LICHTENFELS

Neue Serie: Starten Sie ihr Corona-Projekt

Zum Pflastern einer kleinen Terrasse vor dem Haus hat unser Redakteur Gerhard Herrmann die Zeit in der Pandemie genutzt. Foto: Kornelia Herrmann

Zu Hause bleiben und Kontakte vermeiden, um sich und andere zu schützen, lautet das Mantra der Corona-Pandemie. Selbst wenn man wollte – außer spazieren gehen, geht zur Zeit wenig. Und Freunde soll man ja möglichst nicht treffen. Davor war's ja auch nicht viel besser. Während Pfleger und Ärzte im Dauerstress sind, haben wir gewöhnlichen Sterblichen plötzlich viel Muße. Was machen Sie denn so, um die unendliche Zeit, die der Lockdown uns beschert hat, zu nutzen? Dank Kurzarbeit und Ausgehverbot stürze ich mich auf Arbeiten, vor denen ich mich sonst drücke.

Auch wenn die Bundesregierung damit wirbt, dass es schon ausreiche, zu Hause auf dem Sofa zu sitzen, um ein Held zu sein, füllt mich das auf die Dauer nicht so recht aus. Mein erstes Corona-Projekt im vergangenen Frühjahr war der Bau einer Terrasse. Angesichts immer heißerer Sommer sitzen wir häufig vordem Haus, auf dem schattigen Plätzchen neben der Haustür. Das sieht man dem ohnehin schütteren Rasen, der dort ein wahres Schattendasein führt, auch an. Daher wünschte sich meine Frau seit längerem eine ansehnliche Befestigung. Halten Sie mich bitte nicht für einen Fan von Christian Lindner, aber bevor ich etwas falsch mache, lasse ich es lieber erst mal. Daher war das zu Hause lange ein heikles Thema.

Aus alten Sandsteinplatten entsteht eine Terrasse

Jetzt noch Gartenstühle aufstellen und sich zurücklehnen. Foto: Kornelia Herrmann

Doch dank Corona-Pause entdeckte ich bei einem Streifzug durch unseren Garten einen Stapel Sandsteinplatten, die wir mal aus einem Container gerettet hatten. Ideales Baumaterial. Und da zufällig die Baumärkte nach dem ersten Lockdown wieder öffneten, hatte ich keine Ausrede mehr, Splitt für die Befestigung des Untergrunds zu besorgen. Das schwierigste war die Abmessung und Nivellierung der Fläche, damit's auch gleichmäßig wird. Was folgte, war mehr oder weniger ein Puzzle-Spiel, da die alten Steinplatten keiner DIN-Norm entsprechen. Doch genau das machte den Spaß an der Arbeit aus. Entstanden ist ein rustikales Geviert, auf dem wir viele Sommerabende genossen haben.

Etwas bewegen, in einer Zeit, in der sich notgedrungen wenig bewegt

Groß ist die Freude darüber, dass der im Herbst versetzte Fächerahorn ausgetrieben hat. Foto: Kornelia Herrmann

Nach dieser Fingerübung habe ich mich im Herbst ans Versetzen eines japanischen Ahorns gewagt, der nach fast 20 Jahren unter den Nachbarbäumen zu ersticken drohte. Es war eine echte Plackerei, die Wurzeln in einem Meter Umkreis um den Stamm freizulegen – zumal der Lehmboden so verdichtet wie Zement war. Nach schweißtreibenden Tagen war es so weit: Der Wurzelballen gab nach, und meine Freude war groß. Umso größer war sie jetzt, als der Baum wieder austrieb. Zarte grün-rote Blättchen leuchten nun in der Frühlingsonne.

Nach mehr als 20 Jahren hat der Ahornbaum einen neuen Standort gefunden. Foto: Kornelia Herrmann

Aber wie's so ist, wenn's einen mal gepackt hat: Es geht weiter. Tut ja auch gut, etwas zu bewegen, in einer Zeit, in der sich sonst notgedrungen kaum etwas bewegt. So früh wie heuer hatte ich unsere Obstbäume noch nie beschnitten. Eine kleine Blumenwiese habe ich angelegt und zurzeit bin ich grade dabei, unsere altersschwachen Gartenmöbel zu leimen und zu ölen ... Wer weiß, wo das noch hinführt. Hoffen wir, dass die Seuche bald vorbei ist, sonst werd' ich noch zum Workaholic. Obwohl meine Frau meint, diese Gefahr sei nicht sehr groß.

Und ihr Corona-Projekt? Schreiben Sie uns über ihre Erfahrungen

Und was ist Ihr Corona-Projekt? Wie haben Sie die lange Zeit des Lockdown oder der Kurzarbeit genutzt? Haben Sie ein neues Hobby entdeckt, vielleicht Stricken, Tischlern oder eine Sprache gelernt oder mal den Dachboden entrümpelt? Man hört ja auch von besonders Kreativen, die virtuelle Plattformen entwickelt oder ein Hilfsangebot ins Leben gerufen haben.

Lassen Sie andere teilhaben an Ihren Erfahrungen und schreiben Sie uns über Ihre Erlebnisse mit Ihrem Corona-Projekt. Ideal wäre etwa eine DIN–A4-Seite plus Fotos per Mail an redaktion@obermain.de.

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