BURGKUNSTADT/LICHTENFELS

Musikvereine von der Politik im Stich gelassen

Musikvereine von der Politik im Stich gelassen
Der Lichtenfelser Kreisvorstand des Nordbayerischen Musikbunds: (v. li. stehend) Schatzmeister Dieter Tussetschläger, Kreisjugendleiter Matthias Zapf, Beisitzer Andreas Pratsch, stellvertretender Vorsitzender Florian Zapf, der Dritte Bürgermeister von Burgkunstadt, Manfred Hofman... Foto: Roland Dietz

Hart hat die Coronapandemie unsere heimischen Musikkapellen getroffen. Dies wurde bei der Jahresversammlung des Nordbayerischen Musikbundes Kreisverband Lichtenfels in Weidnitz sehr deutlich. Dennoch werde man weiterkämpfen. Was dabei bleibt, ist die Hoffnung auf mehr Unterstützung der Kommunen und des Landkreises.

Eingeleitet hatte die Versammlung eine kleine Bläsergruppe des Musikvereins Burgkunstadt mit dem Lied vom „Guten Kameraden“. „Selbst dass dieses kurze Musizieren zu Stande kam, ist eine behördliche Herkulesaufgabe gewesen“, musste Kreisvorsitzende Horst Sünkel zugeben.

Der Burgkunstadter Vorsitzende Sebastian Kremer stellte zur Begrüßung seinen Musikverein vor und sagte, dass dieser heuer sein 50-jähriges Bestehen feiere. Er lobte dabei besonders die Tätigkeiten des plötzlich verstorbenen Vorsitzenden Franz Schneider und des Dirigenten Thomas Besand. Er übte aber auch Kritik, dass es durch „oft sinnlose Abstandregelungen oder Verbote von Veranstaltungen“ nicht möglich sei zu musizieren. „Auf der anderen Seite liegen sich zehntausende Fußballfans in Stadien in den Armen. Hier müssen dringend andere Lösungen her“, so Kremer.

Kreisdirigent Christian Stenglein kritisierte, dass es von den Städten und Gemeinden keine Empathie gegenüber den Musikapellen in den vergangenen 18 Monaten gegeben habe. „Es wäre schön gewesen, wenn von diesen Stellen einmal die Frage gekommen wäre, Wie geht?s euch denn? Heute muss man sagen, es geht uns überhaupt nicht gut. Wir Musiker wurden als Kulturträger überhaupt nicht mehr wahrgenommen“, sagte Stenglein.

Beim Kreisorchester war Proben auf Abstand nicht möglich

Was für die Musikvereine eben kulturell machbar war, wurde möglich gemacht, allerdings sei man dabei an einem Minimum angekommen. „Beim Kreisorchester mit 80 Musikern war und ist ein Proben auf Abstand nicht möglich. Musikalisch lief also nichts. Dennoch sollten sich alle auf eine Zukunft nach Corona freuen“, so Stenglein.

Kreisvorsitzender Horst Sünkel ging weiter auf das Thema Befindlichkeiten der Musikkapellen ein. „Das Drama in der Pandemie für die Musiker setzte sich bis heute leider fort. Keine Gespräche, keine Feierlichkeiten, kein aktives Musizieren, keine Schützen- und andere Musikvereinsfeste, keine Kreismusikfeste in Uetzing, Altenkunstadt, Burgkunstadt“, so Sünkel. Alle hätten sich darauf gefreut, und die Verantwortlichen hätten erstklassige Programme erstellt.

Mit den Planungen für das Kreisorchester und das Kreisjugendorchester war es ebenso „alles für die Katz“, stellte Sünkel enttäuscht fest. Hatte man 2020 noch geglaubt, ein Jahr später nachfeiern zu können, habe das Coronavirus und die damit verbundenen Verbote alles zunichte gemacht. Die Aktivitäten wie Musik aus dem Fenster, Weihnachtsgrüße auf Youtube, Konzert auf Youtube, Online-Proben oder Proben in Außenbereichen hätten sehr bald wieder ihren Reiz verloren.

Während der Pandemie wurde nicht viel geübt

„Die virtuellen Aktionen sind jedoch auch nicht das Gelbe vom Ei und waren insgesamt ein schlechter Ersatz für das Gemeinschaftserlebnis“ resümierte der Kreisvorsitzende. Als Beispiel für die Problematik ging er auch auf die Aus- und Weiterbildung für Kinder und Jugendliche ein. Den D1-Kurs im Oktober 2020 im Oktober habe man verschieben müssen. Letztendlich habe man ab dem 11. Juni in Präsenz kurzfristig starten können. „Es waren zum Beginn des Kurses 30 Jungmusikerinnen und -musiker angemeldet, nahmen letztendlich 16 Musikerinnen und Musiker beim aktuellen Kurs teil“, so Sünkel. Die anderen 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hätten aber nicht das Musizieren aufgehört. „Sie haben bei anderen Verbänden im Online-Modus ihr D1-Abzeichen gemacht. Das Positive: Es haben alle bestanden!“, sagte Sünkel. Es habe sich aber gezeigt, dass während der Pandemie nicht viel geübt wurde. Der überwiegende Teil hat auf der Zielgeraden noch alles aus sich herausgeholt.

Nur die Hälfte der Vereine nahmen Notenzuschuss in Anspruch

Sünkel führte ferner aus, dass ein Notenzuschuss in Höhe von 200 Euro zur Verfügung gestellt wurde. „Von unseren 16 Vereinen hat dies nur die Hälfte genutzt, was nicht verständlich und nachvollziehbar ist.“ Am Ende dankte der Kreisvorsitzende allen, die ihn und die Kapellen und Vereine unterstützt haben, was bei sich ständig ändernden Vorschriften nicht gerade einfach war.

Kreisschatzmeister Dieter Tussetschläger konnte von geordneten Kassengeschäften berichten, und gegen das Protokoll von Schriftführerin Melanie Dziwis gab es keinerlei Einwände. Kurz und knapp war auch die Ausführung von Kreisjugendleiter Michael Zapf: „Keine Musik, kein Bericht.“

Der Dritte Bürgermeister der Stadt Burgkunstadt, Manfred Hofmann, gab der Hoffnung Ausdruck, dass es bald wieder möglich sein möge, in gemeinschaftlichem Sinn das Musizieren als wichtigen Gegenpol zum rastlosen und auch jetzt noch hektischen Zeitgeschehen ausüben zu können.

Landrat Christian Meißner erklärte, dass leider in den vergangenen 18 Monaten bei den Musikkapellen viel auf der Strecke geblieben sei, besonders das Gemeinschaftserlebnis. Er hoffe, dass es nun wieder besser weitergehen möge und das Land nicht noch einmal heruntergefahren werden muss.

Keine wesentlichen Abgänge bei den Mitgliedervereinen

Etwas enttäuscht berichtete der Bezirksvorsitzende und stellvertretende Präsident des Nordbayerischen Musikbundes, Thomas Kolb, dass die Blasmusikbewegung mit über 100 000 Laienmusikern in ganz Bayern in höheren politischen Ebenen keine große Lobby besitze. So wurde nach langem Hin und Her endlich ein neues Hilfsprogramm verabschiedet. Positiv sei es, dass es keine wesentlichen Abgänge in den Mitgliedervereinen gegeben habe. Weiter ausgebaut habe man die digitalen Plattformen mit großen Werbeangeboten für Blasmusik. Er schlug vor, kleine Standkonzerte zu geben oder in Biergärten auzutreten.

Vor den Wahlen (siehe Infobox) gaben Kreisvorsitzender Horst Sünkel und Kreisschatzmeister Dieter Tussetschläger bekannt, dass sie zum letzten Mal für ihre Ämter kandidieren werden und in drei Jahren nicht mehr zu Verfügung stehen.

Der neue Vorstand

1. Vorsitzender: Horst Sünkel (Blaskapelle Schwürbitz).

Stellvertretender Vorsitzender: Florian Zapf (Altenkunstadter Musikanten).

Schatzmeister: Dieter Tussetschläger (Musikvereinigung Ebensfeld).

Stellvertretende Schatzmeisterin: Carmen Bähr (Weismainer Blasmusik).

Schriftführerin: Melanie Dziwis (Musikvereinigung Ebensfeld).

Kassenprüferinnen: Ann Katrin Steiner (Musikverein Marktzeuln) und Carmen Bezold (MV Modschiedel).

Beisitzerin und Beisitzer: Lea Friedmann (MV Hochstadt) und Andreas Pratsch (Musikvereinigung Ebensfeld).

Delegierte für die Bundesversammlung: Horst Sünkel und Florian Zapf.

Ersatzdelegierte: Petr Horejsi (Musikverein Uetzing-Serkendorf) und Dieter Tussetschläger.

Kreisjugendleiter und Kreisjugendleiterin: Matthias Zapf (Altenkunstadter Musikanten) und Alexandra Zapf (Musikverein Burgkunstadt).

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