LICHTENFELS

Neue Filmbühne: Mit James Bond und Popcorn

Neue Filmbühne: Mit  James Bond und Popcorn
Anita Kneup im Sauseschritt, denn das Popcorn fand guten Absatz bei Interessenten. Foto: Markus Häggberg

Wenn man das Kino von außen betrachtet, dann könnte man falsche Schlüsse zu Corona und seinen wirtschaftlichen Folgen ziehen. Denn im Aushang der Programmschaukästen hängen keine Filmplakate und auch sonst nichts. Noch nicht mal ein aufmunternder Gruß an die Besucher. Wer jetzt im Kino anruft, bekommt es zudem nur mit dem Anrufbeantworter und der Stimme von Bernd Hidding zu tun.

Neue Filmbühne: Mit  James Bond und Popcorn
Familie Kase nutzte die Gelegenheit, ihren Freitagnachmittag mit warmem Popcorn zu bereichern. Foto: Markus Häggberg

Doch Hidding ist seit einiger Zeit nicht mehr als Kinoleiter für die Neue Filmbühne tätig. Zählt man dann eins und eins zusammen, hat man ein Gerücht. Doch das Kino schließt nicht, es lebt. Am Freitag kam es zu einem duftenden Lebenszeichen und einer Zukunftsaussage seitens der Betreiberin.

Nur ein Gerücht und mehr nicht

Anita Kneup kennt das Gerücht. Die Kino-Mitarbeiterin sagt: „Ich habe auch schon gehört, dass Leute sagen, dass das Kino schließen wird. Aber das hat mich nicht beunruhigt, weil ich mit der Chefin Kontakt habe.“

Sie sagt das gewissermaßen zwischen Tür und Angel, denn sie muss sich sputen. Schon wieder nämlich hat ihr Kollege Noah Fiedler Portionen frisches Popcorn zum Abholen bereit gemacht. Kneup nimmt die Tüten und trägt sie zum Abholbereich am Eingang. Hier stehen zwei Tische im 90°-Winkel zueinander, und einer ist sogar mit Plexischeibe versehen. Sie verwehren den direkten Zugang zum Raum und machen klar, dass an dieser Schwelle die Übergabe stattfindet.

Neue Filmbühne: Mit  James Bond und Popcorn
Anita Kneup an der Popcorn-Maschine. Foto: Markus Häggberg

Dann und wann steigen Menschen hier in den 1. Stock der Adresse Bamberger Straße 3 empor, um Eimer mit Popcorn oder Nachos mit Käse abzuholen. Auf Vorbestellung freilich und innerhalb einer zeitlichen Frist. Immerhin soll das Popcorn ja noch warm sein. Jetzt ist Kneup wieder unterwegs. Wie so oft trägt sie in der linken wie in der rechten Hand Tüten, legt sie auf einem der Tische ab und widmet sich durch die Scheibe einem Abholer.

FFP2-Masken hüben wie drüben, so wie die Freude darüber, dass etwas vorangeht. Alles andere wäre auch von besonderer Bitterkeit, denn gerade 2021 ist für das Lichtenfelser Kino nicht irgendein Jahr – es ist das 100. Jahr des Bestehens.

„Das schönste Kino im Umkreis“

Neue Filmbühne: Mit  James Bond und Popcorn
Zu den Popcorn-Bestellern und Aktionsbefürwortern zählte auch Felix Rubenbauer. Er griff gleich doppelt zu. Foto: Markus Häggberg

Von 16.30 bis 19.30 Uhr lautete das Versprechen auf frisches Popcorn. Eine der Familien, die als erste davon Gebrauch machte, ist die Familie Kase. Kurz von 17 Uhr steigt sie die Treppen hoch und holt ihre Bestellung ab. „Ich habe es in Facebook gelesen, dass man Popcorn kaufen kann“, erklärt Familienvater David Kase zu seiner Informationsquelle. Vom Lichtenfelser Kino hält er viel und er drückt sein Bedauern darüber aus, dass es derzeit nicht geöffnet haben kann.

Früher sei man „öfter mal ins Coburger Kino gegangen, aber das Lichtenfelser ist das schönste im Umkreis“, so sein Fazit. Abgesehen davon schmeckt Popcorn „auch besser aus dem Kino“ als wenn man es von sonst wo her holte. Dann verabschiedet sich die Familie mit einer gewissen Vorfreude, denn einem Schulfreund von Tochter Sophie und einem Patenkind soll auch noch etwas mitgebracht werden.

Einige Aktionen sind schon geplant

Felix Rubenbauer gehört in gewisser Weise zur Geschichte des Hauses. „Ich habe hier mal gejobbt“, sagt er. Vor ein paar Tagen habe er via Facebook von der heutigen Aktion erfahren. „Aber dann habe ich es vergessen und dann, heute beim Mittag, sind wir aufs Thema gekommen, dass wir uns mal wieder Popcorn besorgen können – da fiel mir ein: „Da war doch was!“ Als er das sagt und seine Tüten mit Popcorn in Empfang nimmt, ist ein Punkt erreicht, bei dem schon die Notwendigkeit dafür besteht, dass sich drei Leute hinter der Theke um die Bewältigung der Abholabläufe kümmern. Zeit also auch für ein Telefonat mit Yvonne Ralfs, der Prokuristin des Kinos.

Neue Filmbühne: Mit  James Bond und Popcorn
Dass es derzeit keine Filmplakate geben kann, ist klar. Doch dass hinter den Scheiben auch nichts Aufmunterndes zu lesen... Foto: Markus Häggberg

Dem Gerücht einer womöglich durch Corona bedingten Schließung begegnet sie überrascht. Vor wenigen Tagen gab es im Obermain-Tagblatt den ersten Teil einer kleinen Serie über das heimische Kino, unter anderem mit Bildmaterial der berühmten Murnau-Stiftung. „Wir sind gerade am Umstrukturieren, haben viele Pläne und wollen im Gegenteil viele Aktionen einbringen“, so die Frau gegenüber der OT-Redaktion zur Zukunft der Neuen Filmbühne.

Dann wird sie konkreter: „Wir haben vor, die Klimaanlage zu erneuern (…) und wollen im Haus so allerlei kleine Sachen reparieren.“ Auch denke man in bisher ungedachte Richtungen, beispielsweise hin zum Veranstalten von Lesungen. „Uns schweben schon einige Sachen im Kopf“, versichert sie. Dann ist das Gespräch auch schon vorüber und Anita Kneup nimmt den Hörer an sich und hängt ein. Bei 20 Euro, so sagt sie, läge der Wert der meisten Bestellungen. Sie sagt es zu einer Zeit, in der das Geschäft etwas anzieht.

Denn waren es in den ersten Viertelstunden noch je drei Abholer, so kommen jetzt zwischen vier und fünf die Treppen hoch. Vorbei an Filmplakaten wie dem vom neuesten James Bond. Das Jahr 2021 steht auch für ihn unter dem Motto: „Keine Zeit zu sterben.“

 

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