LICHTENFELS

Nachzügler Lichtenfels schließt auf

Im Rahmen des neuen Projekts „Demokratie leben“ steht zuoberst auf einer Vorschlagsliste der Stadt eine Jugendbürgerversammlung. Eine solche gab es allerdings bereits im Januar 2016 mit Bürgermeister Andreas Hügerich, der sich mit Kindern und Jugendlichen austauschte.Archivfoto: ...

Am späten Mittwochnachmittag tagte der Hauptausschuss im Stadtschloss. Die Fragen, welche er dem öffentlichen Teil zubilligte, drehten sich vor allem um zwei Punkte: Wie ist es um die angedachte Sicherheitswacht in Lichtenfels bestellt, und was steckt hinter einem Bundesprojekt mit der Bezeichnung „Demokratie Leben“?

Es war kurz nach 16 Uhr, als Bürgermeister Andreas Hügerich dem neben ihm sitzenden Chef der Lichtenfelser Polizei, Erich Günther, das Wort überließ. Denn es wird zum Korbmarkt (16. bis 18. September) zu einer Premiere kommen. Der Leiter der hiesigen Polizeiinspektion berichtete von dem „besonderen Ehrenamt“. So wirbt jedenfalls die „Bayerische Sicherheitswacht“ für sich selbst, und so tat sie auch anlässlich des Flechthandwerkermarkts am 7. Mai dieses Jahres vor dem Rathaus. Mit Beteiligung Günthers, bei bestem Wetter und über Stunden hinweg.

Günther: „Haben vereinzelt Rückmeldungen gehabt“

Doch das Bild, das Hügerich in diesem Zusammenhang wählte, klang unterhaltsam: „Lichtenfels und die Polizei haben um Rekrutierung von Freiwilligen geworben.“ Dazu wurde in den vergangenen Monaten noch mehr unternommen, und so berichtete Günther von Rundbriefen an Vereine, von allerlei Presseberichten und jeder Menge Mund-zu-Mund-Werbung. Das Ergebnis: „Wir haben vereinzelt Rückmeldungen gehabt.“

Rückblende ins Jahr 2019 und zu den Worten des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann. Damals, anlässlich der 25-Jahr-Feier dieser Sicherheitswacht, sprach er davon, dass über 100 bayerische Kommunen über diese Einrichtung verfügen, die „zur Stärkung des Sicherheitsgefühls der Bevölkerung wahrgenommen“ wird und „schon in unzähligen Fällen“ geholfen habe, Straftaten zu verhindern.

Das, was nach vorgenannten Bemühungen nun bilanziert werden kann, sind fünf Frauen und zwei Männer. Deren Biografien stellte Günther etwas vor. Alles brave Menschen, Fachkräfte und mitunter sogar Kirchenvorstände. Sie seien „gegen jeden Verdacht erhaben, Polizei spielen zu wollen“. Berechnet man ihr Durchschnittsalter, so komme man auf 54 Jahre, und Günther räumte ein, dass von ihnen „zwei, drei in den nächsten Jahren altersbedingt ausscheiden“ werden.

Prüfungen müssen noch bestanden werden

Und zu einem Aber: Denn um ihren ersten Einsatz am Korbmarkt zu absolvieren, bedarf es noch bestandener Prüfungen. Diese sind schon angelaufen, werden sich noch in den August hinziehen und den Prüflingen mit blauer Uniform in spe 40 Unterrichtseinheiten zu Belangen des Eingriffsrechts, des materiellen Rechts und vor allem der Dienstkunde abverlangen.

Kommunikation, Verhältnismäßigkeit, Prävention, soziale Kompetenz heißen die Lerninhalte, und Günther präsentierte dem Gremium der Stadträte durchaus anspruchsvolle Prüfungsfragen. Zudem zeigte er sich „total zufrieden“, wenngleich es auch gerne hätten zehn oder zwölf Bewerber sein können. „Das braucht Zeit zum Wachsen“, befand hierzu Bürgermeister Hügerich.

Lieferengpässe für die Uniformen

Doch ein weiteres Aber sollte nicht unerwähnt bleiben: „Das größte Problem sind Lieferengpässe für die Kleidung“, sprich also für die Uniformen, führte Günther aus. Eine Sorge hinsichtlich der künftigen Sicherheitswacht sollte jedenfalls durch Günther dem Stadtrat Christopher Bogdahn (FW) genommen worden sein. „Sie haben gut dargelegt, dass da keine (übereifrigen) Sheriffs rumlaufen“, äußerte dieser.

Doch eine Sorge sollte den Hintergrund für den weiteren öffentlichen Tagesordnungspunkt der Sitzung bieten. Es ist die Sorge um die Demokratie, und es ist eine bundesdeutsche Sorge, an der sich auch der Landkreis beteiligen will. Stichwort: „Demokratie Leben“. Der Mann, der aufgerufen war, dazu Auskunft zu geben, war Andreas Grosch, seines Zeichens Pressesprecher des Landratsamts.

Das Bekenntnis zu dem Projekt „Demokratie Leben“ ist auf Landkreisebene da und so hatte Hügerich nur eine Frage: „Wie kann man das verankern im Landkreis?“ Das, worum es geht, ist ein Projekt, geboren im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, angedacht zur Prävention gegen Extremismus und zur Förderung demokratischer Kultur.

In gewisser Weise ist Lichtenfels Nachzügler bei diesem Projekt, denn in Oberfranken bestehen laut Grosch in fast allen kreisfreien Städten und Landkreisen solche Partnerschaften für Demokratie. Freilich kam auch sofort das Thema Zuwendung auf, und für den Landkreis als Empfänger wären pro Jahr maximal 125.000 Euro als Budget für 2023 und 2024 drin, für etwaige Projekte in 2022 immerhin noch eine anteilige Entsprechung.

Koordination soll mit bestehendem Personal bewerkstelligt werden

Davon müsste aber für Projektkoordinierungen mindestens eine „halbe Stelle“ entweder geschaffen oder aus schon bestehendem Personalkontingent bewerkstelligt werden. Grosch betonte, dass es eher das Ziel des Landkreises sei, hierfür keine Neueinstellung vorzunehmen, sondern mit „Bordmitteln“ zu arbeiten, also für das Stemmen von Projekten Arbeitskraft aus Jugendamt, Kreisentwicklung, Jugendzentrum oder Kreisjugendring zu generieren.

Doch was könnte junge Menschen für Demokratie begeistern? Wie sollten etwaige Projekte aussehen? Für den Landkreis gesprochen kam die Rede auf Jugendparlamente mit Diskussionsrunden oder auf Ferienmaßnahmen mit Demokratiebezug.

Die Stadt wünscht sich eine Jugendbürgerversammlung

Für die Stadt Lichtenfels stand zuoberst auf einer Vorschlagsliste eine Jugendbürgerversammlung. Aber noch ist alles graue Theorie, für die zumindest der finanzielle Rahmen gesteckt wurde. Ideen gibt es genug und es ist gut möglich, dass noch mehr dazu stoßen

Es bleibt abzuwarten, wer diese Projekte anstößt und wie Ideen dann aussehen. Ein allzu großer Nachfragebedarf seitens der Stadträte war hinsichtlich dessen an diesem Nachmittag erst einmal noch nicht festzustellen. Es ist anzunehmen, dass sich das noch entwickeln könnte.

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