LICHTENFELS

Mundart bleibt auch am Obermain auf der Strecke

Mundart bleibt auch am Obermain auf der Strecke
Josef Motschmann bei einem seiner unzähligen Mundartauftritte in den letzten Jahrzehnten Foto: Andreas Motschmann

Der „Internationale Tag der Muttersprache“ am 21. Februar ist seit dem Jahr 2000 ein Unesco-Gedenktag zur „Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit“. Sprache sei, so die Unesco, nicht nur Kommunikationsmittel, sondern auch kulturelles Erbe und Ausdruck kultureller Identität. Diesen Gedenktag nimmt OT-Mitarbeiter Andreas Motschmann zum Anlass, nicht nur über die Sprachvielfalt nachzudenken, sondern auch über die Mundart.

Wie ist es im Landkreis Lichtenfels mit der Mundart bestellt? Wer spricht in der Öffentlichkeit im lokalen Dialekt? Die Lokalpolitiker? Viele kommunizieren mit Whatsapp und sind international im World Wide Web unterwegs, auf der Strecke bleibt aber das eigene Kulturgut, speziell die heimische Mundart.

Wer spricht noch in der Schule in heimischer Mundart?

Wie gehen Lehrer in den Schulen und Erzieherinnen in den Kindergärten mit den wenigen Dialekt sprechenden Kindern um? Das wäre eine Umfrage vor Ort wert. Wünschenswert wäre, das Thema Dialekt in den Lehrplänen zu verankern und die Schulbücher entsprechend anzupassen. Es scheint, dass Mundart in Schulbüchern kaum eine Rolle spielt; aber wenn sie vorkommt, dann ist es Bayerisch; Fränkisch ist eher eine Randnotiz.

Mundart oder Mundart-eingefärbtes Schriftdeutsch gibt es in den nicht wenigen Laientheatergruppen am Obermain. Auf der Bühne ist der Dialekt lebendig, aber wie ist es im Alltag? Unterhalten sich die Menschen beim Gespräch über den Gartenzaun auf dem Dorf in Mundart? Die Zahl der Dialektsprecher im Wirtshaus ist hoch – die Zahl der Wirtshäuser wird leider immer kleiner. In der fränkischen Volksmusik ist die Mundart lebendig, aber leider singen die Chöre kaum ein entsprechendes Lied.

Vor Generationen sprachen am Obermain alle Menschen Dialekt, jedes Dorf hatte seinen eigenen. Hochdeutsch ist erst nach 1871 aufgekommen, mit dem Beginn des Kaiserreichs.

Wer Schriftdeutsch und Dialekt spricht, lernt leichter Fremdsprachen

„Ich kann Dialekt sprechen!“ Das behauptet zwar laut Institut für Deutsche Sprache etwa jeder zweite Deutsche, doch insgesamt werden?s immer weniger, vor allem bei den Jugendlichen und in den Städten, aber auch auf dem Land. Ein Imageproblem haben Dialekte allemal, gelten sie doch vielen als „minderwertig und bäuerlich“. Das Gegenteil ist der Fall. Wer Schriftdeutsch und Dialekt spricht, lernt leichter Fremdsprachen, so eine Untersuchung.

Sprachwissenschaftler befragten in den vergangenen Jahren in Bayern immer wieder Jungen und Mädchen in Kindergärten und Schulen zur Bedeutung von Mundartbegriffen und deren richtiger Aussprache. Das Ergebnis war ernüchternd: Demnach reden und verstehen nur noch die Hälfte der befragten Kinder und Jugendlichen den Dialekt ihrer Gegend. Reine Mundartsprecher sind heute im ländlich geprägten Raum in der Minderheit. Die Überlieferung von kulturell und geschichtlich wertvollen Mundarten an die nächste Generation sei bedroht, so die Wissenschaft.

Für die Weitergabe der Mundartkompetenz an die Kinder sind die Eltern entscheidend. Doch immer mehr Eltern sprechen zuhause mit ihren Kindern ausschließlich Standarddeutsch, auch am Obermain.

Mundartdichtung im Landkreis Lichtenfels

Mundart bleibt auch am Obermain auf der Strecke
Vor genau 40 Jahren hatte Josef Motschmann seinen ersten Mundartgedichtband mit dem Titel: „Weidn loun sich biing“ verö... Foto: Andreas Motschmann

Von Mundartdichtung in der Region ist erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts die Rede. In den 20er und 30er Jahren erschienen Prosatexte im heimischen Dialekt. Insgesamt war die Tendenz, sich in der Sprache des engeren Heimatraums poetisch zu artikulieren, wenig ausgeprägt. Der Seßlacher Konrad Hartig schrieb im früheren Landkreis Staffelstein Mundartprosa im Seßlacher Dialekt. Sein lustiger Dialog mit dem Titel: „Die Heinera und die Dresera“ wurde im Mainboten von 1936 veröffentlicht.

Mundartdichtung hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen und erlebte in den 1970-er Jahre eine erste Blüte. In Franken haben die Theaterstücke von Fitzgerald Kusz überregionale Bedeutung. Sein größter Erfolg, das in Mundart geschriebenen Theaterstück „Schweig, Bub!“, wurde am 6. Oktober 1976 uraufgeführt.

Josef Motschmann der bekannteste Mundartdichter am Obermain

Im Landkreis Lichtenfels war es der Maurermeister Willy Förtsch, der 1987 Mundartgedichtla über die Schney vorlegte. Der mittlerweile verstorbene Josef Motschmann ist der bekannteste Mundartdichter am Obermain. Vor genau 40 Jahren hatte er seinen ersten Mundartgedichtband mit dem Titel: „Weidn loun sich biing“ veröffentlicht. Danach folgten die Bände „Eigerohmda Maawiesn“ und „Morkschdaa.“

Richard Kerling schrieb seinerzeit über den jungen Dichter aus Altenkunstadt: „Nur ein einziger der heimischen Mundart-Autoren erreicht literarisches Niveau. Als Dialektlyriker, der neue Töne anklingen lässt, hat er sich auch über unseren eigenen Heimatraum hinaus einen Namen gemacht. Im Gegensatz zu vielen anderen Dialektlyrikern, die ihre Texte mit agitatorischen Merksprüchen versehen, setzt Motschmann auf die kleinen Leute als mündige Leser und traut ihnen eigenes Denken und Mit-Gefühl zu.“

In einem seiner letzten Auftritte appellierte Josef Motschmann bei den Mundart-Projekttagen der Altenkunstadter Grundschule an die Schüler: „Mein Wunsch ist, dass ihr sowohl Mundart als auch Hochdeutsch könnt. Vor allem aber wünsche ich mir, dass ihr zu eurem Dialekt steht und den Mut habt, ihn zu sprechen.“

Haamed

Haamed ist dodd,

wu ich veschdeh und

wu ich veschdandn wä.

Schbuen

Schbuen

hindeloun

und doch wissn,

dass sa

nouchanouch

vewischn,

vewachsn und

veschwindn.

Es Leem

gedd weide

und ich

bin blueß

a Daal,

niä wenge,

obe aa

niä meä.

Josef Motschmann

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