LICHTENFELS

Musiker Bernd Meusel: Songs aus der Pole-Position

Zusammen mit seinen musikalischen Helden im zweiten Lockdown – „easy Springsteen“ verzagt nicht! Foto: Mc Fly

Kneipen, Konzerthallen, Tanzsäle und ähnliche Locations, in denen jetzt Livemusik möglich gewesen wäre, haben im November auf Grund des zweiten Lockdown geschlossen. Auch die beliebte Kronacher Musiknacht mit bis zu 15 Livekonzerten fiel der Pandemie frühzeitig zum Opfer. Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr sah es im Open-Air-Sommer für regionale und nationale Musiker etwas entspannter aus, da unter freiem Himmel die nötigen Hygiene- und Abstandregeln für Gäste leichter einzuhalten waren.

Der Kronacher Musiker „easy Springsteen“ alias Bernd Meusel gehörte zu den Ersten, der die Lockerungen im Juni nutzte, um endlich wieder Live vor Publikum spielen zu können. Bereits am ersten Wochenende präsentierte er zusammen mit Peter Lachner Songs von „Springsteen und Dylan“ im Biergarten des Lokals „Dümpfelschöpfer“ in Lichtenfels. Weitere Auftritte in Kronach und Lichtenfels konnten realisiert werden – aber viele andere geplante Gigs, auch überregional, wurden aus hygienetechnischen Bedenken kurzfristig abgesagt.

Also eher eine durchwachsene Sommer–Live-Saison für den Kronacher Musiker und Springsteen Fan – auch wenn er die sieben gespielten Konzerte alle „live“ auf Facebook gepostet hat und hierdurch eine entsprechend weite Verbreitung erzielen konnte.

Livestream-Konzert für die gute Sache

Viel Freude bei allen Mitwirkenden und den insgesamt über 25 000 Besuchern auf Facebook machte das zusammen mit „1000 Herzen für Kronach“ organisierte Livestream-Konzert (1000 Herzen Open Air) Ende Juli im Kronacher Schützenhaus für den guten Zweck – bei dem er als technischer Leiter und Musiker aktiv mit vielen anderen Kronachern Künstlern teilgenommen hat.

Aber wie bereits beim ersten Lockdown im Frühjahr wird nicht Trübsal geblasen, sondern aus der Not eine Tugend gemacht und am musikalischen Programm gefeilt. Das bekannte Set mit über 100 Songs von Bruce Springsteen wurde bereits im Frühjahr durch eine musikalische Reise von Songs seiner US-Helden ergänzt. Und damit nicht genug: Zur Zeit arbeitet sich Bernd Meusel durch das Songmaterial deutscher Künstler, um bei seinen geplanten Auftritten in ferner Zukunft auch Fans der deutschen Popkultur zu erreichen.

Insgesamt hat er jetzt über 300 komplette Songs arrangiert und auf seine und die Ansprüche seiner Zuhörer ausgearbeitet. Außerdem sind noch unzählige Medleys seiner Helden im Programm.

Er sieht sein Hobby als gewollte Abwechslung und therapiert sich damit selbst vom Lockdown-Lagerkoller – denn die Stunden, in denen er die Songs ausarbeitet, singt und mit Gitarre und Mundharmonika begleitet, sind absolut befreiend. Und weil er auch den zweiten nötigen „Lockdown light“ bestens nutzen will, steht jetzt zusätztlich ein Piano im Probenraum, um seine bislang eher rudimentären Fähigkeiten auch an diesem Instrument zu verbessern und dies bei zukünftigen Auftritten mit einzubauen.

Von Angesicht zu Angesicht

Aus dieser „Pole-Position“ heraus hofft er, seinen Online-Fans im nächsten Jahr von „Angesicht zu Angesicht“ wieder ein paar schöne, unvergessliche Stunden bereiten zu können, und zwar mit Songs, die nicht immer Mainstream sind.

Weil es aber auf Dauer trotzdem langweilig wird, wenn man nur „übt“ und an seinem Songkatalog feilt, nimmt er ab und an einen neuen Song zur „Selbstreflektion“ auf und stellt ihn seinen Facebook-Freunden online vor. Wie gewohnt und gewünscht gibt?s dazu gern mal interessante Facts zur Entstehungsgeschichte und zum Hintergrund der Songs. Gern nimmt der Sänger auch mal Bezug auf das aktuelle Tagesgeschehen, wie die spannende US-Wahl am vergangenen Wochenende und liefert den passenden Soundtrack.

Kein Herz für Corona-Rebellen

Songs wie „Born in the USA“ von Bruce Springsteen oder der Uraltklassiker „The Times They Are a-Changin`” von Bob Dylan sind hier passende Beispiele. Er findet Trost darin, dass viele seiner musikalischen US-Helden ein ähnliches Weltbild haben – darum hat er die Wahl aufmerksam verfolgt und auch kommentiert.

Wie Bruce Springsteen bleibt auch der Kronacher Musiker „lange“ unpolitisch und ein neutraler Beobachter. Dies aber auch nur bis zu einer erträglichen Schmerzgrenze. Denn ab und an muss er auf die Veröffentlichungen von „KreuzUndQuerDenkern“ reagieren, die seine Facebook-Seite missbrauchen, um wüste Verschwörungstheorien und Unwahrheiten zu verbreiten.

Diese musikalischen „Leserbriefe“ kann man fast täglich „neu“ auf seiner Facebook-Seite oder auf seinem YouTube Kanal abrufen – beide sind unter dem Suchbegriff „easy springsteen“ zu finden. Auf seiner privaten Facebook-Seite (Bernd Meusel) finden dann auch immer am Wochenende die beliebten einstündigen „Livestream-Konzerte“ statt – hier auch immer gern im Dialog mit seinen Zuschauern – genaue Infos online unter www.facebook.com

Der zweite Lockdown musste sein

Bernd Meusel spielt die Songs seiner Heroes aus Leidenschaft und nach unzähligen Probestunden auch am liebsten „live“ vor Publikum – aber er lässt keinen Zweifel daran, dass er alle Hygienevorschriften für gut und sinnvoll hält – so hart diese für die Szene auch sind – und hier erhält er auch oft Zuspruch. Vor kurzem sah er einen Bericht über die deutsche Kunstturnerin Elisabeth Seitz – auch sie trainiert unverdrossen wie viele andere wöchentlich 30 Stunden für ihren Sport und würde sich gern im Wettkampf mit anderen messen – immer mit der Ungewissheit im Hinterkopf, dass der Aufwand und die Mühe in nächster Zeit nicht belohnt werden.

Das zeigt, dass die nötigen Einschränkungen der Pandemie alle Lebenslagen betreffen, und er wünscht sich hier von manchen „Künstlern“ weiterhin Verständnis mit der Hoffnung, dass Musiker, die in der Vergangenheit wirklich von der Musik „gelebt“ haben, hier auch von der angekündigten staatlichen Überbrückungshilfe profitieren können. Allen anderen, dass Sie die Ruhe bewahren und alternative Möglichkeiten zur musikalischen Entfaltung finden.

Und wenn es dann im Frühjahr wieder gelockert zur Sache geht, wird er auch mit seiner Musikagentur (Kronacher Musiknacht etc.) auch einiges dafür tun, dass es genügend Auftrittsmöglichkeiten für regionale Musiker gibt – mit der Hoffnung, dass die Szene „gestärkt“ musikalisch aus dem Lockdown herauskommt.

Denn die Krise kann auch Chancen in sich bergen. Getreu dem Dylan Song aus den 60-ern ,The Times They Are A-Changin'”.

„Wenn Euch Euer Leben lieb ist, fangt Ihr besser das Schwimmen an. Oder ihr werdet untergehen wie ein Stein, denn die Zeiten ändern sich“, heißt es übersetzt in dem berühmten Dylan-Song.

„Facebook nur zur Überbrückung – am liebsten wieder Live vor Publikum!“, meint Bernd Meusel. Foto: Red

Rückblick

  1. Coburger Open Air erst im nächsten Jahr
  2. Corona-Tagebuch: Bezaubernde Einblicke
  3. Stadtplanung: Krisen beschleunigen die Veränderung
  4. Corona-Tagebuch: Ein gefiederter Feinschmecker
  5. Pfarrerin Anne Salzbrenner über den Corona-Streit
  6. Corona-Tagebuch: Der Coburger im VW-Bulli
  7. Ausstellung in Coburg: Grenzgänger in Glas
  8. Wandern bei den Nachbarn im Bamberger Land
  9. Bayreuther Uni lässt von sich hören
  10. Corona-Tagebuch: Von Sternsingern und Weicheiern
  11. Corona-Tagebuch: Es kann durchaus doppelt traurig sein
  12. Coburg: Die drei Musketiere zeigen es Corona
  13. Ian-Eric Schwenk: Trotz Impfung war er positiv
  14. Corona-Tagebuch: Verrückte Träume und Milch
  15. 460 Kilometer durch das Fränkische Seenland
  16. Uni Bamberg: Millionen für Digitalisierungsschub
  17. MGH Michelau bis Jugendtreff: Es wird Zeit für mehr Leben
  18. Corona-Tagebuch: Von der Suche nach dem Mond
  19. Mini-Welt in Reundorf: Pool, Traktor und wehende Wäsche
  20. Corona-Tagebuch: Der Kuss und die Frage
  21. Rosenberg Festspiele: Vorhang auf nach der Zwangspause
  22. Corona-Tagebuch: Von tiefer und echter Reue
  23. Corona-Tagebuch: Ein Küsschen zum Schluss
  24. Neuer Studiengang in Kulmbach
  25. Corona-Tagebuch: Die zielsicheren Blaubeeren-Boys
  26. Diözesanmuseum: „Upcycling” und der Sternenmantel
  27. Corona-Tagebuch: Am Ende steht ein Nummernschild
  28. Stefan Voll: Kultur ist wert(e)voll
  29. STC Redwitz: Matchball gegen Corona
  30. Corona-Tagebuch: Der gefragte Fälscher
  31. Professor Matthias Drossel: Was ein Corona-Tester erlebt
  32. Corona–Tagebuch: Halbherzige Raufbolde
  33. OT-Faktencheck: Die Mär von den Impftoten
  34. Online-Talk mit Lichtenfelser MdB Zeulner und Professor Ludwig
  35. Corona-Tagebuch: Besoffen in Marseille
  36. Die Biographie der Lichtenfelserin Maria Hollering-Hamers
  37. Corona-Tagebuch: Zumindest ist er jetzt sauber
  38. Der OT-Faktencheck zu einem Impfmythos
  39. Corona-Tagebuch: Vom Kampf gegen schlechte Gerüche
  40. Potzblitz und Pulverdampf: Actionbound der Veste Coburg
  41. Ernährungstipps von Marion Reich aus Trieb
  42. Corona-Tagebuch: Zweieinhalb Kilo Bohnen für 2,50
  43. Aus Weismain zurück nach Litauen: „Sind an Grenzen gestoßen“
  44. Corona-Tagebuch: Das Geheimnis der Sophatiker
  45. Michael Stromer: Oh wie schön – ist der Garten
  46. Frankenwald: 30 Tourenvorschläge für Pedalritter
  47. Corona-Tagebuch: Von der Erotik des Alters - im Wald
  48. Endlich wieder ins ETA Hoffmann Theater in Bamberg
  49. Schönbrunner Rosenkinder starten ins Gartenjahr
  50. Corona-Tagebuch: Gewagter Vergleich mit Folgen

Schlagworte