LICHTENFELS

Natur am Obermain: Für Detektive und Abenteurer

Anton Reinhardt ganz Ohr: Das Foto vom Wildkatzenpfad mit seinen sieben Stationen zeigt einen von zwei Hör-Trichtern, der die Geräusche der Umgebung und der Ferne verstärkt, um den sehr guten Gehörsinn der Wildkatze nachzuempfinden. Foto: Red

In Zeiten von Corona bietet sich die Chance, die nähere Umgebung unserer Heimat und ihre biologische Vielfalt besser kennen zu lernen. Einige Tipps für Mitmachaktionen in der Natur für jung und alt hat die Kreisgruppe des Bund Naturschutz parat. Was sie dafür brauchen? Ein klein wenig Abenteuerlust und Neugier, ein detektivisches Gespür und vor allem eins - viel Freude am Erkunden ihrer Umwelt. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt hat da einige Ideen zum Entdecken, Ausprobieren und Staunen.

Bei einem Waldspaziergang entlang des Wildkatzenpfades im Banzer Forst kann man nicht nur viel Wissenswertes über den scheuen Waldbewohner erfahren, sondern auch selbst mit allen Sinnen die besonderen Fähigkeiten der Wildkatze nachempfinden: Beispielsweise geschicktes Balancieren auf Baumstämmen, mit dem Fernglas Waldtiere entdecken, mit Hörrohren das Hinhören im Wald noch bewusster erleben, die Rindenstruktur verschiedener Laub- und Nadelhölzer ertasten, den Duft der Lindenblüten oder Stinkmorcheln riechen, aber auch das eigene Weitspringvermögen mit dem anderer Tiere an einer kleinen Sprunggrube testen.

Wer noch mehr entdecken und erforschen möchte, kann sich mit folgenden Experimenten der Natur und den Naturgesetzen nähern:

Fliegende Baumsamen und Bewegungstricks bei Pflanzen

Zapfen sind schützende Behälter für die Samen von Nadelbäumen. Die Samen liegen in kleinen Vertiefungen auf der Innenseite der Zapfenschuppen. Damit sie möglichst ideale Flugbedingungen haben, lassen die Zapfen sie nur bei trockenem Wetter frei. Ist es also warm und sonnig, öffnen sich die Zapfen, die Samen können heraussegeln. Ist es feucht, bleiben die Zapfen geschlossen. Reife Fichten-, Kiefern- und Lärchenzapfen fallen komplett ab.

Samen findet man in den abgefallenen Zapfen meist nicht mehr. Vielleicht kann man aber welche auf dem Waldboden entdecken. Oft werden Fichtenzapfen fälschlicherweise als „Tannenzapfen“ bezeichnet. Tannen werfen ihre Zapfen jedoch nicht im Ganzen ab. Sie zerfallen noch am Zweig in die einzelnen Schuppen. Übrig bleibt die aufrechtstehende Spindel, an der die Zapfenschuppen festgewachsen waren. Tannen sind bei uns relativ selten.

Übrigens: Die Schuppenbewegung wird durch einseitiges Aufquellen oder Zusammenschrumpeln (je nach Wassergehalt) bestimmter Zellen am Schuppenstiel ermöglicht.

Die elastische „Haut“ des Wassers

Dass dieser Trick funktioniert, liegt an der Oberflächenspannung des Wassers: Die Wassermoleküle in der obersten Schicht hängen etwas zäher zusammen als in tieferen Bereichen, sie bilden eine elastische Außenhülle.

Das kann man zum Beispiel sehen, wenn man ein Glas füllt und sich das Wasser etwas über den Rand hinaus wölbt.

Beim Wasser-Eindellen ist Fingerspitzengefühl gefragt. Foto: Marco Fischer

Uns Menschen trägt die zarte „Wasserhaut“ leider nicht, doch eine Kiefernnadel oder ein Wasserläufer ist leicht genug. Seine Füße liegen flach auf, das Gewicht wird zusätzlich durch Härchen verteilt. So dellen sie die Haut des Wassers nur ein bisschen ein, was man bei genauem Hinsehen auch beobachten kann.

Die Oberflächenspannung nutzen nicht nur Kleintiere, um übers Wasser zu laufen. Wasserschnecken gleiten von unten über die Teichoberfläche und „grasen“ schwimmende Algen ab. Pflanzen nutzen den Effekt, um Wasser vom Boden in die Blätter zu „ziehen“.

Übrigens: Man kann die Tragfähigkeit der Kiefernnadel erhöhen, indem man sie vorher mit etwas Talg einfettet: Reiben Sie sie dazu mit leichtem Druck über deine Stirn. Sobald die Nadel allerdings einmal richtig nass geworden ist, funktioniert das Experiment nicht mehr.

Kingel aus den Stängeln des Löwenzahns basteln

So geht‘s: Schneide den Stängel einer Löwenzahnblüte wie abgebildet der Länge nach ein (1) und tauche ihn in Wasser (2). Er kringelt sich wie Locken (3).

Noch ein Tipp: Die Kringel bleiben erhalten, wenn man den Stängel herausnimmt. Man kann sie aber wieder glätten, indem man das Wasser stark zuckert und den Stängel erneut hineintaucht.

Grund für die Entstehung der Kringel ist die sogenannte Osmose: Der Saft der Pflanzenzellen enthält viele gelöste Stoffe, vor allem Zuckermoleküle, die sich gern mit möglichst vielen Wasserteilchen umgeben. Werden die Pflanzenstücke untergetaucht, „saugen“ diese Inhaltsstoffe sozusagen zusätzliches Wasser durch die durchlässige Zellwand nach innen und halten es dort fest. Dadurch erhöht sich im Inneren der Zellen der osmotische Druck (=Turgor), und die Zellen quellen auf. Da aber die Außenhaut des Löwenzahnstängels relativ dickwandig und steif ist, dehnen sich nur die inneren Zellen aus, und die Stängelstreifen kringeln sich. Wenn man nun das umgebende Wasser stark zuckert, sind irgendwann die Zuckermoleküle außerhalb der Zellen in der Überzahl und ziehen das in die Zellen eingedrungene Wasser wieder heraus.

Übrigens: Mit Stängeln kann man noch mehr Interessantes anfangen, zum Beispiel geheime Botschaften schreiben oder malen. Verfasse mit dem weißen Saft der Stängel eine Nachricht auf einem Papier und lege dieses in die Sonne. Durch den Einfluss von Luftsauerstoff und Sonnenlicht färbt sich der weiße Saft braun – die Botschaft wird sichtbar. Dieser Vorgang heißt Oxidation.

Blaue Blüten erröten, wenn man sie in einen Ameisenhaufen hält

Bitte beachten: Waldameisen stehen unter Naturschutz. Passen Sie daher bitte auf, dass Sie ihren Haufen nicht beschädigen. Berühren Sie die Ameisen nicht direkt, denn Ameisensäure brennt auf der Haut. Bitte achten Sie auch darauf, keine geschützten Pflanzenarten zu pflücken.

So geht‘s: Wenn Sie an einem Ameisenhaufen vorbeikommen und in der Nähe auch noch blaue Blumen, zum Beispiel Glockenblumen entdecken, versuchen Sie Folgendes: Streichen Sie mit einer Blüte über den Ameisenhaufen. Die Ameisen fühlen sich von dem vermeintlichen Eindringling sofort bedroht. Sie greifen die Blüte an, indem sie sie mit Säure anspritzen. Die Blüte färbt sich an diesen Stellen rot.

Wetterbericht mittels Zapfen: Das geht. Foto: Marco Fischer

Ameisen sind eng mit den Bienen und Wespen verwandt, und wie diese besitzen sie Giftdrüsen im Hinterleib. Ein wichtiger Bestandteil des Ameisengifts ist ein simpler Stoff mit der chemischen Formel HCOOH, bekannt als Ameisensäure. Die Waldameisen versprühen zerstäubte Wölkchen davon, um Feinde auszuschalten oder zu vertreiben. Neben den Ameisen nutzen unter anderem manche Skorpione, Käfer oder Quallen Ameisensäure zur Verteidigung oder zum Beutefang.

Beim Menschen äußert der Kontakt sich durch Brennen und Quaddelbildung. Manche Ameisenarten wie die Rote Gartenameise besitzen sogar einen kleinen Stachel, mit dem sie die Säure wirkungsvoll unter die Haut platzieren – es handelt sich bei den unangenehmen Begegnungen also nicht um Bisse sondern um Stiche. Man kennt den Schmerz von der Brennnessel: Sie nutzt eine ähnliche Technik und verwendet denselben Stoff.

Der blaue Farbstoff der Glockenblumenblüte reagiert auf den Säuregehalt der Umgebung, den pH-Wert: Im basischen Bereich ist er blau, im sauren wechselt er ins Rote. Auch andere Blüten wie die Frühlingsplatterbse besitzen diese Farbstoffe. Die Blütenfarben sind für die Pflanzen wichtig. Sie locken bestäubende Insekten an und schützen die Zellen vor UV-Strahlung.

Weitere Tipps können dem Band „Trickkiste der Natur“ entnommen werden, das bei der BN-Service GmbH käuflich erworben werden kann.

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