LICHTENFELS/BAMBERG

Mit Mäc Härder zwischen Sofambik und Kloronto

Es kann tödlich sein, jeden infizieren und uns manchmal die Unbeschwertheit vermiesen: Dennoch existieren mittlerweile unzählige Witze über Covid-19 in den Medien und im persönlichen Miteinander. Warum dieser Umgang hilfreich sein kann und wie Menschen oft unbewusst über Corona „witzeln“, erklärt Mäc Härder.

„Das sind meine Reiseziele 2020: Haustralien, Sofambik, Kloronto, Bangladusche, Balkongo - vielleicht gibt es noch einen Abenteuertrip nach Parkistan.“ Solche Gags und viele mehr kursieren in diesen Tagen nicht nur in großer Anzahl im Internet und den sozialen Medien. Politiker-Karikatur im Radio und TV stehen in ebendiesem Spannungsfeld wie der schnell dahingeworfene Witz unter Freunden: Ist Komik über das Corona-Virus denn vertretbar?

„Wenn man über etwas

lachen kann, hat man das Schlimme schon ein Stück weit bewältigt.“

Mäc Härder, Kabarettist

„Natürlich, denn das Thema ist so breit gefächert, dass sowieso fast jeder Witze darüber macht – auch unbemerkt“, beobachtet der Kabarettist Mäc Härder aus Bamberg. „Wenn jemand niest und sein Gegenüber ihn in Sekundenschnelle fragt: ,Und, hast du Corona?' Statt: ,Gesundheit', dann ist das ja auch eher ein Scherz als eine ernst gemeinte Frage.“ Außerdem sei Humor auch immer ein Ventil, das uns helfe, auch schlimme Zeiten zu überstehen.

„Wenn man über etwas lachen kann, hat man das Schlimme schon ein Stück weit bewältigt.“ Mäc Härder blickt dabei auf andere tragische Ereignisse wie etwa den Terroranschlag am 11. September in New York oder den Tod der englischen Prinzessin Diana zurück. „Auch da hat es ein paar Wochen gedauert, bis nach einer Art Schonzeit, die ersten Witze darüber erwacht sind.“

Für den Ausbruch und die Verbreitung des Corona-Virus gab und gibt es keine taggenauen Ereignisse. Die Übergänge von einer Stimmungslage in die nächste sind fließend und variabel. Ebenso das Alter der „Witze-Reißer“.

Sensibel sein bei persönlicher Betroffenheit

Was dagegen ein klarer Tabu-Bereich bleiben sollte, sind Gags über direkt betroffene Personen – das heißt mit Covid-19 Infizierte oder deren Angehörige. „Wenn man persönlich in solch einer Situation drinsteckt, kann man keinen Humor entwickeln“, macht Mäc Härder klar. „Auch über solche Tatsachen wie die Leichen-Transporter aus Bergamo oder Tote in New York, Bilder die wir so aus den Medien kennen, darf man keine Witze machen!“ Ebenso sollte es ein Standard sein, andere mit den Witzen nicht zu beschämen, bloßzustellen oder gar zu verurteilen.

Für einen Kabarettisten ist die Frage nach der Legitimation von Corona-Witzen aber nicht ungewöhnlich: „Wir haben immer mit ernsten Fällen zu tun und sehen die Welt meist aus einem anderen Blickwinkel“, so Mäc Härder. „Deshalb ist diese Frage für mich völlig normal. Ich gehe auch an das Thema professionell heran und sehe viele Pointen, wo andere keine sehen.“

Humor online? Nicht für Mäc Härder

Für den Kabarettisten Mäc Härder sind seit Beginn der Corona-Krise viele Auftritte abgesagt worden. Als schlimm empfindet er das nicht: Er nutze die zusätzliche Zeit, die sonst durch die Programmarbeit, Proben und Auftritte manchmal eng bemessen sei, mit Kurzreisen durch unbekannte deutsche Gegenden (wer kennt schon Ostdeutschland?) oder der Lektüre von Zeitschriften und Büchern. An Auftritte im Fernsehen oder Videosequenzen im Internet denkt er jedoch nicht: „Ich habe einige Kollegen im Fernsehen gesehen, die vor leeren Stühlen aufgetreten sind. Das ist für mich völlig reizlos. Ich bin ein Live-Künstler. Ich möchte auch nicht vor einer Art ,Krankenhauspublikum' auftreten. So käme es mir nämlich vor, wenn alle Mundschutz tragen würden“, erklärt der Kabarettist.

„Ich habe einige Kollegen

im Fernsehen gesehen, die

vor leeren Stühlen aufgetreten sind. Das ist für mich

völlig reizlos. “

Mäc Härder, Künstler

Für ihn sei es auch erfrischend, wenn seine Zuschauer und Zuhörer interagieren. Zwar folge er zunächst immer seinem vorher erarbeiteten Programm, da man nie wisse, wie das Publikum reagiere.

Oft erlebe er vor der Bühne aber auch Zurufe, auf die er reagiere oder Kontra gebe, die ihn ein Stück weit selbst veralbern oder in andere Richtungen treiben.

„An dieser Stelle merkt das Publikum dann, dass ich das so nicht geplant habe. Das sind magische Momente, an die man sich gerne erinnert.“

Im Juli tritt er erstmals wieder in Aschaffenburg auf – in Open Air -Manier. Dort wird er das Thema „Corona“ natürlich ein Stück weit auf seine Weise verarbeiten, das Publikum erwartet das. Jedoch soll dies nicht überhand nehmen. „Ich denke, mittlerweile wollen viele Leute auch einfach mal etwas anderes.“

Jeder hat schon gegen eine Corona-Regel verstoßen

Und dabei vielleicht weiter eine Art „stillen“ Humor pflegen? Der Kabarettist ist sich sicher, dass es kaum jemanden gebe, der nicht gegen mindestens eine Corona-Regel verstoßen habe. Auch er selbst nimmt sich davon nicht aus – wurde aber schon öfter deshalb zurechtgewiesen: „Ich bin mal an ein paar Jungen draußen vorbeigekommen, die Fußball gespielt haben. Der Ball ist zu mir gerollt und bevor einer der Jungen bei mir war, habe ich ihn zurückgeschossen. Und was hat er zu mir gesagt, mit trockenem Ernst: ,Das waren jetzt aber nicht 1,5 Meter Abstand!'“

Spontane Situationskomik

Neben dieser spontanen Situationskomik verrät er aber auch einen seiner Favoriten unter den Corona-Witzen: „Corona ist erst dann vorbei, wenn die Kinder wieder im Ikea-Bällebad spielen dürfen.“ Beinhaltet das bei allem Witz nicht auch einen bildlichen Ernst?

Mäc Härder

Manfred Härder, Künstlername Mäc Härder ist ein fränkischer Kabarettist, Jongleur, Autor und Fernsehmoderator. Er lebt in Bamberg, ist durch viele Auftritte wie im Lichtenfelser Stadtschloss oder dem Korbmarkt aber auch am Obermain präsent.