostik- und Behandlungsschritte gemeinsam festgelegt werden. Außerdem bieten wir für die niedergelassenen Kollegen Telekonsile an.

Warum kommt es zu einer Zunahme von Lungenkrankheiten? Steppert:

Wir atmen am Tag etwa 15 000 bis 20 000 Liter Luft ein- und aus. Durch gasförmige Schadstoffe oder Aerosole kann es dann zu einer erheblichen Belastung der Lunge kommen. Von der freiwilligen Zerstörung der Lunge im Rahmen des Rauchens ganz zu schweigen! Auch alternative Inhalationsprodukte wie die E-Zigaretten schädigen nachweislich die Lunge. Von der Natur wurden wir zum Atmen sauberer Luft geschaffen!

Sziklavari:

Laut der Europäischen Lungen-Stiftung gehören die Lungenerkrankungen zu den schwerwiegendsten gesundheitlichen Problemen weltweit und sind allein für ein Sechstel aller Todesfälle verantwortlich. Die Auswirkungen von Lungenerkrankungen sind heute ebenso dramatisch wie zur vorigen Jahrhundertwende. Daran wird sich voraussichtlich auch in den nächsten Jahrzehnten nichts ändern.

Gehen Sie davon aus, dass Sie künftig mehr Patienten mit Lungenproblemen (Long-Covid) durch das Corona-Virus in Ihren Sprechstunden sehen werden? Steppert:

Wurde Covid-19 vor einem Jahr noch weitgehend als (isolierte) Erkrankung der Lunge angesehen, wissen wir heute, dass die Lunge zwar die Eintrittspforte ist, aber auch andere Organe betroffen sind. Auch hier ist wieder die Interdisziplinarität gefragt. Nachdem die ambulante Versorgung bei den niedergelassenen Partnern erfolgt, findet dort der Erstkontakt der Patienten mit Long-Covid statt. Aber wir sehen auch zunehmend Patienten mit diesen Beschwerden zur weiteren Abklärung in der Klinik.

Sziklavari:

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PD. PhD. Dr. med. Univ. Zsolt Sziklavari, Chefarzt der Thoraxchirurgie am Regiomed-Klinikum Coburg. Foto: red

Die ersten Long- oder Post-Covid-Patienten sind schon bei uns zur Behandlung. Aus chirurgischer Sicht wird die Erkrankung in der Zukunft noch viele Probleme verursachen. Denn auf Grund der Vernarbung der Lunge nach einer Covid-Infektion verschlechtert sich die Qualität des speziellen Lungengewebes, das für die Atmung zuständig ist. Weiterhin ist durch die Erkrankung mit einer Verschlechterung der Lungenfunktion zu

rechnen. Diese ist aber besonders bei allen Operationen, für die eine Beatmung notwendig wird, entscheidend.

In der Folge müssten bei besonders gravierenden Fällen notwendige Operationen gegen das höhere Risiko eines weiteren Funktionsverlusts der Lunge abgewogen werden.

Aus Ihrer Sicht: Wie wird sich Corona langfristig auf Ihre Arbeit im Lungenzentrum auswirken? Steppert:

Diese Frage erfordert ein wenig den Blick in die Kristallkugel. Überträgt man die Langzeitfolgen der ersten Sars-Epidemie in den frühen 2000-er Jahren auf Sars-CoV-2, werden schätzungsweise 30 Prozent der Covid-19-Erkrankten langfristige Probleme mit der Lunge haben.

Straub:

Wir sehen uns mit unserer neuen Struktur und besonders durch die Gründung des Lungenzentrums gut gerüstet für diese und auch für alle weiteren Herausforderungen

 

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