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Musikschule Lichtenfels: Die Ära Reinhard Arnold klingt aus

Musikschule Lichtenfels: Die Ära Reinhard Arnold klingt aus
Mit der E-Gitarre hat Musikschulleiter Reinhard Arnold auch das bekannte „Nothing else matters“ von der Band Metallica u... Foto: Corinna Tübel

Gitarrentabs und –akkorde aus dem Internet, der Klang von „Nothing else matters“ der Band „Metallica:“ Reinhard Arnold kann es längst auswendig, hat er das Stück doch unzählige Male mit seinen kleinen und großen Schülern geübt. „Das Repertoire und die Stücke haben sich geändert. Für den E-Bass oder die E-Gitarre ist es zum Beispiel oft ein Ziel, den Rockklassiker spielen zu können. Dann sind sie auch begeisterungsfähig“, erzählt er. Nun wird er bald in den Ruhestand verabschiedet: In den 33 Jahren seiner Amtszeit als Leiter der Leiter der Heinrich-Faber-Musikschule und den 38 Jahren als Lehrkraft hat er nicht nur Kinder und Erwachsene beim Erlernen verschiedener Instrumente unterstützt, sondern sie auch für Nachwuchswettbewerbe wie „Jugend musiziert“ begeistert.

Nicht aus allen Schülern seien Profi-Musiker geworden, doch viele von ihnen bringen mittlerweile ihre Kinder zu Reinhard Arnold und seinem Team. Sie wissen: Musik kann das Leben bereichern und das eigene Spiel fördert die Kreativität, die Intelligenz und die Konzentration. Das Gehör wird geschult, die Motorik trainiert und der emotionale Bereich angesprochen. Das gelte für alle Instrumentenarten, bekräftigt der Leiter, der selbst Gitarre, E-Gitarre, E-Bass und Blockflöte unterrichtet hat: „Es hat mir großen Spaß gemacht mit den Schülern. „Auch, wenn mir die Fis, die immer wieder überfahren wurden, immer noch wehtun“, lacht er und denkt dabei auch an so manch andere Tonart.

Musikschule Lichtenfels: Die Ära Reinhard Arnold klingt aus
Reinhard Arnold und die „Fis, die immer wieder überfahren wurden“. Foto: Corinna Tübel
„Es hat mir großen Spaß gemacht mit den Schülern. „Auch, wenn mir die Fis, die immer wieder überfahren wurden, immer noch wehtun.“
Reinhard Arnold, Musikschul-Leiter

Doch er weiß ja aus eigener Erfahrung, wie viel Ausdauer und Geduld man braucht, um ein Instrument zu erlernen: In einer bis zu 20-köpfigen Gruppe nahe Schweinfurt, seinem Heimatort, habe er als Kind mit der Gitarre begonnen. Autodidaktisch und in Begegnungen mit vielen anderen Gitarristen habe er sein Spiel später perfektioniert. Im Rahmen seines Studiums an der Hochschule für Musik und Theater München hat er zudem als Zweitfach die Blockflöte ausgewählt. Auch heute noch greift er oft zu dem Instrument, dessen simples Image er gerne aufwerten würde. „Auf der Altflöte kann man zum Beispiel tolle und außergewöhnliche Barockstücke spielen.“ Doch auch andere ausgefallene Instrumente wie etwa die E-Orgel haben ihn fasziniert: „Das war damals der Renner, als ich hier angefangen habe.“

Durch Zufall ist Reinhard Arnold damals auf die Stelle einer Lehrkraft für Gitarre in Lichtenfels aufmerksam geworden. An seinen ersten Tag erinnert er sich noch: Eine Gruppe der Musikalischen Früherziehung stand gerade auf dem Stundenplan, das war für ihn etwas völlig Neues. Doch wenig später leitete er selbst diese Angebote mit Freude.

Musikschule Lichtenfels: Die Ära Reinhard Arnold klingt aus
ach 33 Jahren als Leiter der Heinrich-Faber-Musikschule verabschiedet sich Reinhard Arnold in den Ruhestand. Foto: Corinna Tübel

Früher hatten die Schüler mehr Zeit, aber Talente gibt's immer noch

Kommen auch immer wieder neue Musikschüler nach, so beobachtet der Schulleiter doch Veränderungen in den vergangenen Jahrzehnten: „Früher hatten die Schüler mehr Zeit für den Unterricht und zum Üben.“ Als Gründe vermutete er zudem den Kostenfaktor mit Blick auf oftmals geteilte Unterrichtseinheiten von 22,5 Minuten. Auf der anderen Seite stehe der Musikunterricht stets in Konkurrenz zu anderen Freizeitbeschäftigungen: Sport- oder Kreativangeboten sowie Social-Media-Kanälen oder Computerspielen. Reinhard Arnold spricht aus Erfahrung. „Und dann ist da noch etwas: Viele Kinder stehen früh auf und sind bis zum späten Nachmittag in Horten oder anderen Einrichtungen, da bleibt am Abend wenig Zeit und Energie zum Üben. Und das verstehe ich.“ Ein wenig traurig stimmt ihn diese Entwicklung schon, denn das Potenzial zum Musizieren sei definitiv vorhanden.

Umso mehr freute es ihn, wenn er Kinder bei kleinen und großen Erfolgen begleiten konnte, beim ersten fehlerfreien Lied oder der eigenen Interpretation von Stücken. Denn Musik regt auch die Fantasie an. Auch den Unterricht mit erwachsenen Musikschülern wird Reinhard Arnold vermissen. Er zollt ihnen großen Respekt für ihre oft langjährige Treue und ihr Durchhaltevermögen. „Ich denke da auch an unsere mehrstimmige Gitarrengruppe „Da Capo“, die es seit 25 Jahren gibt.“

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Akkorde gibt?s aus dem Internet, doch noch mehr Veränderungen im Musikunterricht hat Reinhard Arnold miterlebt. Foto: Corinna Tübel

Von Paganinis Werken und dem Renovieren eines Hauses in Spanien

Fortan werden den Alltag des Lichtenfelsers mehr eigene musikalische Projekte prägen, für die ihm nach einem langen Unterrichtstag oftmals die Muße fehlte. Gemeinsam mit einem Geiger möchte er beispielsweise einige Stücke des Komponisten Niccolo Paganini einstudieren. Zudem musiziert er gerne zusammen mit seiner Ehefrau, die Klavier spielt und ebenfalls unterrichtet hat. Manchmal möchten die beiden aber auch einfach nur lauschen: Beim Frühstück läuft ein bayerischer Klassiksender, durch den das Ehepaar immer wieder neue Komponisten kennenlernt.

Mal sehen, ob sie diesen auch in Spanien empfangen können: Dorthin zieht es die beiden nämlich in Kürze. Dort renovieren sie ein Haus und richten den Garten her – vielleicht ja zu den Lieblingsmelodien von Reinhard Arnold aus der Feder von Bach, Mozart, Beethoven oder Brahms. „Weil auf Musik könnte ich nie verzichten!“ Nur auf die Fis, die immer wieder überfahren wurden.

 

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